Mehr Tempo auf der Schiene: Reisende aus der Ostschweiz fahren mit dem Zug bald geschwinder nach München

München rückt näher an die Ostschweiz. Nach der Elektrifizierung sinkt die Reisezeit in die bayrische Hauptstadt deutlich, und es wird doppelt so viele Verbindungen geben wie bisher. Und das Bahnangebot zwischen der Schweiz und Deutschland soll weiter ausgebaut werden. Dazu beschaffen die SBB bei Stadler weitere Hochgeschwindigkeitszüge.

Thomas Griesser Kym
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Der Astoro der SBB, der künftig auf der Strecke Zürich–München verkehren wird.

Der Astoro der SBB, der künftig auf der Strecke Zürich–München verkehren wird.

Bild: PD

Zweieinhalb Jahre Bauzeit, Kosten von einer halben Milliarde Euro – nun ist es vollbracht: Vor kurzen sind die Arbeiten zur Elektrifizierung und des Ausbaus der 155 Kilometer langen Eisenbahnstrecke Lindau–München abgeschlossen worden.

Davon profitieren künftig auch Passagiere aus der Schweiz in die bayrische Hauptstadt: Ab dem Fahrplanwechsel per 13. Dezember 2020 verkürzt sich die Reisezeit zwischen Zürich und München auf der Schiene zunächst um 40 Minuten auf vier Stunden. St.Gallen–München ist in drei Stunden zu schaffen, zwischen St.Margrethen und München dauert es zweieinhalb Stunden.

Ein Jahr später sinkt die Reisezeit weiter

Ein Jahr später, ab 12. Dezember 2021, soll die Reisezeit um eine weitere halbe Stunde abnehmen, auf dann noch dreieinhalb Stunden zwischen Zürich und München. Zudem senkt die Elektrifizierung die CO2-Emissionen um rund 60 Prozent.

Auf der modernisierten Verbindung zwischen Zürich nach München werden die SBB ihren EC (Eurocity) Astoro einsetzen. Damit werden laut der Deutschen Bahn (DB) auf dieser Strecke «erstmals Fernzüge mit ICE-Komfort» verkehren. ICE steht für Intercity-Express, die schnellste Zuggattung der DB.

Doppelt so viele Verbindungen als bisher

Täglich werden zwölf Fahrten zwischen den beiden Metropolen angeboten und damit doppelt so viele wie bisher. Der Astoro – italienisch für Habicht – verfügt über ein Bordrestaurant, reservierungspflichtige Veloabstellplätze und WLAN, und er bietet 430 Sitzplätze.

Beim Hochgeschwindigkeitszug Astoro der SBB handelt es sich um den Neigezug ETR 610 des Herstellers Alstom. Die Züge werden seit Herbst 2017 und noch bis 2021 Stück für Stück revidiert und mit neuer Technik aufgerüstet. Bisher haben die SBB ihre 19 Astoro primär im grenzüberschreitenden Nord-Süd-Verkehr durch den Gotthard und den Lötschberg eingesetzt.

Stadler kann den SBB weitere Gotthard-Züge liefern

Für den Verkehr durch den neuen Gotthard-Tunnel haben die SBB aber beim Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler 29 neue Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Giruno beschafft. Deshalb werden nun Astoro frei für die Fahrt nach München.

Seit der SBB-Bestellung im Jahr 2014 hofft Stadler auf weitere Aufträge für den Giruno. Eine Folgebestellung zeichnet sich nun ab, wollen doch SBB und DB das grenzüberschreitende Bahnangebot voraussichtlich ab Fahrplan 2026 weiter ausbauen, unter anderem mit neuen Direktverbindungen vom Tessin durch den Gotthard und via Basel nach Hamburg. Die SBB beabsichtigen dazu «die Beschaffung weiterer Giruno-Kompositionen im Rahmen der bestehenden Optionen beim Hersteller Stadler». Wie viele Giruno gekauft werden, ist laut SBB-Sprecher Raffael Hirt noch nicht entschieden.

Hat gut lachen: Stadler-Patron Peter Spuhler kann den SBB weitere Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Giruno verkaufen, der bei Stadler Smile heisst.

Hat gut lachen: Stadler-Patron Peter Spuhler kann den SBB weitere Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Giruno verkaufen, der bei Stadler Smile heisst.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Bussnang, 18. Mai 2017)

Insgesamt verfügen die SBB über die Option für den Kauf von bis zu 92 Giruno. Mit dessen künftigem Einsatz auf der Strecke von Hamburg ins Tessin bestehe die Möglichkeit, «künftig weitere direkte Verbindungen von Deutschland bis nach Mailand anzubieten».

Die Strecke Lindau–München wird derzeit getestet

Zurück auf die Strecke Lindau–München. Bevor der reguläre elektrische Betrieb aufgenommen wird, stehen noch Testfahrten an, mit denen am 8. Oktober begonnen worden ist. Bei den Testfahrten werden relativ hohe Geschwindigkeiten von bis zu 176 km/h erreicht.

Daran beteiligen sich auch die SBB, welche die Strecke beispielsweise am 11. Oktober mit einem Astoro befahren haben. Auf dieser Fahrt nahm die DB Systemtechnik mit einem speziellen Stromabnehmer des Zugs Messungen an der neuen Oberleitung vor.

Stadler-Züge für den Regionalverkehr im Allgäu

Für den Regionalverkehr auf der Strecke Lindau–München sollen ab 12. Dezember 2021 ausserdem elektrische Triebzüge des Typs Flirt von Stadler eingesetzt werden. Die Bahngesellschaft Go Ahead hat im Herbst 2018 bei Stadler 22 vierteilige Flirt bestellt, die in Produktion sind. Go Ahead betreibt das Allgäu-E-Netzwerk in Bayern und Baden-Württemberg.

Ein Stadler-Flirt, der noch in Produktion ist, für den Regionalverkehr auf der frisch elektrifizierten Strecke Lindau–München.

Ein Stadler-Flirt, der noch in Produktion ist, für den Regionalverkehr auf der frisch elektrifizierten Strecke Lindau–München.

Bild: PD