MEDIKAMENTENVERSAND: Zur Rose drückt aufs Gaspedal

Trotz gesetzlicher Hürden bleibt die Frauenfelder Gruppe auf Wachstumskurs und beschleunigt vor allem in Deutschland.

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Dank intensivierten Marketings hat die Zur-Rose-Gruppe mit Hauptsitz in Frauenfeld ihren konsolidierten Umsatz vergan­genes Jahr um 5,4% auf 880 Mio. Fr. gesteigert. Das Unternehmen, das als Grossistin Ärzte sowie als Versandapotheke Patienten direkt mit Medikamenten beliefert, sieht sich in seiner Wachstumsstrategie bestätigt und nimmt es in Kauf, dass die Erhöhung des Marketingaufwandes temporär auf das Ergebnis drückt. Konkrete Zahlen dazu nennt die Gruppe mit 800 Beschäftigten nicht.

Die Marke Zur Rose hat den Umsatz 2016 um annähernd 2% auf 531 Mio. Fr. erhöht. Dies trotz des Versandverbots rezeptfreier Arzneimittel, welches das Bundesgericht im September 2015 ausgesprochen hat. Zuvor hatte die Zur Rose seit 2011 auch rezeptfreie Arzneien an Patienten verschickt und vom Thurgauer Verwaltungsgericht den Rücken gestärkt bekommen. Dagegen erhoben das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic und der Apothekenverband Pharmasuisse Beschwerde und bekamen vor Bundesgericht recht. Dieses argumentierte, der Versand von Arzneien bedürfe auch dann ei­nes ärztlichen Rezepts, wenn die Mittel im stationären Handel rezeptfrei erhältlich seien. Die Zur Rose hatte sich über das Urteil enttäuscht gezeigt, hat aber 2016 in der Schweiz erneut von einer stabilen Entwicklung der Belieferung selbstdispensierender Ärzte mit Medikamenten profitiert.

Kampf mit harten Bandagen

Im Ausland mit Deutschland als wichtigstem Markt ist die Gruppe mit Doc Morris aktiv. Diese Marke steigerte den Umsatz 2016 um 10% auf 331 Mio. € (361 Mio. Fr.). Dynamisch gewachsen ist vor allem der Versand rezeptfreier Arzneien. Mit diesen legte Doc Morris im Gesamtjahr um 50% auf über 100 Mio. € Umsatz zu und im Schlussquartal gar um 65%. Beim Versand rezeptpflichtiger Medikamente ist im Schlussquartal die Zahl der Neukunden erstmals seit dem Bonusverbot wieder gestiegen. Dieses geht zurück auf Oktober 2012. Damals hatte die deutsche Regierung den Rezeptbonus für ausländische Versandapotheken gesetzlich ver­boten. Dies traf auch die in den Niederlanden ansässige Zur-Rose-Tochter Doc Morris, die deutschen Patienten Rabatte gewährt hatte, wenn sie ihre Rezepte bei der Versandapotheke einlösten.

Vergangenen Oktober kassierte der Europäische Gerichtshof (EuGH) sehr zum Ärger des deutschen Apothekerverbands das Bonusverbot, das Millionen chronisch Kranker belastet und gegen das sich ein Patientenverband gewehrt hatte. Seither darf Doc Morris wieder Rabatte gewähren. Pro Medikament sind es 2 €. Allerdings droht der Zur Rose in Deutschland neues Unheil: Im Dezember hat Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) einen Gesetzesentwurf vorgelegt, um den Versand rezeptpflichtiger Medikamente ganz zu verbieten. Allerdings ist die Koalitionspartnerin SPD von diesem Plan wenig angetan. Applaus erhielt Gröhe dagegen von den Apotheken. Deren Markt ist stark reguliert, und sie sind einer Preisbindung unterworfen, die für ausländische Versandapotheken seit des EuGH-Urteils nicht mehr gilt. Gröhe will mit dem Verbot des Versands rezeptpflichtiger Medikamente die örtlichen Apotheken schützen und eine flächendeckende Versorgung mit Arzneien gewährleisten. Laut Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli ist aber genau dafür auch der Versandhandel ein probates Mittel. Und punkto der vom deutschen Apothekerverband beschworenen Zukunftsangst verweist Oberhänsli auf die Schweiz, wo trotz Versandhandels und Rabatten kein Apothekensterben zu beobachten sei.

Thomas Griesser Kym