MEDIZINTECHNIK
Mit Innovationen rund um Gesundheit und Lebensqualität an die Weltspitze: Von den drei Firmen im Finale des Swiss Medtech Awards kommen zwei aus dem Rheintal

Drei Unternehmen haben es ins Finale des Swiss Medtech Awards geschafft. Davon stammen zwei aus dem St.Galler Rheintal und eines aus Winterthur. Es geht um Dentalimplantatereinigung, Wirbelsäulenimplantate und einen Treppen steigenden Rollstuhl.

Thomas Griesser Kym
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Treppen steigender Elektrorollstuhl der Scewo AG.

Treppen steigender Elektrorollstuhl der Scewo AG.

Bild: Sven Rüegg/PD

Der Swiss Medtech Award prämiert herausragende Medizintechnologien. Für die 23. Auflage hat die Jury zunächst aus 50 Kandidaten ein halbes Dutzend Unternehmen ausgewählt, aus denen nun die drei Finalisten ermittelt worden sind. Diese werden am Swiss Medtech Day am 8. September 2021 in Bern sich und ihre Innovationen vorstellen.

Weg mit dem Biofilm von Dentalimplantaten

Im Finale steht zum einen die GalvoSurge Dental AG aus Widnau. Die 2015 gegründete Firma stellt zahnmedizinische Geräte und Ausrüstungen her. Sie hat ein Reinigungssystem entwickelt, um im Mund von Patienten Dentalimplantate von Mikroorganismen (Biofilm) zu befreien. Dabei geht es um Implantate, die frei liegen, im Kieferknochen verankert und elektrisch leitfähig sind. Das System nutzt das Prinzip der Elektrolyse, um den Biofilm ohne herkömmliches Schleifen und Bürsten in nur zwei Minuten von der Implantatoberfläche abzulösen.

Steuergerät der GalvoSurge Dental AG.

Steuergerät der GalvoSurge Dental AG.

Bild: PD

Die Entfernung der Mikroorganismen ist eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Behandlung von Patienten mit Entzündung des Implantatbetts oder mit Entzündung des Weichgewebes um den Implantathals. Das Verfahren sei für die Zahnärztin oder den Zahnarzt einfach durchzuführen und angenehm für den Patienten. Das System der GalvoSurge Dental AG besteht aus einem Steuergerät, der Reinigungsflüssigkeit und dem Schlauchpaket mit Sprühkopf mit integriertem Implantatverbinder und aufgesetztem Schwamm.

Wirbelsäulenimplantat im Kampf gegen Tumore

Zweitens ist die Icotec AG aus Altstätten im Finale. Sie gilt als Pionierin in der Entwicklung von Implantaten, die für die Behandlung von Tumorerkrankungen in der Wirbelsäule eingesetzt werden. Seit der Gründung im Jahr 2000 habe sich das Unternehmen als Weltmarktführer auf diesem Gebiet entwickelt. Das von Icotec entwickelte und produzierte nichtmetallische, röntgentransparente Material aus hochfestem kohlefaserverstärktem Material ist biokompatibel und wird seit gut 15 Jahren implantiert.

Implantat der Icotec AG zur Stabilisierung der Wirbelsäule.

Implantat der Icotec AG zur Stabilisierung der Wirbelsäule.

Bild: PD

Es ermögliche eine bessere Abgrenzung des Tumors vom gesunden Gewebe, optimiere dank der Strahlendurchlässigkeit die Planung und Durchführung der Strahlentherapie und der Tumorbehandlung und erlaube eine klare, postoperative Beurteilung des Versorgungsgebiets. Der grösste Vorteil liege in der Früherkennung von noch aktiven Tumorzellen durch die störfreie Bildgebung.

Ein Rollstuhl, der alle Hindernisse überwindet

Dritte Firma im Finale ist die Scewo AG, die eine neue Generation des Elektrorollstuhls erfunden hat und herstellt. Das Jungunternehmen mit Sitz in Winterthur entstand 2017 aus einem Studienprojekt an der ETH Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Das Team stellt den laut eigenen Angaben weltweit einzigen alltagstauglichen Elektrorollstuhl her, der das Fahren auf zwei Rädern mit dem Treppensteigen kombiniert.

Die Technologie sei einzigartig und das Design unverwechselbar. Der Rollstuhl lasse sich agil steuern, meistere fast alle Arten von Treppen und Stufen und ermögliche dank höhenverstellbaren Sitzes ein Gespräch auf Augenhöhe mit dem Gegenüber.

Knapp nicht im Finale: Leica Microsystems

Knapp nicht ins Finale geschafft hat es unter anderem eine dritte Rheintaler Firma, die Leica Microsystems aus Heerbrugg. Das Unternehmen hat ein Operationsmikroskop-Zubehör entwickelt, das zur Betrachtung des Blutflusses während Bypassoperationen dient. Es ermögliche Chirurginnen und Chirurgen, die Fluoreszenz als Augmented Reality zu sehen. Diese überlagert die Blutgefässe, während die Sicht auf die umgebende anatomische Umgebung der Operationsstelle erhalten bleibe.