Merkels Berater zur Bundesbank

Angela Merkel schickt ihren Wirtschaftsberater Jens Weidmann an die Spitze der Bundesbank. Seine Nähe zur Kanzlerin wird kritisch betrachtet.

Ulrich Glauber
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Jens Weidmann (Bild: dapd/Berthold Stadler)

Jens Weidmann (Bild: dapd/Berthold Stadler)

Frankfurt. Die gute Nachricht zuerst: Erstmals wird eine Frau die Nummer zwei im Vorstand der Deutschen Bundesbank sein. Die Kanzlerin und ihr Vize Guido Westerwelle waren sich schnell einig, dass endlich eine Frau in die Chefetage der Bundesbank gehöre. Die Wahl fiel auf Sabine Lautenschläger, Exekutivdirektorin der Finanzaufsichtsbehörde BaFin.

Der Wechsel Jens Weidmanns an die Spitze der Bundesbank dagegen ist offensichtlich selbst in der Koalition auf Skepsis gestossen. Ein direkter Wechsel vom Kanzleramt zur Bundesbank könne deren Unabhängigkeit in Frage stellen, lautete der Einwand aus FDP-Kreisen. Die rot-grüne Opposition hatte erst recht vor einem Verlust der Unabhängigkeit der Bundesbank gewarnt, denn Weidmann habe nach fünf Jahren als Berater Merkels (CDU) zu engen Kontakt mit der Kanzlerin.

Merkel unter Zugzwang

Die deutschen Medien gehen davon aus, dass Merkel ihren Berater nur ungern ziehen lässt. Doch der demonstrative Rücktritt von Axel Weber als Bundesbankpräsident, der seine Chance auf den Posten des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) schwinden sah, machte Merkel einen Strich durch die Rechnung. Nicht nur ist die Chance dahin, dass Deutschland wieder mal einen zentralen europäischen Posten besetzt. Die Kanzlerin musste auch rasch reagieren, weil Weber sein Büro schon Ende April räumt.

Brillanter Ökonom

An der Kompetenz Weidmanns (42), der als neuer Bundesbankpräsident im EZB-Rat ein gewichtiges Wörtchen in der Geldpolitik der Euro-Zone mitreden wird, zweifelt niemand. Unter anderem arbeitete der Ökonom beim Internationalen Währungsfonds und als Generalsekretär der fünf Wirtschaftsweisen, welche die deutsche Konjunktur begutachten.

Allerdings hegen einige Zweifel, ob der als freundlich geltende Weidmann auch die nötige Härte für seinen neuen Job mitbringt.

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