Massiver Abbau bei Sia Abrasives

Am Standort in Frauenfeld baut die Bosch-Tochter Sia Abrasives bis in zwei Jahren 260 Stellen ab. Als Grund wurde an einer Mitarbeiterversammlung die schwierige wirtschaftliche Lage genannt. Ein Teil der Produktion geht nach Osteuropa.

Stefan Borkert
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Schleifmittelproduktion in Frauenfeld. Fast ein Drittel der Belegschaft soll bis in zwei Jahren den Arbeitsplatz bei Sia Abrasives verlieren. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Schleifmittelproduktion in Frauenfeld. Fast ein Drittel der Belegschaft soll bis in zwei Jahren den Arbeitsplatz bei Sia Abrasives verlieren. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

FRAUENFELD. Dass es bei der Bosch-Tochter Sia Abrasives finanziell nicht so gut läuft, war schon seit einiger Zeit Gesprächsstoff in Frauenfeld. Ein Versuch, über Mitarbeitervorschläge Verbesserungen zu erzielen, hat nicht gefruchtet. Margrith Künzi, Regionalsekretärin der Gewerkschaft Syna, sagt, dass bei den gut 350 eingereichten Vorschlägen wohl nichts dabei war, das der Führungsetage gefallen habe. Gestern nun wurde seitens der Firmenleitung bekannt gegeben, dass bis 2017 von den 720 Stellen in Frauenfeld 260 abgebaut werden. Das Konsultationsverfahren wurde eröffnet.

Die Sia Abrasives Industries AG will die Schleifmittel-Konfektionierung und das zugehörige Halbfertigwarenlager von Frauenfeld an einen kostengünstigeren Standort in Osteuropa verlagern. Zudem wird beabsichtigt, das Fertigwarenlager für Schleifmittel gleichzeitig in das europäische Zentrallager des Bosch-Geschäftsbereichs Power Tools im deutschen Worms zu integrieren.

Franken und Managementfehler

Martin Küper, Geschäftsleiter der Sia in Frauenfeld, begründet den Abbau und Wegzug: «Die äusserst schwierige wirtschaftliche Situation ist im Wesentlichen der Verschärfung des Wettbewerbs im Industriegeschäft sowie der massiven Aufwertung des Schweizer Frankens seit 2009 geschuldet. Der Exportanteil der Sia liegt bei mehr als 90 Prozent. Daher hat die weitere Aufwertung des Schweizer Frankens durch die Freigabe des Wechselkurses Anfang des Jahres die Situation nochmals drastisch verschärft.»

Allerdings ist man seitens der Arbeitnehmervertretung überzeugt, dass nicht alles am starken Franken liegt. Hansjörg Schmid vom Verband Angestellte Schweiz sagt, dass die Wechselkursproblematik vielleicht 50% der Misere ausmache. Er spricht auch von Managementfehlern und von überrissenen Vorgaben durch die Konzernleitung von Bosch. «Eine Wachstumsvorgabe von neun Prozent pro Jahr ist auf einem stagnierenden Weltmarkt und bei einem massiv überbewerteten Schweizer Franken schlicht realitätsfern. Eine 2012 eingeweihte Produktionsanlage funktioniert bis heute nicht wie gewünscht.» Er fährt fort: «Sia Abrasives ist auf dem Weltmarkt der einzige Anbieter, der Produktion und Konfektion von Schleifmitteln am selben Standort anbietet. Mit der Schliessung der Konfektion wird dieser Standortvorteil aus der Hand gegeben.»

Konsultationsfrist verlängern

Das Konsultationsverfahren dauert mindestens 18 Tage. Die Arbeitnehmervertretung will die Frist verlängern. Syna und Angestellte Schweiz sprechen von einer Verlängerung auf bis zu einem halben Jahr. Syna fordert ausserdem die Thurgauer Regierung auf, ein starkes Zeichen zugunsten des Industriestandorts Thurgau zu setzen.