Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MEDIEN: Tamedia baut radikal um

Der «Tages-Anzeiger», die «Berner Zeitung» und weitere Tamedia-Titel sollen künftig von einer gemeinsamen Redaktion beliefert werden. Gewerkschaften und Politiker sehen die Medienvielfalt bedroht.
Maja Briner, sda
Aussenansicht des Tamedia-Gebäudes in Zürich. (Bild: Christian Beutler/Keystone (11. Juli 2013))

Aussenansicht des Tamedia-Gebäudes in Zürich. (Bild: Christian Beutler/Keystone (11. Juli 2013))

Maja Briner, SDA

Es ist ein Paukenschlag: Die Mediengruppe Tamedia kündigte gestern an, ihre Zeitungsredaktionen neu aufzustellen. In der Deutschschweiz und der Romandie entstehen zwei «Redaktionen Tamedia». Diese erstellen ab kommendem Jahr die Berichterstattung für den überregionalen Teil der zwölf bezahlten Tageszeitungen und zwei Sonntagszeitungen von Tamedia, darunter «Tages-Anzeiger» und «Landbote» sowie die beiden Berner Titel «Der Bund» und «Berner Zeitung». Betroffen sind die Themenbereiche Inland, Ausland, Wirtschaft und Sport.

Trotz der Nutzung dieser gemeinsamen «Kompetenzzentren» im überregionalen Bereich blieben die Tageszeitungen eigenständig, versicherte Tamedia gestern. Sie hätten weiterhin ein unterschiedliches Profil und eine unabhängige politische Ausrichtung. Mit der Einführung der neuen Organisation seien auch keine Kündigungen verbunden, so das Verlagshaus weiter. Die deutschsprachige Redaktion wird Arthur Rutishauser als Chef­redaktor führen.

Tamedia begründet die Neuorganisation mit sinkenden Werbeeinnahmen. Von der Umstrukturierung stark betroffen sind die Bereiche Layout, Textproduktion, Bildredaktion, Fotografie und Korrektorat. In der Deutschschweiz werden alle Kompetenzen in einem neuen Bereich ­zusammengelegt. In der Westschweiz hat die Konzentration auf eine Redaktion pro Sprachraum zudem Folgen für einen Teil der Redaktion der «Tribune de Genève»: Journalisten der Inland-, Ausland-, Wirtschafts-, und Sportredaktionen werden künftig in Lausanne arbeiten.

Schleichender Stellenabbau befürchtet

Die Gewerkschaften Impressum und Syndicom zeigen sich besorgt um die Medienvielfalt in der Schweiz. Für Impressum ist es fraglich, wie die Vielfalt bei einer faktischen Einheitsredaktion tatsächlich umgesetzt werden soll. Der Ankündigung von Tamedia, dass es keine Kündigungen geben werde, begegnen beide Gewerkschaften mit Skepsis. Sie warnen vor einem schleichenden Stellenabbau: Dies bedeute einen weiteren «Aderlass» für die «zusammengesparten» Redaktionen und noch mehr Druck für die einzelnen Mitarbeiter.

Auch Medienpolitiker reagieren beunruhigt auf die Pläne von Tamedia. Der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer sieht die jüngste Ankündigung als Teil einer Gesamtentwicklung, die ihn mit Sorge erfüllt. «Jene, die Qualitätsjournalismus machen, bauen ab – und auf der anderen kauft Christoph Blocher Zeitungen», sagt Aebischer. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die BaZ-Holding, an der SVP-Stratege Blocher beteiligt ist, den Zehnder-Verlag mit 25 Titeln übernimmt. Aebischer warnt vor einer «Berlusconisierung» der Presselandschaft. Er fordert eine direkte Medienförderung für die Online- und Printmedien, so wie sie für Radio und Fernsehen bereits besteht. «Die SP wird in der Herbstsession nochmals Druck machen», sagt Aebischer. «Es muss jetzt schnell gehen.»

Ähnlich äussert sich auch Regula Rytz, Präsidentin der Grünen. Sie bedauert die «Schrumpfung des Medienplatzes Bern». «Medienvielfalt und Qualität sind wichtig für die Demokratie», betont sie. Sie befürchtet eine Salamitaktik: Angesichts der geplanten Umstrukturierung werde es längerfristig wohl doch Kündigungen geben, glaubt sie. Die sinkenden Werbeeinnahmen lässt Rytz nicht als Begründung für den Schritt gelten. «Anzeigen und Werbung haben sich auf Onlineplattformen verschoben. Die Erträge fliessen immer weniger in publizistische Arbeit und immer mehr zu den Aktionären», kritisiert die Berner National­rätin. Die Grünen verlangen vom Bundesrat einen Bericht, wie ein Fördermodell für die Medienvielfalt ausgestaltet werden könnte. Bislang waren Forderungen nach einer direkten Presseförderung im Parlament indes chancenlos.

«Unternehmen in der freien Marktwirtschaft»

Besorgt zeigt sich auch der Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr, der wie Aebischer und Rytz Mitglied der parlamentarischen Gruppe «Journalismus in der Demokratie» ist. Er spricht von einem «schleichenden Abbauprozess ohnegleichen». «Die Medienvielfalt geht immer mehr verloren», sagt Lohr. Das sei bedauerlich, denn es sei wichtig, dass die politische Arbeit vielfältig präsentiert werde.

Einem politischen Eingriff steht Lohr dennoch skeptisch gegenüber. «Das ist sehr schwierig, denn schliesslich geht es um Unternehmen in einer freien Marktwirtschaft», sagt er. Eine staatliche Medienförderung, wie sie von linken Politikern gefordert wird, ist für Lohr schwer vorstellbar. «Das müsste sehr gut austariert sein», sagt er. «Und in vielen anderen Branchen würde wohl der Ruf nach Staatsgeldern ebenfalls laut.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.