Milch: Wie viel Staat braucht's?

Die Ostschweiz am Sonntag widmet sich diese Woche der Milch. Unter anderem geht's um den Milchmarkt. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse will den Markt öffnen, die Bauern warnen vor einem Kollaps.

Roger Braun
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Ist die Milchwirtschaft ohne Zollschutz überlebensfähig? Schweizer Milchbauern auf dem Weg zur Käserei. (Bild: ky)

Ist die Milchwirtschaft ohne Zollschutz überlebensfähig? Schweizer Milchbauern auf dem Weg zur Käserei. (Bild: ky)

Der Schweizer Milchmarkt: Das war lange Zeit vielmehr eine Planwirtschaft als ein Markt. So teilte der Staat früher jedem Betrieb eine Milchmenge zu, die er produzieren durfte. Im Gegenzug garantierte er den Bauern einen Mindestpreis. Damit sollte eine Überproduktion verhindert werden, die den Milchpreis in die Tiefe getrieben hätte.

Seit 2009 ist Schluss mit der staatlichen Kontingentierung. Heute steht es den Milchbauern frei, wie viel Milch sie produzieren und zu welchem Preis sie diese verkaufen.

Zollschutz im Visier

Auch wenn der staatliche Einfluss auf den Milchmarkt schrittweise abgebaut wurde: Auch heute noch bestehen eine Vielzahl staatlicher Instrumente, die den Milchbauern unter die Arme greifen. Dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse ist dabei insbesondere der Zollschutz ein Dorn im Auge.

Der stellvertretende Leiter Wirtschaftspolitik, Stefan Vannoni, sagt: «Die Zollschranken sind gleich dreifach ein Problem für die Schweiz: Erstens bezahlt der Schweizer Konsument überhöhte Milchpreise, zweitens wird der Abschluss weiterer Freihandelsabkommen erschwert und drittens wird die Eigeninitiative der Bauern gebremst.» Wichtig wäre es, dass sich die Landwirte stärker am Markt orientierten, sagt Vannoni. Der Zollschutz wiege die Bauern in falscher Sicherheit und sei einzig eine Aufschiebung der Bereinigung. Für Vannoni ist klar, dass sich die Betriebe wandeln müssen, um international wettbewerbsfähig zu werden.

Bauernsterben befürchtet

Der Präsident des Schweizer Bauernverbands und St. Galler CVP-Nationalrat Markus Ritter kann darob nur den Kopf schütteln. Für ihn ist klar, dass die Schweizer Landwirtschaft im internationalen Wettbewerb kaum eine Chance hat. Die Kostennachteile in der Schweiz seien so gravierend, dass sich die Milchwirtschaft ohne Zollschutz nicht rentabel betreiben liesse. «Economiesuisse lässt ausser Acht, dass die Milch ein standardisiertes Produkt ist – hier können wir den Kostennachteil nur zu einem sehr kleinen Teil mit besserer Qualität kompensieren.» Für Ritter entsteht die Wertschöpfung erst durch die Verarbeitung. «Mit einer Uhr kann man sich zum Beispiel sehr einfach von der Konkurrenz abheben, aber probieren Sie das mal mit Milch!»

Eine Marktöffnung bei der Milch würde für viele Bauern das Aus bedeuten. Somit könnten die Bauern dem Verfassungsauftrag nicht mehr nachkommen, wonach sie die Aufgabe haben, die Versorgung sicherzustellen, die Landschaft zu pflegen und die dezentrale Besiedlung des Landes zu sichern. «Wenn wir dieser Aufgabe nachkommen sollen, müssen wir auch dafür sorgen, dass die Preise die Kosten einigermassen decken. Ohne einen wirksamen Grenzschutz ist das unmöglich.»

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 12. April.

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