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Meister der Metallurgie

In den Öfen von WHT werden Produkte physikalisch verändert. Die Gründer sind alte Hasen in ihrem Fach und bringen zusammen 65 Jahre Erfahrung mit. Die WHT ist für den Startfeld Diamant nominiert.
Stefan Borkert
Giuseppe Lamorte (links) und Ernst Schönauer haben 2016 die Wasch- und Härtetechnik AG (WHT) in Oberriet gegründet. (Bild: Benjamin Manser)

Giuseppe Lamorte (links) und Ernst Schönauer haben 2016 die Wasch- und Härtetechnik AG (WHT) in Oberriet gegründet. (Bild: Benjamin Manser)

Der Euroschock hat Ernst Schönauer und Giuseppe Lamorte wenige Jahre vor ihrer Pensionierung zu Unternehmern gemacht. Angestellt waren sie zuvor unter anderem bei der SFS, die heute zu den strategischen Kunden der Wasch- und Härtetechnik AG in Oberriet zählt. «Als kleines Unternehmen sind wir sehr flexibel», sagt Schönauer. Und er fährt fort, dass sie die meisten Fehler bereits kennen, die in ihrem Geschäft gemacht wurden. Schönauer kann 30 Jahre Berufserfahrung in die Waagschale werfen. «Erfahrung ist ein Riesenvorteil», bestätigt Lamorte, der noch einmal 35 Jahre beisteuert.

Die Wasch- und Härtetechnik AG stellt keine eigenen Produkte her, aber: «Wir verändern die Produkte unserer Kunden physikalisch», sagt Schönauer. So werden beispielsweise Stahlbeschläge für Schranktüren nach einem bestimmten Rezept metallurgisch behandelt. Als Ergebnis kommt dann zum Beispiel ein Beschlag heraus, der viel weniger wiegt als seine Vorgänger. Bei der Herstellung wird erheblich weniger Energie verbraucht, und der Beschlag ist erst noch stabiler. «Was wir machen, gehört in den Bereich der Metallurgie», erklärt Schönauer. Metallurgie bezeichnet die Gewinnung und Behandlung von Metallen. Ähnlich wie in einer Schmiede werden Metalle mit Hilfe von Hitze zu neuen stabileren, härteren und bruchfesteren Metallen verarbeitet.

Der Bedarf ist gross. Neben der SFS zählen unter anderen auch Thyssen-Krupp, Würth oder Hilti zu den Kunden. Hinzu kommen weitere Kunden aus der Umgebung. «Wir wollen bewusst regional bleiben und peilen einen Kundenumkreis von 200 Kilometern an», sagt Schönauer. Nur knapp drei Jahre nach der Gründung hat die WHT bereits einen starken Kundenstamm. Weitere folgen. Die Kunden kommen aus den Branchen Maschinenbau, Automobil, Bau und Beschläge. In der Produktionshalle steht die vermutlich modernste High-Tech-Ofenanlage, die es derzeit auf dem Markt gibt. «Wir haben dem Ofenbauer gesagt, was wir wollen, und er hat es gebaut», so Schönauer.

Ganz bewusst haben die beiden sich entschieden, in die Massenproduktion am Standort Schweiz zu investieren. «Das geht nur mit einem sehr hohen Automationsgrad», sagt Lamorte. Dennoch arbeiten mittlerweile schon 27 Angestellte bei der WHT. Bereits im kommenden Jahr sollen die schwarzen Zahlen erreicht werden. Bis 2025 rechnen die Geschäftsführer mit einem Umsatz von gut 20 Millionen Franken.

Technologische Marktführerschaft

Die Strategie der WHT beruht auf drei Standbeinen: Das erste ist die Wärmebehandlung von Massengütern wie etwa Schrauben Nägel oder Beschläge. Das zweite Standbein ist die Beratung der Kunden schon bei der Entwicklung ihrer Produkte. Dabei können die Geschäftsführer wiederum auf ihre Erfahrung zurückgreifen. Immerhin haben sie schon Öfen in der ganzen Welt betrieben. Das dritte Standbein ist die Revision von Wasch- und Wärmebehandlungsanlagen sowie Unterhaltsarbeiten. Die Spezialisten haben zum Beispiel erst unlängst für einen der grössten Stahlbauer der Welt eine Anlage wieder zum Laufen gebracht. Nicht bei der Massenproduktion, wohl aber bei der Technologie streben Schönauer und Lamorte die Marktführerschaft an. Sie sind überzeugt, dass die Schweiz ein guter Standort dafür ist. Das Rheintal, speziell der Standort in Oberriet, hat noch einen weiteren Vorteil. Nicht nur hat die WHT auf dem Gelände der ehemaligen Fischzuchtanstalt noch Erweiterungsmöglichkeiten. Die Zusammenarbeit mit der Verzinkerei im benachbarten Kriessern ermöglicht auch eine Verkürzung der Prozesskosten. «Verzinken ist vielfach ein Folgeprozess der Wärmebehandlung», erklärt Schönauer.

Startfeld Diamant

Zum achten Mal vergibt die St. Galler Kantonalbank den Startfeld Diamant. Das ist eine Auszeichnung für Ostschweizer Jungunternehmen. Die Preisverleihung findet am 12. Juni statt. Unsere Zeitung porträtiert die fünf Finalisten in loser Reihenfolge. (red)

Ein weiteres Geheimnis des Erfolges ist das Waschen der Produkte. «So entstehen im Ofen keine Rückstände. Das macht die Arbeit mit Sensoren eigentlich erst sinnvoll möglich», sagt Schönauer. Denn je höher der Verschmutzungsgrad der Produkte ist, desto höher sind dann auch die Qualitätsschwankungen. Und Qualität ist für Lamorte und Schönauer ein Schlüsselkriterium. So haben sie zum Start schon Qualitätszertifikate erworben. Kunden, etwa aus der Autobranche, wollen Teile, die von hoher Qualität sind. «Es kann zwei Jahre dauern in der Automobilbranche, von der Akquisition über Prototypen- und Erstmusterfertigung bis Serienfertigung», sagt Schönauer. Aber der Aufwand lohnt sich. Denn solche Aufträge sind langfristig angelegt, und wer diesen Qualitätsanforderungen genügt, hat auch eine Marktberechtigung in Zukunft.

Der Ruf der WHT ist von Anfang an ein guter. «Wir müssen keine Stelleninserate aufgeben, uns kennt man im Rheintal», so Schönauer. Es würden sich genügend Bewerber melden. Gleichzeitig setzt die WHT auf die Aus- und Weiterbildung der Angestellten. Und von Anfang war das Unternehmen bereits ein Lehrbetrieb.

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