Migros-Rekordjahr mit einem Makel

Als Nummer eins im Schweizer Detailhandel hat die Migros letztes Jahr so viel Gewinn erzielt wie noch nie. Und dies, obwohl der Umsatz leicht zurückging. Das ist allerdings ein Wermutstropfen, besonders im Vergleich mit Erzrivale Coop.

Stefan A. Schmid
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Zürich. Migros-Chef Herbert Bolliger hatte an der Bilanzpressekonferenz viel Positives zu berichten. Zum Beispiel, dass die Migros als Platzhirsch im hiesigen Detailhandel ihren Marktanteil von gut 20% halten konnte. Dass das Konglomerat mit einem Konzerngewinn von 850 Mio. Fr. nicht nur das beste Ergebnis seiner 85jährigen Geschichte erwirtschaftete, sondern auch fast doppelt so viel wie Coop. Und auch die nun noch solidere Eigenkapitaldecke freute Bolliger. Sein Fazit: Die Migros hat die Rezession gut überstanden.

Das Gewinnplus von 21% basiert in erster Linie auf dem stark verbesserten Finanzergebnis. Auf Stufe Betriebsergebnis zeigten zudem verbesserte interne Abläufe Wirkung. Bei der betrieblichen Marge zählt die Migros laut einer Auflistung der «Bilanz» mit 4,6% hinter der britischen Tesco mittlerweile zu den führenden Detailhändlern Europas. Coop kommt auf 3,3%, Aldi auf 2,5%.

Weniger gereist, billigeres Öl

Einziger Makel im Migros-Rückblick: Der Konzernumsatz sank 2009 um 3% auf 25 Mrd. Fr.; Coop konnte seine Verkäufe derweil um 2,4% auf 18,7 Mrd. Fr. steigern. Auch im Kerngeschäft Detailhandel schnitt Coop besser ab: Während die Migros 2,4% verlor, konnte der Rivale die Umsätze halten. Allerdings sind die Coop-Zahlen auch durch Sonderfaktoren – etwa im Zusammenhang mit dem Zukauf von Carrefour – aufpoliert.

Zudem betont die Migros-Spitze, dass ihr Umsatzvorsprung auf Coop über die letzten zehn Jahre stabil geblieben sei.

Trotzdem: Migros-Finanzchef Jörg Zulauf machte deutlich, dass er an den rückläufigen Umsätzen «keine Freude» habe. Der Rückgang um 800 Mio. Fr. hat drei Gründe. Erstens wurde 2009 weniger gereist, was den Umsatz der Reisetochter Hotelplan erodieren liess. Zweitens kosteten der Migrol die sinkenden Ölpreise über 400 Mio. Fr. Umsatz.

Drittens purzelten bei den Migros-Genossenschaften die Preise – Folge des verschärften Wettbewerbs, seit die deutschen Discounter Aldi und Lidl in der Schweiz expandieren. Laut eigener Angabe kosteten die Preisabschläge – vor allem bei den Frischprodukten – die Migros 300 Mio. Fr. Umsatz. Das freut die Kunden, die Migros-Chefs aber weniger. Bolliger geht denn auch davon aus, dass der Preiskampf auch dieses Jahr weitergeht.

M-Budget verliert Umsatz

Im Gegensatz zu den Genossenschaften konnten unter anderem die Fachmärkte (vor allem Obi, SportXX und Melectronics), Denner und der Online-Shop LeShop.ch umsatzmässig zulegen. Weniger gut lief es Micasa, Interio, Globus und Hotelplan.

Bei den Produktlinien fällt vor allem auf, dass die Migros bei ihrer Billiglinie M-Budget weniger verkaufen konnte. Ihr Umsatz ging hier um 3% auf 748 Mio. Fr. zurück. Eine mögliche Erklärung ist ebenfalls die Konkurrenz von Aldi und Lidl.

Bolliger glaubt aber nicht, dass die Migros Kunden, die beim Einkauf einzig und allein auf den Preis schauen, mit noch tieferen Preisen zurückholen könnte: «Wir sind kein Harddiscounter.» Migros setze vielmehr auf «das beste Preis-Leistungs-Verhältnis». Erfolgreich verkauften sich denn auch Produkte mit ökologischem oder sozialem Mehrwert.

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