Meier Tobler baut neues Logistikzentrum – und erntet Kritik

Vor zwei Jahren eröffnete Walter Meier sein hochmodernes Warenlager. Nach der Fusion mit Tobler steht wieder ein kompletter Neubau für die Logistik an – dies zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Raphael Bühlmann
Drucken
Teilen
Ein Mitarbeiter von Meier Tobler. (Bild: PD)

Ein Mitarbeiter von Meier Tobler. (Bild: PD)

Meier Tobler kämpft nach wie vor mit schwierigen Marktbedingungen und der Neustrukturierung der Gruppe. Das zumindest führte der Egolzwiler Gebäudetechnik-Spezialist in den vergangenen Monaten stets an, ging es darum, ernüchternde Geschäftszahlen zu begründen. Für das Berichtsjahr 2017 wies man einen Konzernverlust von 3,1 Millionen Franken aus. Dieses Ergebnis sei vor allem auf die Fusion von Walter Meier und Tobler sowie auf die daraus hervorgegangenen Einmalkosten von 14,9 Millionen Franken zurückzuführen.

Doch auch die Mitteilungen aus dem laufenden Jahr stimmen wenig zuversichtlich. Nachdem man zu Beginn des Jahres ankündigte, den Hauptsitz nach Egolzwil zu verlegen, war Mitte Jahr von einem «unerwartet starken Umsatzrückgang» die Rede.

Grösster Aktionär mit Wertberichtigung 

Im Zuge dessen eröffnete man den Eigentümern, dass man für zwei Jahre keine Dividende bezahlen werde. Eine Ankündigung, die insbesondere beim grössten Aktionär nicht gut ankam. Ferguson hält 39,2 Prozent am Egolzwiler Gebäudetechniker. Die Briten haben Anfang Oktober eine drastische Wertberichtigung auf ihrem Aktienpaket von Meier Tobler vorgenommen. Von 153 Millionen auf 31 Millionen Dollar. Pro Aktie entsprach dies noch einem Wert von 6.50 Franken. Zu dem Zeitpunkt wurde der Titel an der Börse noch für 18 Franken gehandelt.

Meier Tobler hielt dabei fest, dass diese Wertkorrektur aufgrund interner Überlegungen von Ferguson erfolgt sei. Sie hätten nicht auf materiellen Informationen zum Geschäftsverlauf von Meier Tobler beruht, die nicht öffentlich bekannt gewesen seien.

Bereits im August stellte indes die Regulierungsstelle der Schweizer Börse SIX, an der die Aktien von Meier Tobler kotiert sind, einen Verstoss gegen die Rechnungslegungsvorschriften fest. Konkret ging es um den Jahresabschluss 2017, in welchem man Vorgaben des Rechnungslegungsstandard Swiss GAAP FER nicht eingehalten habe. Vor einem Monat nahm mit Andreas Ronchetti der Finanzchef von Meier Tobler den Hut. Meier Tobler hält dazu fest, dass der Weggang Ronchettis nichts mit der Beanstandung der SIX zu tun habe. Ebenfalls im Herbst erfolgte die Mitteilung, dass Meier Tobler das erst 2013 akquirierte und heute defizitäre Geschäft mit Badezimmerausstattungen auf­geben wird. Die Schliessung wird 46 Arbeitsstellen kosten.

Bis zur Inbetriebnahme kein Stellenabbau vorgesehen

Und gestern nun wurde bekannt, dass Meier Tobler die Liegenschaft in Nebikon verkaufen und vom neuen Eigentümer zurückmieten will. «Der Verkaufserlös beträgt 45 Millionen Franken. Die Transaktion sollte bis Ende Jahr abgeschlossen sein», schreibt Meier Tobler. Auch für das zweite Logistikzentrum im Kanton Solothurn stehe man in Verkaufsverhandlungen. Für die Liegenschaft in der Gemeinde Dänikon werde ein Abschluss im Verlauf des nächsten Jahres angestrebt.

Seit Längerem war bekannt, dass der Haustechnikspezialist seine Lager zentralisieren will. Zur Diskussion standen bisher drei Varianten. Ein Ausbau in Nebikon, in Dänikon – oder ein Neubau auf der grünen Wiese. «Wir haben uns für Letzteres entschieden», bestätigt Martin Schäppi, Leiter Unternehmenskommunikation bei Meier Tobler, auf Anfrage. Aus dem Erlös der Liegenschaftsverkäufe wolle man in der Lage sein, in ein neues Logistikzentrum irgendwo zwischen Dänikon und Egolzwil zu investieren. Das neue Warenlager soll in spätestens fünf Jahren realisiert sein. In der Logistik beschäftigt Meier Tobler heute 150 Personen in Dänikon und 40 in Nebikon. «Bis zur Inbetriebnahme des Neubaus ist kein Stellenabbau in der Logistik vorgesehen», sagt Schäppi.

Dass Meier Tobler die Logistik-Standorte erneut zu überdenken scheint, dürfte von potenziellen Investoren kaum euphorisch aufgenommen werden. Erst vor zwei Jahren eröffnete Walter Meier das neue Dienstleistungs-Center in Nebikon. Das neue Gebäude umfasst neben Büroarbeitsplätzen auch moderne und hochautomatisierte Logistiktechnologie. Analysten der Helvetischen Bank bezeichnen den Umstand, dass schon wieder ein Neubau auf der grünen Wiese nötig wird, als «suboptimal». «Der Zusammenschluss von Walter Meier und Tobler konnte die Erwartungen bisher noch nicht erfüllen», schreibt die Bank. Der Neubau werde nochmals erhebliche Investitionen und auch Aufmerksamkeit des Managements zur Folge haben. Man werde die Entwicklung weiterverfolgen.

Meier Tobler zahlt keine Dividende

Die frisch fusionierte Firma Meier Tobler startet holprig. Die Heizungs- und Klimaanlagen-Grosshändlerin verzichtet darum für zwei Jahre auf eine Dividende.
Rainer Rickenbach