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Maus schluckt Krokodil

Die Traditionsmarke Lacoste kommt in Schweizer Hände: Ein Familienstreit bringt den französischen Polohemden-Hersteller in den Besitz des Genfer Maus-Frères-Konzerns.
Stefan Brändle
Lacoste-Boutique in St. Gallen. Das Unternehmen produziert noch einen Teil der Polohemden in Frankreich, den Löwenanteil aber in Asien. (Bild: Michel Canonica)

Lacoste-Boutique in St. Gallen. Das Unternehmen produziert noch einen Teil der Polohemden in Frankreich, den Löwenanteil aber in Asien. (Bild: Michel Canonica)

PARIS. Schuld ist die Schwiegermutter. Ein erbitterter Zank in der Familie Lacoste ermöglichst es dem Mischkonzern Maus Frères, dem Manor und Jumbo gehören, die Kapitalmehrheit des weltbekannten Kleiderherstellers mit dem Krokodil-Emblem zu übernehmen. Mit dem Verkauf endet der französische Teil einer erstaunlichen Erfolgsgeschichte.

Gegründet 1933 vom legendären französischen Tennisspieler René Lacoste, leitete dessen Sohn Bernard ab 1963 das Geschäft. Er schaffte den kommerziellen Durchbruch und steigerte den Absatz von 300 000 auf 50 Mio. Leibchen im Jahr. Heute setzt das Familienunternehmen 1,6 Mrd. € (2 Mrd. Fr.) jährlich um, legt aber keine Ertragszahlen vor.

Energie fürs Heiraten

Mit dem Erfolg begannen aber die Familiengeschichten, die bald das Ausmass einer Intrige annahmen. Das Malheur begann, als im Herbst 2005 ein weiterer Sohn von René Lacoste, Michel, die Firmenleitung übernahm. Der heute 68- jährige Wissenschafter verwandte seine Energie aber vor allem fürs Heiraten. Nach der dritten Hochzeit überwarf er sich mit seinen Kindern aus erster Ehe, weil er seine neue Gattin als Kommunikationschefin einsetzte und in die Firmenleitung hieven wollte.

Erst Verschwörung, dann Putsch

Die neue Schwiegermutter der angehenden Familienerben brillierte auch nicht mit ihrem Können. Michels Kinder aus erster Ehe taten sich darauf mit 20 weiteren Familienangehörigen zusammen und vereinigten insgeheim bis zu 28% des Firmenkapitals. Ende September dieses Jahres gipfelte die Verschwörung in einem Putsch: An einer Aktionärsversammlung versetzte der «Clan der Kinder» den «Clan Michel» in die Minderheit, wobei dem Vernehmen nach die Fetzen flogen.

Schauspielerin an der Macht

Unter Führung von Verwaltungsratspräsidentin und Michels Tochter Sophie Lacoste, einer 36jährigen Theaterschauspielerin, waren ab sofort die Geschwister an der Macht. Michel Lacoste aber legte Gerichtsklage ein und wandte sich an den langjährigen Geschäftspartner Didier Maus, Chef der Maus Frères Holding mit 5,3 Mrd. Fr. Umsatz und 22 000 Angestellten. Der abgehalfterte Lacoste-Chef bot Maus seinen Anteil von gut 30% am Firmenkapital für rund 300 Mio. € an. Lieber sah Michel Lacoste das Familienunternehmen in ausländischem Besitz als in Händen seiner Tochter Sophie, der er in aller Öffentlichkeit vorwarf, sie habe «noch nie einen ganzen Tag in einem Unternehmen verbracht».

Jetzt mündet das Drehbuch einer Telenovela in die Niederlage beider Familienclans. «Mit grosser Trauer» musste Sophie Lacoste mitteilen, dass sie ihren Anteil von 28% ebenfalls an Maus Frères verkaufe. Sie besass zwar ein Vorkaufsrecht und hätte ihres Vaters Anteile theoretisch übernehmen können. Mit der Offerte von Maus aber habe sie nicht mithalten können, sagte Sophie Lacoste.

Gegenseitig zerfleischt

Der diskrete Genfer Konzern wird so Mehrheitsaktionär Lacostes. Pariser Medien halten Sophies Entscheid für vernünftig: Maus Frères sei über seine Tochterfirma Devanlay seit einem halben Jahrhundert ein zuverlässiger Partner Lacostes und Garant für die künftige Entwicklung. Ein wenig wundern sich die Franzosen aber schon über ihr Krokodilunternehmen, dessen Clans es vorzogen, sich gegenseitig zu zerfleischen.

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