Milchverarbeiter
Hochdorf macht im Kerngeschäft Gewinn – Aktionäre gehen dennoch leer aus

Der Umsatz bricht zwar um über ein Drittel ein. Der Gesamtverlust konnte aber im Vergleich zum Vorjahr stark reduziert werden. Im Kerngeschäft konnte Hochdorf mit Werk in Sulgen gar die Gewinnzone erreichen.

Maurizio Minetti
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Blick in die Produktion des Milchverarbeiters Hochdorf. Auf dem Bild zu sehen ist ein Mitarbeiter bei einer Kontrolle der Walze, mit der Milchpulver hergestellt wird.

Blick in die Produktion des Milchverarbeiters Hochdorf. Auf dem Bild zu sehen ist ein Mitarbeiter bei einer Kontrolle der Walze, mit der Milchpulver hergestellt wird.

(Bild: Pius Amrein, 19. Dezember 2019)

Die Hochdorf-Gruppe befindet sich zwar weiterhin in den roten Zahlen. 2020 konnte der Reinverlust aber von über 271 Millionen Franken im Vorjahr auf nun 70,3 Millionen Franken reduziert werden. Auf Stufe Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) resultierte ein Minus von 67,9 Millionen Franken. Der Gesamtumsatz sank um 33 Prozent auf 306,2 Millionen Franken. Der Rückgang, der im Rahmen der Erwartungen lag, ist hauptsächlich auf den Verkauf der Tochtergesellschaft Uckermärker Milch zurückzuführen.

Der drittgrösste Schweizer Milchverarbeiter begründet den Verlust mit einer Neubewertung von Anlagen, die zu zusätzlichen Abschreibungen führte. Die Abschreibungen enthalten eine Wertberichtigung von 66 Millionen Franken auf der erst im Jahr 2019 in Betrieb genommenen Sprühturmanlage 9 in Sulgen sowie der dazugehörigen Dosenlinie.

Begründet wird diese Wertberichtigung mit der geringen Auslastung der Anlagen von lediglich 10 Prozent sowie dem hohen Risiko im Baby-Care-Geschäft. Finanzchefin Nanette Haubensak sagte an einer Videokonferenz am Montag, man gehe davon aus, die neue Anlage mittelfristig auslasten zu können, doch zunächst müsse man neue Kunden gewinnen.

Ohne Sonderposten zurück in der Gewinnzone

Klammert man diese grosse Abschreibung aus, hat das Unternehmen nach einem verlustreichen 2019 nun wieder die Gewinnzone erreicht. Nach Bereinigung um einmalige Sondereffekte wie der Wertberichtigung von Anlagen, Effekte aus Verkauf, Liquidationen und Standortschliessungen ergebe sich ein leicht positiver Ebit von 2,3 Millionen Franken aus dem operativen Kerngeschäft, so Hochdorf.

Positiv habe sich insbesondere das Kosteneffizienzprogramm Optima auf das Ergebnis ausgewirkt. Massnahmen zu Einsparungen wie etwa im Einkauf und eine Senkung der Betriebskosten konnten laut dem Unternehmen bereits erfolgreich realisiert werden.

Das Unternehmen sei einen Schritt weiter

Es sei vernünftig, dass sich Hochdorf wieder auf das Kerngeschäft konzentriere, sagt Carol Aschwanden, Sprecherin der Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP, die aktuell knapp 18 Prozent der Hochdorf-Aktien halten. «Die anstehenden Herausforderungen, welche der Verwaltungsrat hat, sind immer noch sehr gross. Hinzu kommen die Ungewissheiten bezüglich Entwicklung der Milchmenge und der mittelfristigen Auswirkungen der Coronapandemie.

Ob all die eingeleiteten und angedachten Schritte reichen, um die Firma erfolgreich in die Zukunft zu führen, können wir nicht abschliessend beurteilen», sagt Aschwanden. Mit der Erreichung der Gewinnschwelle im Kerngeschäft sei das Unternehmen aber schon einen Schritt weiter, lautet das Urteil der ZMP. Auch die verbesserte operative Zusammenarbeit mit Pharmalys, die Schärfung der Strategie und die Kosteneinsparungsprogramme gingen in die richtige Richtung.

Milchproduzenten begrüssen Dividendenverzicht

Derweil verzichtet Hochdorf erneut darauf, den Aktionären Geld auszuschütten. Dies war bereits in den letzten beiden Jahren der Fall, seitdem sich Hochdorf in einer tiefen Krise befindet. Bei den ZMP hat man ohnehin nicht mit einer Dividende gerechnet.

«Im Fokus der ZMP Invest AG liegt die Stabilisierung und Zukunftsgestaltung des Unternehmens. Unser primäres Ziel ist, dass das Unternehmen wieder auf Kurs kommt und auf gesunden Beinen steht. Im jetzigen Prozess eine Dividende auszuzahlen, wäre aus unserer Sicht nicht nachhaltig», sagt ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden.

Geschäft mit Schoggi unter Druck

Hochdorf ist hierzulande der grösste Milchpulverlieferant für Premium-Schoggihersteller. Wegen der Pandemie benötigte die Schweizer Premium-Schokoladenindustrie letztes Jahr allerdings geringere Mengen Milchpulver. Hauptgründe sind tiefere Schokoladenverkäufe im Bereich Duty-Free und im Schweizer Tourismus sowie geringere Exporte. Hochdorf erwartet hier keine schnelle Besserung. Auch für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen nach wie vor mit Absatzvolumen bei Premium-Schokoladenkunden unter dem Vor-Corona-Niveau.

Gelitten hat Hochdorf paradoxerweise auch unter der höheren Nachfrage nach Milchprodukten während der Pandemie. Das Unternehmen war nämlich nicht in der Lage, die vereinbarten Rahmlieferungen an die Kunden vollständig zu erfüllen. «Der Stopp des Einkaufstourismus führte zu einer erhöhten Inlandsnachfrage nach frischen und haltbaren Milchprodukten; dies führte unter anderem dazu, dass wir unsere Rahmverträge im Jahr 2020 nicht vollständig erfüllen konnten», sagt CEO Peter Pfeilschifter.

Leichtes Umsatzwachstum und ausgeglichenes Ergebnis erwartet

Für das laufende Jahr erwartet die Hochdorf-Gruppe trotz der nach wie vor anhaltenden Ungewissheiten bezüglich der Pandemie einen Umsatz im Bereich von 260 bis 300 Millionen und ein ausgeglichenes Jahresergebnis auf Stufe Ebit. Dies bedeutet für die «neue» Hochdorf ohne die Uckermärker Milch GmbH, die Marbacher Ölmühle GmbH und die Zifru Trockenprodukte GmbH ein organisches Umsatzwachstum von 3 bis 4 Prozent.

Das Geschäftsjahr 2021 verstehe man nach den Jahren der Sanierung und Restrukturierung als ein Jahr des Aufbruchs, heisst es aus Hochdorf. Nach wie vor plant das Unternehmen Kapitalmassnahmen, um die Bilanz zu stabilisieren. Einzelheiten dazu gab es am Montag aber noch nicht.

In Sulgen wird Molke veredelt

Im Herbst 2020 hat Hochdorf zum Zweck der weiteren Veredelung des Rohstoffs Molke mit dem Aufbau eines Molkenkompetenzzentrums im Werk Sulgen begonnen. Dies ermögliche die Entwicklung und Produktion hochwertiger funktionaler Ingredienzien auf Molkenbasis für die Anwendung in Baby- und Hochproteinprodukten. Damit könne Hochdorf auch den Zukauf einiger wichtiger Ingredienzien für Babynahrung durch eigene Produkte ersetzen und so die interne Wertschöpfung steigern. Zudem leiste man durch das eigene Produktionsverfahren einen Beitrag zur Reduktion der Nahrungsmittelverschwendung, Stichwort Food Waste. (red.)