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Migros lädt zur Geburtstagsfeier – mit Party-Killer Damien Piller

Der Zwist zwischen der Migros-Zentrale in Zürich und dem Freiburger Regionalfürst Damien Piller zieht weitere Kreise – und sorgt für eine bizarre Situation.
Andreas Möckli
Kam trotz Streit mit der Zentrale zum Migros-Geburtstagsfest: Damien Piller, Präsident der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Kam trotz Streit mit der Zentrale zum Migros-Geburtstagsfest: Damien Piller, Präsident der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Ob den Partygästen so richtig zum Feiern zumute war? Am Freitag vor einer Woche traf sich die Migros-Führung mit geladenen Gästen zum jährlichen Geburtstagsfest in Rüschlikon ZH. Gründer Gottlieb Duttweiler hat die Migros am 15. August 1925 aus der Taufe gehoben, was jedes Jahr gefeiert wird. Mit von der Partie war auch Damien Piller, Präsident der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. Viel mehr als Grussworte tauschte er mit Migros-Präsidentin Ursula Nold und
-Chef Fabrice Zumbrunnen nicht aus.

Ein Teilnehmer beschreibt die Situation als skurril. Denn Piller und die Migros-Zentrale in Zürich befinden sich im offenen Streit. Piller soll sich zulasten seiner Regional-Genossenschaft bereichert haben. Dies stellte zumindest Strafrechtler Mark Livschitz in einem Bericht fest, den die Migros-Zentrale in Auftrag gegeben hatte. Anfang Juli reichte sie eine Strafanzeige gegen Piller wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung ein. Der konkrete Vorwurf: Der Freiburger soll beim Bau von zwei Migros-Filialen 1,7 Millionen Franken in die eigene Tasche abgezweigt zu haben. Für Piller gilt die Unschuldsvermutung.

Mehrere Widersprüche

Letzten Dienstag holten Piller und seine Mitstreiter zum Gegenschlag aus. An einer Medienkonferenz in Freiburg erhob Piller zahlreiche Vorwürfe an die Migros-Zentrale und Präsidentin Nold. Dabei tun sich jedoch mehrere Widersprüche auf, wie etwa beim bereits bekannten Vermittlungsversuch der Duttweiler Stiftung. Zu ihren Aufgaben gehört es, in solchen Fällen zu schlichten. So hat Stiftungsratspräsident Peter Birrer im Juni ein Treffen mit den Streitparteien organisiert. Birrer zog dabei gemäss Recherchen dieser Zeitung den renommierten Wirtschaftsanwalt Peter Nobel hinzu. Dieser schlug vor, ein weiteres neutrales Gutachten erstellen zu lassen, da Piller und seine Mitstreiter den Bericht von Mark Livschitz massiv kritisieren. So weit, so bekannt.

Piller betont, den Vorschlag von Nobel sofort unterstützt zu haben. Die Migros-Zentrale dagegen zögerte und schlug die Idee des Anwalts später aus. Der Grund: Piller und Anwalt André Clerc, der die Verwaltung Genossenschaft Neuenburg-Freiburg vertritt, hätten schriftlich verlangt, dass Erkenntnisse und Dokumente aus dem Bericht von Livschitz nicht einfliessen dürften. Daher habe die Migros-Zentrale Nobels Vorschlag ausgeschlagen. Piller bestreitet jedoch, diese Forderung gestellt zu haben, wie er im Gespräch sagt.

Die Stiftung gilt als moralische Instanz der Migros und hält die Werte von Gründer Duttweiler hoch. So segnet sie unter anderem das Lohnband der Migros ab. Damit soll verhindert werden, dass der Lohn der Kassierin und das Salär des Migros-Chefs nicht zu weit auseinanderklaffen. Zuvor wurde die Stiftung von den Ex-Migros-Präsidenten wie Pierre Arnold und Jules Kyburz geleitet.

Einflussreiche Stiftung wird neu besetzt

Nun zeichnet sich ein Wechsel ab. Auf Peter Birrer soll David Bosshart folgen, Chef des Gottlieb Duttweiler Instituts, sozusagen die Denkfabrik der Migros. Die Detailhändlerin dagegen sagt, Birrer bleibe weiterhin Präsident der Stiftung. Klar ist jedoch, dass per Anfang September Walter Huber Stiftungsrat wird. Er war bis vor kurzem Chef der Migros-Industrie. Huber folgt auf den Baselbieter alt Nationalrat Claudius Alder, der sein Mandat Ende letzten Jahres abgab.

Noch immer im Stiftungsrat sitzt jedoch Marcelle Junod, frühere Chefin der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. Sie war laut dem Bericht von Livschitz direkt involviert in die fraglichen Zahlungen. Sie ist im Fall Piller in den Ausstand getreten. Dennoch tun sich andere Stiftungsräte aufgrund ihrer Beteiligung im Fall schwer mit der Westschweizerin und fordern, dass die Migros-Zentrale sie absetzen soll.

Wie die Migros bestätigt, ist Junod in der Strafanzeige nicht namentlich aufgeführt. Sie richtet sich gegen Piller und gegen unbekannt.

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