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Der «Blick» hat eine kleine Schwester in der Romandie

Der Medienkonzern Ringier lanciert die Boulevardzeitung als französischsprachiges Online-Medium. Es ist der Versuch verlorenes Terrain zurückzugewinnen.

Christian Mensch
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Den Blick gibt es nun auch in der welschen Schweiz.

Den Blick gibt es nun auch in der welschen Schweiz.

Archivbild: Keystone

Nach einem Jahr Vorbereitung ist das Medium seit heute im Vollbetrieb: blick.ch/fr. Ein 20-köpfiges Team adaptiert in Lausanne die Inhalte der Zürcher Blick-Redaktion für die Westschweiz und ergänzt sie mit eigenen, multimedial aufbereiteten Inhalten.

Mit Blick TV unter der Leitung von Jonas Projer wollte der Ringier-Konzern die Medienwelt noch neu erfinden. Die Ernüchterung fiel entsprechend aus, der Chef ist bereits wieder weg. Mit blick.ch/fr besinnt sich Ringier wieder auf bewährtes Handwerk. Diese Einschätzung legt jedenfalls eine erste Betrachtung des neuen Angebots nahe.

Erste Kontroverse vor dem Start: Kooperation mit der EPFL

Neuland will das Medium dennoch erforschen. Etwa in der Art, wie die Redaktion aufgestellt ist. So gibt es keine Ressorts, sondern «Labs». Das «Investigativ Lab» hat die eigenen Geschichten zu recherchieren, die das Portal ins öffentliche Gespräch bringen sollen. Das «Editing Lab» liefert das Grundrauschen, indem es die Inhalte der Blick-Zentralredaktion übersetzt und den Nachrichtenfluss im Auge hat. Das «Creative Lab» schliesslich soll die Inhalte nicht nur multimedial aufbereiten, sondern auch multikanal auf den verschiedensten Plattformen einspeisen.

«Wir sind bereit, Berge zu versetzten», kündet Chefredaktor Michel Jeanneret in seinem Eröffnungsbeitrag an. Dabei wird er aufmerksam beobachtet. So hat etwa die Ankündigung, in einer Kooperation mit der EPFL Wissenschaftsjournalismus zu betreiben, bereits zu einer Debatte über die journalistische Unabhängigkeit geführt. Eine solche ist allerdings ausgeblieben, als vor Jahren «20 Minuten» seine Wissen-Inhalte an eine externe Agentur auslagerte und von einer Stiftung finanzieren liess.

Ringier will seinen Platz in der Romandie behaupten

Blick.ch/fr ist allerdings auch ein Medium, mit dem der Ringier-Konzern bemüht ist, verlorenes Terrain in der Romandie zurückzugewinnen. Lange Zeit war es der Stolz des familiengeführten Zofinger Konzerns in allen Landesteilen bedeutsam zu sein. In der Romandie hat sie diese Rolle jedoch an die TX Group verloren, was sich noch akzentuierte, als Ringier im vergangenen Jahr seine renommierte Zeitung «Le Temps» verkaufte. Als schliesslich auch das mit dieser Zeitungsgruppe verbundene Online-Portal Watson.ch einen Ableger in der Romandie plante, war der Handlungsbedarf offenkundig.

Den Chefredaktor freuts. Zweimal hatte er zuvor schon vergeblich versucht, die oberste Verlagsetage von einem Blick für die Westschweiz zu überzeugen. Nun sind die Rahmenbedingungen gegeben.

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Christian Dorer, Leiter der Geschäftsgruppe, stellt das neue Medium vor.

Keystone-SDA

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