«Mich hat nur Stahl interessiert»

Beim Tunnel-, Bahn- und Strassenbau ist Stahl vonnöten. Diese Stahlteile kommen oft von der Jörimann Stahl AG mit Betrieben in Bonaduz und in Walenstadt. Das Unternehmen ist für den Prix SVC Ostschweiz nominiert.

Ueli Handschin
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Die Jörimann Stahl AG baut Tunnelschalungen ebenso wie Strassenschilder oder Lawinenverbauungen. (Bilder: Theo Gstöhl)

Die Jörimann Stahl AG baut Tunnelschalungen ebenso wie Strassenschilder oder Lawinenverbauungen. (Bilder: Theo Gstöhl)

BONADUZ. Als Beat Jörimann 1975 in die Firma seines Vaters eintrat, war diese nicht mehr die Sanitärfirma, mit der dieser 1959 begann. Das Unternehmen baute Öltanks, war in der Bauspenglerei und im Fassadenbau tätig. Doch «mich hat nur der Stahl interessiert», schildert Jörimann den Anfang seiner Karriere.

So stieg das Unternehmen 1983 in den Tunnelbau ein, der bis heute einer der wichtigsten Pfeiler der Jörimann Stahl AG ist. Allerdings kam das eher zufällig, sagt Beat Jörimann. Eine Antwort auf ein Chiffre-Inserat führte zu einem Vertrag mit Jean Bernold, einem der besten Fachleute für Tunnelbau und Felssicherungen. Bernold, der früher selber Sicherungstechnik in Walenstadt produzierte, habe ihn in die Welt des Tunnelbaus eingeführt, sagt Beat Jörimann. Dank ihm gewann die Jörimann Stahl AG weiter an Fahrt. 2006 wurden die Liegenschaften und Teile der Produktion der Bernold AG in Walenstadt übernommen, seit 2007 schwere Gewölbestahlschalungen gebaut, ein Jahr später die erste Tunnelschalung.

Patentiertes System

Schalungen braucht es, um die Röhre eines Tunnels mit Beton auszukleiden. Doch Tunnelprofile haben nie die gleiche Form. Wären die Abmessungen normiert, könnte man konventionelle Schalungen wiederverwenden. Also liess Jörimann ein Schalungssystem entwickeln, das mehrmals gebraucht werden kann. «90 Prozent aller Teile können wir für ein neues Bauvorhaben wieder einsetzen», erklärt er. Dazu muss die Schalung, hat sie ihren Dienst getan, in Tausende Einzelteile zerlegt und eingelagert werden. Inzwischen besteht das System aus 1500 Tonnen Stahl, die als Baukastensystem vermietet werden.

Mit Qualität behauptet

Neben dem Tunnelbau hat sich die Jörimann Stahl AG mit ihren 80 Mitarbeitern aber auch im Bahn- und Strassenbau einen Namen gemacht. Als die SBB im Jahr 2000 ihre Hauptwerkstätte in Chur schlossen, wurden fünf Mitarbeiter übernommen. Die SBB versprachen im Gegenzug genügend Arbeit, um diese Leute auszulasten. Der Vertrag lief aus, und die Aufträge blieben nicht aus. «Wenn man sich mit Qualität behauptet, geht es auch weiter», ist Jörimanns Erfahrung. Heute stellt die Jörimann Stahl AG neben Stahlstützen für Lärmschutzwände, Steinschlag- und Lawinenverbauungen auch Bahntechnik-Bestandteile aus rostfreiem Stahl her.

Auch in das Geschäft mit Strassenschildern sind Jörimanns eingestiegen. Ein Zufall, wenn auch ein unerfreulicher, wie die Chefin erzählt. Ein Unternehmen, das Schilder in einer der beiden Hallen der Jörimann Stahl AG in Bonaduz herstellte, ging in Konkurs. Jörimanns konnten die Maschinen erwerben.

Schweizer in der Minderheit

Spezialisieren, aber auch diversifizieren: Vielleicht ist die Jörimann Stahl AG so erfolgreich, weil es ihr gelingt, beides im richtigen Mass zu tun. Bewährte Produkte, wie Tanks, Behälter und Stahlteile für Silos, aber auch einfache Regenrinnen für den Einbau in Naturstrassen, blieben im Angebot. Doch kamen stets neue Dienstleistungen hinzu. So wurde vergangenes Jahr der Geschäftsbereich Massblech eröffnet: Kunden können in Walenstadt Bleche für den eigenen Bedarf mit modernster Technik zuschneiden lassen.

Jörimanns wissen aber auch, dass ohne gute und engagierte Mitarbeiter kein Geschäft zu machen ist. Wie in kaum einer anderen Branche sind sie auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Wo geschweisst und gebogen, geschnitten und abgekantet wird, sind Schweizer an einer Hand abzuzählen. Zwei Drittel der Angestellten haben portugiesische Wurzeln.

Zukunft scheint gesichert

Die Mitarbeiter aus Südeuropa halten der Firma die Treue. Vielleicht auch deshalb, weil Jörimanns sie spüren lassen, wie viel sie ihnen wert sind. Und vielleicht trägt zur Firmentreue auch bei, dass die Zukunft des Unternehmens gesichert scheint. Tochter Inessa, seit 2012 für die Administration der Signalplus AG zuständig, und der ältere Bruder Robin, der noch studiert, sind an der Weiterführung des Geschäfts interessiert.

Beat und Corina Jörimann (Bild: Theo Gstoehl)

Beat und Corina Jörimann (Bild: Theo Gstoehl)