Medien
Das Geschäft mit der Diversity

Der Ringier-Konzern hat sich an der Firma Edge Strategy beteiligt. Die parallel geführte Stiftung vergibt das Edge-Zertifikat für gendervorbildliches Verhalten. Dieses hat Ringier kurz zuvor erhalten.

Christian Mensch
Christian Mensch
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Vielfalt in den Medien feiert Konjunktur.

Vielfalt in den Medien feiert Konjunktur.

Keystone

Gegen Vielfalt ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Medienvielfalt etwa ist ein hohes, wenn auch historisch betrachtet ein etwas lädiertes Gut. Vielfalt in den Medien feiert dagegen Konjunktur, wenn auch in einem beschränkten Feld und unter dem Begriff der Diversity.

Es geht dabei nicht um Themen- oder Meinungsvielfalt, sondern um die Vielfalt beziehungsweise Vielfältigkeit der Handelnden. Diesem Anspruch sollte sowohl die Zusammensetzung der Redaktionen genügen als auch der Personen, die zu Wort kommen.

Das Streben nach Diversity ist ein moralischer Imperativ, aber auch über den Medienbereich hinaus geschäftsfördernd. Ein Diversity-Management macht eine Firma sympathischer, als Arbeitgeberin attraktiver und die Angestellten angeblich leistungsbereiter. Mehr noch: Diversity ist ein Geschäft, gerade für die Medien.

Ringier – als Boulevardkonzern schon immer nah am Puls der Befindlichkeiten – ist seit einigen Jahren auf der Mission, Männer und Frauen gleichermassen zu Wort kommen zu lassen. Ein kommerzialisierbares Messverfahren wurde mit der ETH entwickelt, um den «Equal-Voice-Faktor» der Berichte zu bestimmen.

Seit Juni ist Ringier zudem zertifiziert für «Economic Dividends for Gender Equality» (Edge). Das geschäftsfördernde Siegel wird von einer Stiftung vergeben, doch dahinter steht die Firma Edge Strategy. Und an diesem Start-up hat sich nun der Ringier-Konzern beteiligt.

Fragt sich nun: Geht es eigentlich um Diversity oder doch nur ums Geschäft?