Migros handelt auf eigene Faust

KREUZLINGEN. Der Gemüseanbau beginnt wieder. Das Projekt der Migros eines Peperoni-Gewächshauses im Unterwallis ist noch in Planung und bedarf einer speziellen Zone. Es stützt sich auf das Thurgauer Projekt TerrCal, das die Migros selbst umsetzt.

Madeleine Stäheli Toualbia
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Die meisten Peperoni, die in der Schweiz verkauft werden, sind Importware. Die Migros plant nun selbst einen Anbau im grossen Stil. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Die meisten Peperoni, die in der Schweiz verkauft werden, sind Importware. Die Migros plant nun selbst einen Anbau im grossen Stil. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Die Migros macht in der Schweiz den ersten Schritt zur Gemüse-Grossproduktion im Gewächshaus, mit Peperoni in Collombey-Muraz im Unterwallis. Der Grossverteiler, der sich einen Grossteil des Markts mit Schweizer Frischprodukten hauptsächlich mit Coop teilt, erweitert damit seine eigenen Betriebe als erster Detailhändler der Schweiz um die landwirtschaftliche Produktion. Den Einfall dazu hatte nicht die Migros allein. «Die ursprüngliche Idee ist, unter der Marke TerrCal in der Schweiz unabhängig Gewächshäuser zu betreiben und mehrere Abnehmer zu beliefern», sagt Peter Konrad, Vorsitzender der in Kreuzlingen eingetragenen Interessengemeinschaft (IG) TerrCal, der das Projekt 2004 für Weinfelden mitinitiierte. Konrad war Leiter der Fachstelle Gemüsebau am Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg in Salenstein.

«Viele Marktdaten geliefert»

Die Migros, die das Gewächshaus im Wallis auf Stufe Genossenschaftsbund realisiert, wie Sprecher Luzi Weber sagt, war aber ziemlich von Anfang an mit im Boot mit. Die Neosys AG, Gerlafingen, schied in einer Machbarkeitsstudie zum TerrCal-Projekt 2011 vier zusammenhängende Gebiete in der näheren Umgebung der Walliser Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Satom in Monthey aus, wie Rolf Gerber von Neosys sagt. Die Finanzierung der Studie sei über den Verband KVA Thurgau erfolgt, unter Beteiligung der Migros. Die 2012 folgende Vorprojektstudie vergab die Satom laut Konrad an die Bär Management Partner AG, Schaffhausen, für die Realisierung des Projekts auf dem Land eines Grossbauern in Illarsaz, Collombey. Die Migros trug selbst zu den Studien bei, indem sie «sehr viele Marktdaten geliefert hat», wie Konrad sagt. Ein Ziel sei gewesen, die Walliser Bauern zu motivieren, in das Vorhaben einzusteigen.

Skeptische Gemüsebauern

Bisher standen die Walliser Gemüseproduzenten dem Projekt skeptisch gegenüber. Die Migros habe aus der Vorstudie ein eigenes Projekt gemacht, sagt Konrad. Migros-Sprecher Weber bestätigt: «Das Gewächshausprojekt der Migros wird nicht unter der Marke TerrCal realisiert.» Mit den Gemüsebauern ist die Migros mittlerweile in Kontakt: «Wir haben Gespräche mit den Produzentenorganisationen geführt», sagt Weber. «Aktuell ist vorgesehen, dass die Migros das Projekt zu 100 Prozent finanziert.» Die Kosten schätzt Konrad auf 40 Mio. Franken. Hubert Zufferey, Präsident der Walliser Obst- und Gemüsebranchenorganisation, äussert sich nicht zum Stand des Projekts.

Es gibt noch weitere Gründe, weshalb die Migros das Projekt noch nicht umgesetzt hat. Der Bau des 200 000 m² grossen Gewächshauses wird laut Konrad im Baurecht realisiert. Dazu sind Abklärungen und Bewilligungen nötig. Das Land liegt in der Landwirtschaftszone; laut Edi Blatter, Direktor der Satom in Monthey, ist es Fruchtfolgefläche. Das sind besonders ertragreiche Böden. «Diese Fläche muss kompensiert werden.»

Eine spezielle Zone

Für den Bau eines Gewächshauses ist Bundesrecht massgebend, das den Bau in der Landwirtschaftszone erlaubt, wenn die Produktion überwiegend bodenabhängig ist. Die Migros plant die Peperoni-Produktion hors-sol. Die Gemeinde Collombey werde eine spezielle Zone für das Gewächshaus schaffen, sagt Gemeindepräsident Yannick Buttet. Die KVA Satom soll das Gewächshaus mit Abwärme aus der Stromproduktion CO2-neutral beheizen. Bereits jetzt liefert sie laut Blatter für 10 000 Haushalte im Chablais 60 Gigawattstunden Abwärme aus der Stromproduktion. «Das Gewächshaus benötigt 90 Gigawattstunden.» Dazu reicht die KVA-Energie: «Die Satom produziert 600 Gigawattstunden.»

«Keine Umweltschäden»

Die Bauzeit für Gewächshäuser dieser Grösse betrage weniger als ein Jahr, schätzt Céline Gilli von der Forschungsgruppe Gewächshauskulturen bei Agroscope. Hors-sol-Produktion sei üblich, die Amortisationszeit betrage 15 bis 20 Jahre. Vergleichbare Gewächshäuser stehen in Holland und Frankreich. Die Migros kündigte zu diesem Projekt letzten Sommer an, bis zu 120 Stellen zu schaffen. Umweltschäden durch die benachbarte Tamoil-Raffinerie schliesst die Migros aus. «Der Boden am geplanten Standort für das Gewächshaus wurde auf Schadstoffe analysiert», sagt Weber. «Dabei wurde nichts gefunden, was auf eine Verschmutzung durch die Raffinerie hinweisen würde.» Ende April wird sie stillgelegt.

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