«Metallindustrie ist unter Druck»

Die jährliche Firmenkundenumfrage der Thurgauer Kantonalbank (TKB) zeigt ein differenziertes Bild der Thurgauer Wirtschaft. TKB-Firmenkundenchef Heinz Huber schätzt die Lage der Unternehmen insgesamt als stabil ein.

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Heinz Huber, Leiter Geschäftsbereich Firmenkunden der TKB. (Bild: Reto Martin)

Heinz Huber, Leiter Geschäftsbereich Firmenkunden der TKB. (Bild: Reto Martin)

Herr Huber, wie präsentiert sich die Thurgauer Wirtschaft im vierten Jahr nach der Krise 2009?

Heinz Huber: Die Thurgauer Wirtschaft überzeugt durch Stabilität, und das auf einem sehr ansprechenden Niveau. Es gibt allerdings Unterschiede je nach Branche und Marktumfeld. Aber 58 Prozent der befragten Firmen sind sehr zufrieden.

Das Jahr 2012 war also so schlecht nicht?

Huber: Das stimmt. Und das sieht man auch daran, das bei vielen Firmen Personalabbau kein Thema war. Nur wenige Firmen mussten markant Stellen streichen. Man kann sagen, dass das Geschäftsjahr ähnlich dem von 2011 verlaufen ist. Generell sind aber auch gewisse Unsicherheiten geblieben, was sich auch auf vorsichtigen Prognosen für 2013 auswirkt.

Es gibt doch eine grosse Zahl Thurgauer Betriebe, die ihre Geschäftslage als gut bezeichnen. Wer sind die Gewinner 2012?

Huber: Das Bau- und Baunebengewerbe. Der private Wohnungsbau floriert. Und wir haben im Thurgau im Immobilienmarkt keine Übertreibungen. Aber auch Dienstleister hatten ein erfreuliches Geschäftsjahr.

Und wer sind die Verlierer?

Huber: Die Maschinen- und Apparateindustrie hat zum Teil gelitten. Unternehmen, die stark exportorientiert sind, spüren die Auswirkungen der Euroschuldenkrise besonders stark. Aber die Stabilisierung des Wechselkurses durch die SNB hat geholfen. Das gab Planungssicherheit. In der Metallindustrie sind die Margen aber immer noch unter Druck. Und schliesslich spürt der grenznahe Detailhandel natürlich den Einkaufstourismus.

428 Betriebe haben an der Firmenkundenumfrage teilgenommen. Ist das eine gute Zahl im Vergleich zu den Vorjahren?

Huber: Die Umfrage der TKB gibt ein gutes Stimmungsbild der wirtschaftlichen Entwicklung im Kanton Thurgau. Sie ist die einzige Umfrage, die sich ganz auf den Kanton fokussiert. Die Anzahl Teilnehmer ist mit mehr als 400 seit Jahren konstant hoch.

Exportorientierte Firmen sind von der Eurokrise betroffen. Wie haben die Thurgauer Betriebe reagiert?

Huber: Die Thurgauer Unternehmen haben mit Innovationskraft und Flexibilität reagiert, indem sie beispielsweise Komplettlösungen angeboten haben. Zudem haben viele Firmen schon vor zwei, drei Jahren Anpassungen vorgenommen, deren Erfolg jetzt greift.

In der Umfrage wird deutlich, dass kleinere Firmen das vergangene Jahr besser beurteilen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Huber: Das ist tatsächlich so. Wir stellen diese Tendenz seit Jahren fest, dass Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitern eine bessere Bewertung abgeben.

Liegt das auch an der Reaktionsgeschwindigkeit und Flexibilität?

Huber: Kleinere Firmen können in der Tat schneller und flexibler auf Veränderungen reagieren. Die Thurgauer Unternehmen sind aber generell anpassungsfähig. Vielleicht liegt es auch daran, dass inhabergeführte Unternehmen längerfristig planen und teils schon mehrere Krisen überstanden haben.

Musste die TKB einzelnen Firmen unter die Arme greifen, um Investitionen zu ermöglichen oder Durststrecken zu überwinden?

Huber: Die TKB versteht sich als Bank für KMU und als Partnerin der Wirtschaft. Dank der Kundennähe können wir mögliche Schwierigkeiten frühzeitig erkennen, und es können tragfähige Lösungen entwickelt werden. Hier ist die TKB im Einzelfall auch bereit, etwas weiter zu gehen als andere Banken. Das Kreditportefeuille der Bank ist aber in einem sehr gesunden Zustand, das ist erfreulich.

Der Gross- und Detailhandel kommt nicht so recht von der Stelle. Was sind die Gründe dafür?

Huber: Die Wechselkursentwicklung für den Thurgauer Detailhandel stellt vor allem in Grenznähe eine echte Herausforderung dar. Hinzu kommen Konkurrenzkampf und Margendruck. Andere Faktoren beeinflussen aber die Entwicklung ebenfalls. Positiv ist zum Beispiel die anhaltende Zuwanderung.

Schliesslich noch eine Frage, die in der Baubranche thematisiert wird. Der Bauboom wird irgendwann abflauen. Wann rechnen Sie damit?

Huber: Wir haben im Thurgau keinen eigentlichen Bauboom, sondern eine stetige Entwicklung in diesem Bereich. Und, wie schon gesagt, es gibt im Thurgau keine Überhitzung im Immobilienbereich.

Was hat Sie eigentlich am meisten überrascht bei dieser Umfrage?

Huber: Wirklich grosse Überraschungen hat es bei der Umfrage 2012 nicht gegeben. Dass rund 60 Prozent der Unternehmen das Geschäftsjahr mit der Note gut bewerten, zeigt aber, dass die Stimmung im Kanton generell optimistisch ist. Sehr gefreut hat mich, dass der Personalbestand nicht nur stabil geblieben ist, sondern die Prognosen übertraf.

Was wäre Ihre Prognose für das Thurgauer Wirtschaftsjahr 2013?

Huber: Ich rechne mit einem soliden Wirtschaftsjahr auf einem ähnlichen Niveau wie 2012.

Interview: Stefan Borkert

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