Mehr für die Aktionäre

Seit Beginn dieses Jahres können Unternehmen steuerfreie Agio-Rückzahlungen anstelle von gewöhnlichen Dividenden vornehmen. Ostschweizer Firmen machen von dieser Möglichkeit Gebrauch, sofern sie über das nötige Agio verfügen.

Ruben Schönenberger
Drucken
Ein Teil der Dividende steuerfrei – möglich dank Agio. (Bild: fotolia)

Ein Teil der Dividende steuerfrei – möglich dank Agio. (Bild: fotolia)

Frohe Kunde für die Aktionäre vieler Ostschweizer Firmen. Sie dürfen sich über die Auszahlung steuerfreier Dividenden für das vergangene Geschäftsjahr freuen. Denn mehrere Ostschweizer Unternehmen zahlen die Dividenden aus dem Agio. So unterliegen sie neu weder der Verrechnungs- noch der Einkommenssteuer (siehe Kasten). «Das ist ein Dienst am Aktionär», sagt Gregor Bodenmann, CFO der Fortimo Group AG.

Zurückzahlen wenn es geht

Eine Umfrage unter mehreren Ostschweizer Firmen ergab, dass Agio-Rückzahlungen vornimmt, wer über die nötigen Reserven aus Kapitaleinlagen verfügt. Die in St. Gallen domizilierte Fortimo Group AG zahlt den Anteilseignern fünf Franken pro Aktie aus. Dies könne man nach derzeitigem Stand auch in den nächsten drei bis vier Jahren weiterführen, ehe das Agio aufgebraucht sei, so CFO Gregor Bodenmann. Die Frauenfelder BFW Liegenschaften AG greife ebenfalls auf die neue Möglichkeit zurück, wie der CEO Markus C. Egloff erklärt. Auch hier will man in den nächsten Jahren Agio-Rückzahlungen der Ausschüttung von gewöhnlichen Dividenden vorziehen.

Ähnlich sieht es bei der in St. Gallen ansässigen Helvetia Gruppe aus. Sie verfügt über 260 Millionen Franken Reserven, die in Form einer Agio-Rückzahlung an die Aktionäre zurückgegeben werden können. Die Helvetia plant, nur die Hälfte der Dividende für das Geschäftsjahr 2010 aus dem Agio zu bestreiten. So ist eine solche Rückzahlung für die nächsten drei bis vier Jahre möglich. «Damit sollen sowohl die bestehenden als auch künftige Aktionäre in den Genuss der steuerfreien Auszahlung eines Teiles der Dividende kommen können», erklärt Martin Nellen, Leiter Corporate Communications bei der Helvetia.

Fehlendes Agio

Unternehmen, die keine steuerfreien Dividenden auszahlen, verweisen auf das fehlende Agio. Dies sei der Grund, warum wie üblich normale Dividenden bezahlt würden, führt Roland Bartholet, Leiter Anlagekunden bei der Alpha Rheintal Bank AG, aus. Bei der Bank CA St. Gallen AG präsentiert sich die Ausgangslage identisch. Stephan Weigelt, Vorsitzender der Geschäftsleitung, erklärt: «Wir haben seit Jahren keine Kapitalerhöhung mehr durchgeführt. Daher ist kein Agio mehr vorhanden.» Mit einer Kapitalerhöhung könnten Unternehmen neues Agio generieren. Dann wäre auch die Auszahlung von steuerfreien Dividenden wieder möglich.

Weiter für Diskussionen sorgen werden die durch die Reform entstehenden Steuerausfälle. Die St. Galler Regierung beziffert in der Antwort auf eine Einfache Anfrage den Minderertrag 2011 für den Kanton auf beinahe 20 Millionen Franken. Erhebliche Abweichungen seien möglich.