Mikrofinanz mit interessanten Chancen

Die derzeitige Zinssituation bringt die Anleger ins Grübeln.

Michael Brotbeck Senior Investment Advisor Thurgauer Kantonalbank
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Die derzeitige Zinssituation bringt die Anleger ins Grübeln. Wenn Anleihen der Schweizerischen Eidgenossenschaft mit 10 Jahren Laufzeit gerade noch eine Rendite knapp über null abwerfen, sind valable Alternativen gefragt; Alternativen, die auch unter Einbezug der Kosten noch positives Renditepotenzial besitzen. Aktien sind allerdings nicht jedermanns Sache, auch wenn in Dividendenpapieren durchaus Chancen winken. Für den typischen Obligationeninvestor sind in dieser Anlageklasse die Schwankungen einfach zu hoch.

Ein noch wenig beachtetes Anlagesegment neben den traditionellen Anlageklassen wie Obligationen und Aktien ist der Mikrofinanzsektor. Hier winken Investoren mit einem mittelfristigen Anlagehorizont durchaus interessante Renditechancen.

Anders als in den entwickelten Volkswirtschaften wie der Schweiz ist in den Schwellenländern kaum ein relevanter Finanzsektor vorhanden. Die Nachfrage nach Fremdfinanzierungsquellen ist jedoch auch in diesen Gebieten ausgeprägt.

Dabei geht es nicht um die Finanzierung des Konsums, sondern in erster Linie um die Befriedigung der Liquiditätsbedürfnisse von Kleinunternehmern. Liquidität, die typischerweise gebraucht wird, um ein Geschäft auf- oder auszubauen und damit den Unternehmern längerfristig wirtschaftliche Unabhängigkeit verleiht. Solche Kleinkunden haben in der Regel keinen Zugang zu Bankkrediten und müssten daher auf Darlehen von Geldverleihern mit horrenden Zinssätzen zurückgreifen. Die Mikrofinanzinstitutionen füllen diese Lücke zwischen den Banken und den wenig vertrauenswürdigen Geldverleihern. Im Rahmen eines formalisierten Prozesses erhalten die Kunden hier ihre Kredite zu fairen Konditionen. Dies aber auch nur dann, wenn die wirtschaftliche Tragfähigkeit nachgewiesen werden kann.

Eine Direktinvestition ist nur schon aufgrund der typischerweise sehr geringen Darlehensgrössen im Umfang von teils wenigen hundert Dollar nicht möglich. Der Umweg geht dabei über die Mikrofinanzinstitutionen, die quasi als Sammelstelle fungieren. Sie pflegen die Verbindung zu den Kreditnehmern und stellen auf der anderen Seite die Refinanzierung der vergebenen Darlehen sicher. Diese Refinanzierung wird wiederum durch auf dieses Thema spezialisierte Anlagefonds sichergestellt. Hier kommt nun der Schweizer Anleger zum Zug, der in diese Fonds investiert und damit sein Kapital zugänglich macht. Im Gegenzug kann der Anleger aktuell mit Renditen von rund 2% p.a. (nach Fondskosten und Währungsabsicherung) rechnen. Auch wenn die Liquidität durch längere Rücknahmefristen etwas eingeschränkt ist, stellt dies gerade im heutigen Zinsumfeld eine durchaus attraktive Rendite dar.