Microsoft setzt auf Billigtelefone

Der neue Microsoft-Chef Satya Nadella gibt die Aufholjagd auf Google und Apple auf und setzt auf Schwellenländer. Nadella will dort mit günstigen Android-Modellen der künftigen Tochter Nokia punkten.

John Dyer
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BOSTON. Microsoft ändert die Richtung. Der Softwarekonzern will sein Ökosystem ausweiten. «Wir sind sehr an den Schwellenmärkten interessiert», sagte Joe Belfiore, Microsofts Vizepräsident für Windows-Telefone, an der Weltmesse für Mobilgeräte in Barcelona, dem Mobile World Congress. Via neue Allianzen mit chinesischen Firmen wie Lenovo, Foxconn oder ZTE, der koreanischen LG, der indischen Gionee oder der amerikanischen Qualcomm will Microsoft billige Handys bauen lassen und diese in Brasilien, China, Indien und anderen rasch wachsenden Ländern unter die Leute bringen.

Der neue Kurs fällt zusammen mit dem Antritt des neuen Microsoft-Chefs Satya Nadella und dem Abschluss der Übernahme des finnischen Handyherstellers Nokia zum Preis von 7,2 Mrd. $. Das Geschäft soll Ende nächsten Monats unter Dach sein.

«Mobil hat Vorrang»

Nokia war einmal der grösste Handyhersteller der Welt, wurde aber auf dem Weltmarkt genau- so wie Microsoft im vergangenen Jahrzehnt von Google und Apple auf dem Weltmarkt überrollt: Apples iPhones und Googles Betriebssystem Android kontrollieren mittlerweile über 95% des Marktes für Smartphones. Rund 1 Mrd. solcher intelligenter Geräte werden laut dem Marktforscher IDC jährlich verkauft. «Unser neuer Chef hat gesagt: Mobil hat Vorrang», sagte Belfiore. «Das passt gut zu unserer Strategie, mehr Menschen zu erreichen.»

In Barcelona stellt Nokia drei günstige Handys zu Preisen von 40 $ vor. Vizepräsident Stephen Elop sieht in billigen Smartphones die nächste Welle im Technologiemarkt, die neue Märkte öffnet, PC-Verkäufe unterläuft und mehr Rentabilität bringt. «Immer mehr Menschen kaufen Smartphones für weniger als 100 Euro», sagte Elop. Dieses Segment «ist eine sehr grosse Chance für uns». Es dürfte laut Analysten viermal schneller wachsen wie der Rest des Smartphone-Markts.

«Nächste Milliarde Menschen»

Die neuen Nokia-Handys werden Android verwenden, sagte Nokias Produktionschef Timo Toikkanen. Dies sei aber kein Zeichen der Abhängigkeit von Google, sondern für die Entschlossenheit von Microsoft, in die Schwellenmärkte einzudringen. Gleichzeitig machte Microsoft klar, man halte auch an den teureren Lumia-Handys von Nokia mit Microsofts Betriebssystem Windows Phone fest.

Die Android-Telefone nutzen Microsofts Cloud-Dienste und nicht die dezentralen Speicherangebote der Cloud von Google. Auch enthalten sie automatisch Outlook.com und Skype. «Diese Geräte werden weltweit verkauft, aber der Schwerpunkt liegt auf den Schwellenmärkten», sagte Toikkanen: «Wir machen die nächste Milliarde Menschen mit Microsoft bekannt.» Auch Apple hatte mit dem letzten Herbst lancierten iPhone 5c die Schwellenländer im Visier. Aber das Gerät erwies sich als zu teuer. Entsprechend schlecht läuft der Verkauf.

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