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MEDIEN: Blocher greift sich Zehnder-Blätter

Die Ostschweizer Verlegerfamilie Zehnder verkauft ihren Wochenzeitungsverlag an den Verlag der «Basler Zeitung» (BaZ). SVP-Stratege Christoph Blocher, der an der BaZ beteiligt ist, kommt so in den Besitz von 25 Zeitungstiteln mit über 700000 Lesern.
Roman Schenkel

Roman Schenkel

Bei der Übernahme der «Basler Zeitung» 2010 zog Christoph Blocher die Fäden im Hintergrund. Erst Jahre später machte er seine Beteiligung mit der Übernahme eines Aktienpakets offiziell. Gestern kommunizierte er mit offenem Visier: Rückwirkend per 1. Januar 2017 übernimmt die BaZ Holding AG, welche die «Basler Zeitung» herausgibt, vom Wiler Zehnder-Verlag 25 Gratiswochenzeitungen. Der Zehnder-Verlag ist heute mit 11 Büros in 16 Gebieten der Ost- und Zentralschweiz sowie in den Kantonen Aargau, Bern, Solothurn und Zürich im Geschäft mit Gratis­wochenzeitungen tätig (siehe Grafik). Dazu gehören unter anderem die «St.Galler Nachrichten» sowie die «Wiler Nachrichten».

An der BaZ Holding sind Christoph Blocher, BaZ-Chefredaktor Markus Somm und BaZ-Verwaltungsratspräsident Rolf Bollmann zu je einem Drittel beteiligt. Die neuen Besitzer erhöhen mit dem Zukauf ihr Publikum um über 700 000 Leser. Zusammen mit den 104 000 Lesern der BaZ baut der Verlag das Zeitungsgeschäft auf über 800 000 Leser aus. Über den Verkaufspreis wurde das übliche Stillschweigen vereinbart. Die Familie Zehnder scheidet aus dem Wochenzeitungsverlag aus. Sie behält nur noch die Druckerei in Wil und den Zeitschriftenverlag mit total 66 Mitarbeitenden.

Politische Motive werden verneint

Käufer und Verkäufer sind bemüht, den Deal als Übernahme ohne politischen Hintergrund darzustellen. «Wir befinden uns hier in einem Mediensegment, bei dem die politische Berichterstattung nur einen kleinen Stellenwert einnimmt», lässt sich Christoph Blocher im Interview mit den «Wiler Nachrichten» zitieren. Auch der Verkäufer Andreas Zehnder betont, dass «die Meinungsvielfalt auch zukünftig das Lebenselixier der Gratiswochenzeitungen bleiben wird». Und Rolf Bollmann, der die Gratiswochenzeitungen als Geschäftsführer leiten wird, erklärt auf Anfrage: «Wir werden den politischen Kurs der Zeitungen nicht ändern.»

Diese Beteuerungen sind einerseits an all jene gerichtet, die in der jüngsten Übernahme einen weiteren Versuch Blochers vermuten, ein rechtes «Medien­imperium» zu schaffen. Der Einstieg von Blocher bei der BaZ hat in Basel, aber auch in der ganzen Schweizer Medienbranche für ziemlich viel Unruhe gesorgt. Zuletzt wurde über eine Gratissonntagszeitung aus dem Hause Blocher spekuliert. Gestern betonte dieser jedoch, dass ein solches Projekt derzeit nicht im Vordergrund stehe.

Die Beschwichtigungen sind auch eine Mitteilung an die rund 13 000 Inse­ratekunden der Zehnder-Medien. «Wir machen aus den Gratiszeitungen keine SVP-Postillen, sonst hätten wir bald keine Inserate mehr», sagt Bollmann. Anders als bei den Abo-Zeitungen sei das Inserategeschäft bei den übernommenen Titeln stabil. Im Unterschied zu den Tageszeitungen seien die Gratistitel unabhängiger von den Grosskunden aus Detailhandel oder Automobilbranche. «Inserate von Bäckern und Metzgern hingegen bleiben im Print, sie werden nicht von online abgelöst», so Bollmann. Er habe die Umsatzentwicklung der letzten fünf Jahre sehr genau geprüft, Zehnder konnte zuletzt sogar etwas zulegen. Seit die Zehnder-Medien Mitte 2016 den Zeitungsdruck im thurgauischen Rickenbach aufgegeben hat und bei Tamedia druckt, habe das Unternehmen schwarze Zahlen geschrieben, sagt Bollmann.

Der Publizist Kurt W. Zimmermann nimmt den Käufern die unpolitischen Motive nicht ab: «Blocher ist einer der letzten Schweizer, die an Zeitungen ­glauben», sagt er. Den Kauf hält er für «smart». «Blocher verliert damit kein Geld, das entspricht dem Unternehmer Blocher; gleichzeitig gewinnt er stark an Auflage, das gefällt dem Politiker Blocher», so Zimmermann.

Auflage vorhanden, Aufmerksamkeit fehlt

Mit dem Kauf an Auflage habe Blocher nun aber erst die Hälfte seines Ziels erreicht. «Jetzt braucht er noch die Aufmerksamkeit», sagt Zimmermann. Es werde deshalb interessant sein, zu sehen, wie viel Geld Blocher in die Hand nehme, um die Blätter zu verbessern. «Das ist zentral: Denn heute finden diese Gratistitel unter Ausschluss der politischen Öffentlichkeit statt», sagt er.

Das sieht auch Medienexperte Karl Lüönd so: «Die Gratiszeitungen haben ein Basisproblem: An vielen Orten braucht es sie nicht.» Lüönd hat die Redaktionen der Zehnder-Medien regelmässig geschult, etwa in Redaktionsorganisation oder «wie man Geschichten abseits der Tageszeitungen entwickelt». «Mir machten die Zeitungen einen gutaufgestellten Eindruck, die Verkaufsabteilungen sind kommerziell tüchtig», sagt er. Sie würden auch das «Kleinvieh» pflegen. Oft fehle jedoch die redaktionelle Dauerleistung, die von den Lesern respektiert werde und «gwundrig» mache. «Wenn der neue Besitzer das ändern will, braucht er viel Geld und Leute», so Lüönd.

Ob und wie viel investiert wird, kann Bollmann noch nicht sagen. Heute arbeiten für die 25 Titel knapp 200 Mitarbeitende. Diese Zahl solle beibehalten werden. Bollmann erwägt zudem, den Zeitungen ein einheitlicheres Layout zu verpassen und sie als Zweibundzeitungen zu drucken.

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