Menu für eine bessere Welt

So sympathisch die Anliegen der Grünen in ihrer Lebensmittel-Initiative auch formuliert sind, einer näheren Überprüfung halten sie eher nicht stand.

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So sympathisch die Anliegen der Grünen in ihrer Lebensmittel-Initiative auch formuliert sind, einer näheren Überprüfung halten sie eher nicht stand. Es fehle der agrarökonomische Sachverstand, argumentieren die einen, das Wohlergehen der hiesigen Bauern kümmere die Initianten nur vordergründig, sagen die anderen. Und darum geht es: In Zukunft sollen alle importierten Lebensmittel schweizerischen Standards genügen. Klingt gut, impliziert aber eine unrealistische Forderung, die, hübsch verpackt, im bislang eher vom Bauernverband gepflegten nationalkonservativen Grundton daherkommt. Fakt ist: Die Schweiz deckt aktuell die Hälfte ihres Lebensmittelbedarfs mit ausländischen Produkten; die Lieferanten werden sich dem Schweizer Diktat kaum widerstandslos fügen. Kontrolle wird not tun. Aber wer soll das bezahlen? Und wem hilft's?

Auch der Schweizerische Bauernverband weiss sich der politischen Zugkraft emotionaler Themen zu bedienen: Die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln aus heimischer Produktion soll gestärkt und der Kulturlandverlust bekämpft werden. Ganz nebenbei wird uns auch noch die Sorge um das Wohl der armen Menschen in der Dritten Welt untergejubelt. Wer kann dazu schon Nein sagen. Auch die Volksinitiative zur Ernährungssicherheit ist geschickt verpackt. Nur, der Schweizerische Bauernverband hat sich in der Vergangenheit weder im Tierschutz noch im Umweltschutz oder gar als Hüter der Bauern in der Dritten Welt besonders hervorgetan. Der Bund fordert von den Bauern eine Schonung der natürlichen Ressourcen. Nur auf diesem Weg kann die Lebensmittelproduktion wirklich nachhaltig gesichert und die Abhängigkeit vom Ausland reduziert werden. Der Bauernverband pflichtet freundlich bei und konzentriert sich dann wieder darauf, die hiesige Landwirtschaft vom Markt abzuschotten und weiter zu industrialisieren. Beides ist weder ökologisch noch nachhaltig.

Das Menu für eine bessere Welt, das uns die beiden so unterschiedlich verankerten Initiativen schmackhaft machen wollen, ist leider schwer verdaulich!