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Mehr KMU-Verkäufe ins Ausland

Aussergewöhnlich viele Schweizer KMU wechselten im ersten Halbjahr ihren Besitzer. Das Interesse von ausländischen Firmen und Investoren ist gross.
Rainer Rickenbach
Der Luzerner Schokoladenhersteller Schönenberger ist auf Marken- und Werbeschokolade spezialisiert und wurde im April von Heidi Chocolat aus Zug übernommen. (Bild: Boris Bürgisser (Reussbühl, 25. März 2009))

Der Luzerner Schokoladenhersteller Schönenberger ist auf Marken- und Werbeschokolade spezialisiert und wurde im April von Heidi Chocolat aus Zug übernommen. (Bild: Boris Bürgisser (Reussbühl, 25. März 2009))

Exakt hundert mittelständische Schweizer Unternehmen erhielten in der Zeit von Januar bis Juni einen neuen Besitzer. Im Vergleich zu früheren Jahren traten dabei auffällig viele Käufer aus dem Ausland in Erscheinung; 40 der 100 KMU gingen in ausländischen Besitz über. Das sind über einen Drittel mehr als in den drei Halbjahren zuvor. Bei 29 Transaktionen handelte es sich um eine rein schweizerische Angelegenheit, bei 31 ging es um Schweizer Unternehmer, die im Ausland einen mittelständischen Betrieb erwarben.

Zu diesem Ergebnis kam ­Deloitte Schweiz, ein Prüfungs- und Beratungsunternehmen in Zürich. Es ging Verkäufen und Fusionen von Firmen mit einem Umsatz von mehr als 10 Millionen Franken und weniger als 250 Mitarbeitenden auf den Grund. Der Unternehmenswert der verkauften KMU liegt zwischen 5 und 500 Millionen Franken.

Käufer aus China sind die Ausnahme

«Die Schweiz ist für Unternehmensinvestoren sehr attraktiv. Sie gilt als politisch stabil, verfügt über eine starke Währung, hat Testmarkt-Charakter, gut ausgebildete Fachleute, und Firmenpleiten sind vergleichsweise selten. Das hat zwar seinen Preis, denn die Kaufobjekte sind hier nicht billig. Doch der Gegenwert lässt sich in Zeiten der Verun­sicherung sehen», sagt Stephan Brücher, Partner und Corporate Finance Advisory bei Deloitte.

Die KMU-Käufer stammen vorwiegend aus Europa. Die meisten sind in Deutschland zu Hause, die weiteren stammen aus Frankreich, Grossbritannien, Schweden und den USA. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung sind nur wenige chine­sische Investoren auf Einkaufstour in der Schweiz. Im ersten halben Jahr übernahmen zwei Geschäftsleute aus dem Reich der Mitte eine mittelständische Firma. Brücher: «Chinesen haben in der Schweiz vor allem grosse Firmen wie SR Technics, Syngenta oder Gate Group erworben. Bei kleineren Unternehmen traten sie selten als Käufer auf.» Das tiefere Wirtschaftswachstum und die strikte Kapitalausfuhrkontrolle hätten das Ausland­engagement der Firmen in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt ohnehin gedrosselt. Bei den ins In- und Ausland verkauften mittelgrossen Unternehmen handelt es sich zu einem grossen Teil um Industriebetriebe. Es sind aber auch auffällig viele Unternehmen aus den Sparten Technologie, Medien und Telekommunikation darunter. «Vorausschauende Investoren finden in der Schweiz passende Kaufkandidaten für neue Technologien und Digitalisierung. Das erstaunt wenig, denn die Schweizer Hochschulen bringen regelmässig spannende Start-ups und Spin-offs hervor», sagt Brücher.

Mit den Präferenzen der Schweizer Unternehmen, die im Ausland zukaufen, verhält es sich ähnlich: Bei 12 der 31 Übernahmen handelte es sich um Industriebetriebe. Die Schweizer Unternehmer kaufen am liebsten in Deutschland ein; etwa die Hälfte der im Ausland erworbenen mittelständischen Firmen sind im nördlichen Nachbarland beheimatet. Meistens bilden sie die Brücke zu einem wichtigen Absatzmarkt. «Nur um günstiger zu produzieren, brauchen Schweizer KMU keine Firmen in einem anderen Land zu übernehmen. Dafür reicht auch ein neuer Produktionsstandort dort. Den meisten Käufern geht es darum, dort präsent zu sein, wo die Käufer ihrer Produkte in der Nähe sind, und zu wachsen», sagt Brücher. Deloitte hat die Ursachen für Verkäufe von Schweizer KMU zwar nicht im Einzelnen eruiert. Doch aus seiner Tätigkeit als Unternehmensberater weiss Brücher, dass viele von ihnen zum Verkauf stehen, weil sich keine befriedigende Nachfolgelösung finden liess.

Brücher: «Zurzeit ist bei den mittelgrossen Unternehmen eine zahlenmässig starke Generation im Alter von Ende 50 bis 70 Jahren am Ruder. Der Verkauf ist für viele von ihnen die letzte Möglichkeit, das Überleben der Firma zu retten, nachdem keine familieninterne Lösung zu Stande gekommen ist.» Bei den jüngeren Verkäufern handelt es sich indes oft um Firmengründer, die ihre Start-ups zu Geld machen.

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