Mengensteuerung So funktioniert es

Als 2009 die staatliche Kontingentierung wegfiel, gründeten Milchbauern, Milchindustrie und Detailhandel die Branchenorganisation Milch. Diese trifft Absprachen innerhalb der Branche, um eine Überproduktion und damit einen ruinösen Preiswettbewerb zu verhindern.

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Als 2009 die staatliche Kontingentierung wegfiel, gründeten Milchbauern, Milchindustrie und Detailhandel die Branchenorganisation Milch. Diese trifft Absprachen innerhalb der Branche, um eine Überproduktion und damit einen ruinösen Preiswettbewerb zu verhindern. Das Instrument dazu ist die Segmentierung des Milchmarktes. Dabei werden drei Märkte für Milch gebildet:

• A-Milch: Diese Milchprodukte werden in der Schweiz verkauft oder als Qualitätskäse weltweit vermarktet. In diesem Segment werden die höchsten Preise bezahlt, derzeit 68 Rappen pro Kilogramm.

• B-Milch: Diese Güter werden auf dem EU-Markt verkauft (ohne Qualitätskäse, der im A-Segment ist). Aktueller Richtpreis: rund 50 Rappen.

• C-Milch: Diese Güter werden auf dem Weltmarkt verkauft, um die Milch vom Schweizer Markt loszuhaben. Richtpreis: rund 25 Rappen.

Diese Segmentierung sorgt dafür, dass die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten bestmöglich abgeschöpft wird. Anders gesagt: Wer es sich leisten kann, bezahlt mehr für die Milch. Ähnlich wie bei Markenartikeln ist die Milch für Schweizer Konsumenten deshalb teurer als für jene im Ausland. Gleichzeitig sind die Milchprodukte im Ausland mehr oder weniger konkurrenzfähig.

In der Praxis geht jeder Milchbauer mit seinem Abnehmer einen Vertrag ein, wo festgesetzt wird, wie viel A- und B-Milch der Bauer liefern kann (auf Jahresbasis). Im C-Segment ist der Milchbauer frei, so viel zu liefern, wie er will. Dieser Markt ist aber hochgradig unrentabel.

Auch wenn diese Selbstorganisation einer staatlichen Kontingentierung nahe kommt, bleibt ein grosser Unterschied: Es gibt keine Möglichkeit, die Preise mit Zwang durchzusetzen. Es sind lediglich Richtpreise, welche die Branchenorganisation in Absprache mit den Mitgliedern regelmässig festlegt. Will sich ein Bauer oder ein Verarbeiter nicht daran halten, ist er frei, dies zu tun. «Es handelt sich lediglich um ein Gentlemen's Agreement», sagt der Geschäftsführer der Branchenorganisation Stefan Kohler. «Wir stellen allerdings fest, dass sich die Marktteilnehmer weitgehend an die empfohlenen Preise halten.» Kohler erstaunt das nicht. «Schliesslich sind ja alle wichtigen Akteure der Milchindustrie versammelt.» (rob)

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