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Mieter zahlen beim Mietzinsdepot drauf

Auf Mietkautionskonten gibt es kaum noch Zins, dafür teils happige Gebühren. Noch teurer sind Mietkautionsbürgschaften.
Thomas Griesser Kym
Wer in eine Mietwohnung einzieht, muss in der Regel eine Mietkaution hinterlegen. (Bild: Luca Linder)

Wer in eine Mietwohnung einzieht, muss in der Regel eine Mietkaution hinterlegen. (Bild: Luca Linder)

Saftige Gebühren, aber kaum oder gar kein Zins mehr auf dem Konto. Diesen Leidensweg gehen in der anhaltenden Tiefzinsphase praktisch alle Bankkunden. Das gilt auch für Mietkautionskonten, die von den Banken meistens Mieterkautionssparkonten genannt werden, weil sich ihr Zinssatz an jenem des normalen Sparkontos orientiert. Und hier sieht es zappenduster aus. Konnten Sparer in früheren Jahren auf ihren Konten ein paar Prozent Zins einheimsen, so tendieren die Sätze seit geraumer Zeit gegen Null oder sind gar am Nullpunkt angelangt.

Während Sparer immerhin ihr Geld in andere Anlagen umschichten oder es verkonsumieren können, sind Inhabern von Mietkautionskonten weitgehend die Hände gebunden. Sie zahlen das Geld in Höhe von bis zu drei Monatsmieten bei Bezug einer neuen Mietwohnung auf ein Sperrkonto ein. Dieses Geld dient dem Vermieter als Sicherheit für allfällige Mietzinsausstände oder zur Deckung von Schäden in der Wohnung, die der Mieter verursacht hat. An sein Geld kommt der Mieter erst wieder ran, wenn er auszieht und der Vermieter keine Ansprüche stellt.

Verschwindend kleiner Zins, erkleckliche Gebühren

Wegen der Tiefzinsen verlieren Mieter mit solchen Konten Geld. Bei der St.Galler und der Thurgauer Kantonalbank, der SGKB und der TKB, wirft das Mieterkautionssparkonto zwar noch einen Zins ab, dieser ist aber mit 0,025 Prozent kaum der Rede wert. Dafür kostet die Kontoeröffnung einmalig eine Gebühr von 50 Franken. Etwas weniger schlecht kommen Mieter bei der Regionalbank Acrevis weg. Sie zahlt 0,02 Prozent Zins, und ­einzig bei der Saldierung des Kontos wird eine Gebühr von 25 Franken fällig.

Grosszügiger ist die Appenzeller KB: Sie zahlt 0,05 Prozent Zins, und die Saldierung schlägt mit 8 Franken zu Buche. Und Raiffeisen Schweiz empfiehlt den Raiffeisenbanken eine gebührenfreie Kontoführung sowie einen Zins von 0,05 Prozent, wobei die Kontosaldierung 15 Franken kostet. Gratis sind Kontoführung und Saldierung bei Credit Suisse und UBS, allerdings haben die beiden Grossbanken auch die Zinsen auf Null gestellt.

«Relativ aufwendig»

Die Banken begründen ihre Gebührenpolitik ähnlich: Sie argumentieren, mit der Kontoeröffnungs- oder der Saldierungsgebühr deckten sie ihre Aufwendungen für das Mieterkautionssparkonto ab. Der Prozess rund um das Konto sei «relativ aufwendig», sagt etwa TKB-Sprecherin Anita Schweizer, da zwei verschiedene Parteien – Mieter und Vermieter – involviert sind und es auch die rechtlichen Rahmenbedingungen einzuhalten gebe.

Raiffeisen-Sprecher Dominik Chiavi präzisiert, bei Mieterkautionssparkonten seien die Überwachungspflichten seitens der Bank grösser: «Die Prüfung der Unterschriften von Mieter und Vermieter, die Aufteilung des Betrags bei berechtigten Ansprüchen des Vermieters usw.» Letzteres seien «aber Ausnahmefälle». Das Argument der zwei Parteien, was «etwas mehr Aufwand» verursache, bringt auch SGKB-Sprecherin Jolanda Meyer vor. Die beiden Kantonalbanken und Raiffeisen betonen ausserdem, die Gebührenregelung beim Mieterkautionssparkonto sei seit Jahren unverändert, man habe die Gebühren al­so trotz Tiefzinsen nicht erhöht.

Mieterverband attackiert Banken und Vermieter

Der Mieterverband (MV) vertritt die Position, die Gebühren sollten vom Vermieter bezahlt werden. MV-Präsident Carlo Sommaruga: «Die Bank sollte die Kosten dem Vermieter in Rechnung stellen, weil er es ist, der die Mietkaution verlangt.» Dies könnte mit einem einfachen Formular durchgesetzt werden. Zudem sagt Sommaruga, der Betrag auf dem Konto sei «jahrelang blockiert» und könne «von der Bank zu ihrem eigenen Profit verwaltet werden». Daher gebe es keinen Grund für die Bank, den Mietern etwas in Rechnung zu stellen – insbesondere wenn sie keine Zinsen zahle.

Der Hauseigentümerverband (HEV) kontert: «Der Vermieter hat mit dem Mieterkautionssparkonto nichts zu tun bis zu dessen Auflösung. Ein allfälliger Zins gehört dem Mieter, und dieser muss auch die Gebühren tragen», erläutert HEV-Juristin Annekäthi Krebs. Auch die gesetzliche Regelung, wonach auf Verlangen des Vermieters eine Mietkaution zu hinterlegen ist, legt Krebs zu dessen Gunsten aus. Konkret findet sich dieser Passus in Artikel 257e Absatz 2 des Obligationenrechts.

Kein Depot, aber auch keine Versicherung

Als Alternative zum Mietkautionskonto gibt es die Mietkautionsversicherung. Diese wird von Versicherern wie Axa, Helvetia, Zurich usw. angeboten sowie von Finanzfirmen wie beispielsweise Firstcaution oder Swiss Caution, eine Tochter der Mobiliar. Wichtig zu wissen: Die Mietkautionsversicherung ist keine Versicherung, sondern eine Bürgschaft. Sie springt nur temporär als Bürge ein. Die Mieter müssen also ihre Miete weiterhin zahlen und auch für Kosten etwa durch Schäden an der Wohnung einstehen. Die Mietkautionsversicherung ersetzt demnach auch weder eine Haftpflicht- noch eine Hausratversicherung.

Wichtig ist zudem: Mit einer solchen Bürgschaft muss der Mieter zwar kein Geld auf ein Mietkautionskonto einzahlen. Die Helvetia wirbt denn auch damit, dass eine Mietkautionsversicherung «für jeden Mieter sinnvoll» sei, der bei Abschluss eines Mietvertrags «keine hohe Kautionssumme entbehren kann oder will».

Hunderte Franken an Prämien

Aber: Für diese Bürgschaft wird eine Jahresprämie fällig, die laut dem Vergleichsdienst Moneyland in der Regel 4 bis 5 Prozent der verlangten Mietkaution beträgt. Bei 5000 Franken werden dann beispielsweise 200 bis 250 Franken fällig – pro Jahr. Dazu gesellen sich oft noch Verwaltungsgebüh­ren. Moneyland kommt denn auch zum Schluss: «Mietkautionsbürgschaften sind allgemein teuer.» Wer sich trotzdem dafür interessiert, weil er sein Geld anderweitig verwenden möchte oder für die Hinterlegung einer Mietkaution zu wenig liquide ist, ist gut beraten, die Konditionen der Anbieter zu vergleichen.

Der grosse Renner scheinen solche Bürgschaften nicht zu sein und in der Deutschschweiz weniger als in der Romandie. Seitens der Helvetia sagt Sprecher Jonas Grossniklaus: «Mietkautionen sind für Helvetia ein Nischengeschäft. Wir verzeichnen pro Monat Abschlüsse im tiefen dreistelligen Bereich.» Das kontrastiert mit Angaben beispielsweise von TKB-Sprecherin Anita Schweizer, die über das Mieterkautionssparkonto ihrer Bank sagt: «Das Angebot wird rege nachgefragt.»

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