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«Mehr als nur ein Trend»

Mit Beratung setzt sich Student Impact für Nachhaltigkeit ein. Präsidentin Gianina Caviezel erklärt, wieso sich Profitorientierung und Nachhaltigkeit nicht widersprechen. Und weshalb der Verein dennoch keinen Gewinn macht.
Noemi Heule
Gianina Caviezel doktoriert an der Universität St. Gallen zum Thema Nachhaltigkeitsmanagement. (Bild: Michel Canonica)

Gianina Caviezel doktoriert an der Universität St. Gallen zum Thema Nachhaltigkeitsmanagement. (Bild: Michel Canonica)

Frau Caviezel, Sie sind Präsidentin von Student Impact, einer Unternehmensberatung, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert hat. Welcher Firma würden Sie gerne die Leviten lesen?

Gianina Caviezel: Viele Firmen könnten sich im Bereich Nachhaltigkeit verbessern. Es ist aber falsch, einzelne Firmen an den Pranger zu stellen. Vielmehr geht es uns darum, die Einstellung gegenüber Umwelt und Gesellschaft allgemein zu verändern.

Welche Firmen beraten Sie tatsächlich?

Caviezel: Ganz unterschiedliche: vom Start-up bis hin zu etablierten Organisationen wie Energie Schweiz oder South Pole. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich sozial oder ökologisch engagieren möchten. Unsere Beratung unterstützt diese nachhaltigen Geschäftsideen in klassischen wirtschaftlichen Belangen, wie Strategie, Marketing- oder Prozessoptimierung.

Was unterscheidet Sie von herkömmlichen Beratungsfirmen?

Caviezel: Die Tatsache, dass Studenten auf dem Beraterstuhl sitzen. Und natürlich der Preis: Für eine dreimonatige Beratung mit fünf Personen zahlen sie bei Student Impact 1500 bis 4500 Franken – weniger als ein etablierter Berater pro Tag kosten kann.

Sie wollen Profitorientierung mit Nachhaltigkeit verbinden. Ein Widerspruch?

Caviezel: Gewinn und Nachhaltigkeit sind keine Gegensätze: Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Verantwortung zu übernehmen gegenüber Gesellschaft und Umwelt; nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben. Dabei darf man durchaus auch Geld verdienen.

Dennoch macht Student Impact selbst keinen Gewinn.

Caviezel: Wir sind eine Non-Profit-Organisation. Alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich, die Einnahmen fliessen zurück ins Team.

Was motiviert die Studenten zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit?

Caviezel: Das Studium ist sehr theoretisch aufgebaut. Bei Student Impact können sie ihr theoretisches Wissen anwenden. Sie lernen, was es heisst, mit einem Kunden auf Augenhöhe zu diskutieren. Zudem interessieren sich immer mehr Studenten für das Thema Nachhaltigkeit und wollen sich engagieren.

Student Impact ging vor fünf Jahren aus der Studentenorganisation Oikos Consulting hervor. Wieso haben Sie sich vom Dachverband gelöst?

Caviezel: Das Projekt war bei Studenten und Kunden von Anfang an ein Erfolg und ist schnell gewachsen. Innerhalb eines Jahres hatten wir 50 bis 60 Berater. Mittlerweile können wir noch einen Viertel der Bewerber berücksichtigen. Es war deshalb sinnvoll, einen eigenständigen Verein zu gründen.

Weshalb beschränken Sie die Zahl der freiwilligen Mitarbeiter?

Caviezel: Ein Schiff mit 60 Leuten, alles Teilzeitmitarbeiter, zu steuern, ist bereits jetzt eine Herausforderung. Zudem möchten wir genügend Zeit für die praktische Ausbildung unserer Mitarbeiter haben. Daher beschränken wir uns auf rund 18 Projekte im Jahr.

Nach welchen Kriterien selektieren Sie Ihre Kundschaft?

Caviezel: Unsere Kunden verpflichten sich der Nachhaltigkeit, das ist klar. Zudem müssen sie die Idee hinter Student Impact verstehen: Die Studenten sind nicht einfach günstige Manpower, sondern gut ausgebildete Berater, die von der Zusammenarbeit profitieren sollen.

Haben Sie nie mit dem Gedanken gespielt, Ihr Projekt zu Geld zu machen?

Caviezel: Student Impact ist nicht allein mein Projekt, sondern der Erfolg zahlreicher Studierender, die sich für die Idee engagieren. Das Projekt ist erfolgreich, so wie es ist: Studenten sammeln Erfahrungen, Start-ups und KMU erhalten Zugang zu professioneller Beratung zum kleinen Preis. Wieso also umschwenken?

Sie haben an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft studiert. Seit wann interessieren Sie sich für das Thema Nachhaltigkeit?

Caviezel: Das Interesse an sozialen und ökologischen Themen war schon früh da, wenn auch nicht unter dem Schlagwort Nachhaltigkeit. In der Schweiz haben wir einen hohen Lebensstandard. Das sollte nicht selbstverständlich sein: Jeder sollte innerhalb seiner Möglichkeiten Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt übernehmen. Darüber hinaus ist Nachhaltigkeit an der Uni St. Gallen in der Lehre verankert.

Liegt Nachhaltigkeit im Trend?

Caviezel: Ja, immer mehr Unternehmen verpflichten sich der Nachhaltigkeit, aus den verschiedensten Gründen – vom Bewusstsein für Verantwortung bis hin zum öffentlichen Druck. Doch trotz dieses steigenden Interesses reicht das Engagement nicht aus, um die weltweiten Herausforderungen zu lösen. Das Verständnis von Nachhaltigkeit muss sich ändern.

Was ist denn der richtige Weg?

Caviezel: Einen richtigen Weg gibt es nicht. Aber Schritte in die richtige Richtung: Unternehmen müssen Nachhaltigkeit fest im Unternehmen verankern und nicht mehr als ergänzende Sache betrachten. Zudem müssen sie sich fragen: Was kann ich wirklich gut, und wie kann ich mit diesen Fähigkeiten eine positive Wirkung für unsere Welt schaffen?

Das hört sich einfach an.

Caviezel: Das ist es nicht, und es braucht noch einige Veränderungen. Dafür müssten etwa Unternehmen, Regierungen und Privatpersonen enger zusammenarbeiten, und es müssen sich die Rahmenbedingungen ändern. Zudem darf Erfolg nicht mehr auf Kosten Schwächerer aufgebaut werden.

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