Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Referenzzinssatz: Schweizer
Mieter lassen 800 Millionen liegen

In der Schweiz verlangte zuletzt nur jeder fünfte Mieter die ihm zugute stehende Mietpreissenkung. Eine Studie erklärt nun diese vermeintliche Trägheit.
Niklaus Vontobel
Nur wenige Mieter fordern eine Mietzinsreduktion ein. (Bild: Christof Schürpf/Keystone (Luzern, 10. März 2016)

Nur wenige Mieter fordern eine Mietzinsreduktion ein. (Bild: Christof Schürpf/Keystone (Luzern, 10. März 2016)

Nächste Woche wird der neue hypothekarische Referenzzinssatz veröffentlicht. Zwar wird der Zins gleich bleiben. Dennoch ist für viele Schweizer die Chance wieder da, eine Mietpreissenkung einzufordern. Viele Wohneigentümer würden nur über Mietänderungen reden wollen, wenn jeweils der neue Referenzzins bekannt gegeben wird, sagt der Mieterverband. Und nach der letzten Senkung haben noch acht von zehn Mietern keine Reduktion erhalten. Dabei würde ihnen diese zustehen, seit der Referenzzins vor zwei Jahren um einen Viertelprozentpunkt sank.

Die Untätigkeit der Mieter erscheint auf den ersten Blick rätselhaft. Eine überschlagsmässige Rechnung des Immobilienberatungsunternehmens Iazi zeigt die Grössenordnungen auf. Insgesamt zahlen die Mieter jährlich rund 35 Milliarden Franken. Seit der letzten Senkung des Referenzzinses um einen Viertelprozentpunkt könnten sie eine Mietreduktion von 3 Prozent verlangen. Umgerechnet rund eine Milliarde. Tatsächlich wurden davon bislang nur 20 Prozent eingefordert. Rund 800 Millionen haben die Mieter also liegen lassen.

«Gigantische Unterschlagung»

Das Iazi hat untersucht, wie der Referenzzins sich in den letzten zehn Jahren ausgewirkt hat. Als er 2017 zuletzt nachgab, erhielten nur zwei von zehn Mietern eine Reduktion, im Jahr 2012 waren es drei von zehn. Doch als zuvor der Referenzzins im Jahr 2008 zweimal anstieg, erhielten auch nur zwei beziehungsweise drei von zehn Mietern eine Erhöhung. Die meisten Eigentümer neigen dazu, die Mieten gleich zu lassen.

Unter dem Strich haben Mieter durchaus von den tieferen Hypothekarzinsen profitiert. Zumindest jene Mieter, die in ihren Wohnungen blieben. Heute zahlen sie weniger als zehn Jahre zuvor. Die sogenannten Bestandsmieten sind immerhin um 8 Prozent gesunken, wie Iazi berechnet hat. Die politisch umstrittene Frage ist indessen: Hätten sie noch tiefer sinken sollen? Gemäss Mieterverband hätten sich die Angebotsmieten nach dem Referenzzins zu richten. Die Mieten seien zu Unrecht um 2,5 Milliarden gestiegen in den letzten zehn Jahren. Sie sollten 7 Milliarden tiefer liegen. Eine «gigantische Unterschlagung» sei dies.

Auf der rechten Seite des politischen Spektrums kann man dieser Sichtweise naturgemäss wenig abgewinnen. So wird dem Mieterverband meistens entgegengehalten, dass man den Markt spielen lassen müsse. Ansonsten könne beispielsweise ein chronisches Unterangebot an Wohnungen entstehen. Weil sich das Bauen neuer Wohnungen nicht genügend rentiere. Dass zuletzt deutlich mehr Wohnungen erstellt wurden, auch in Grosszentren wie Zürich – das wird als Beleg für einen funktionierenden Markt gesehen.

Im Schweizer Markt für Mietwohnungen läuft dennoch nicht alles rund. Das zeigte jüngst eine Studie im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Demnach liegen in vielen Kantonen die Bestandsmieten viel höher als die Marktmieten. Wer also lange in einer Wohnung wohnt und wechseln muss, zahlt einen zünftigen Aufschlag. Wie soll sich der einzelne Mieter nun verhalten? Iazi-Chef Donato Scognamiglio sagt, letztlich müsse es jeder selber wissen. Zu berücksichtigen gelte es, ob der Eigentümer auf Mieterhöhungen verzichtet habe, als sich der Referenzzins zuletzt erhöhte.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.