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Massenexodus bei Yahoo

Der US-Internetriese Yahoo hat im Auftrag von Geheimdiensten die E-Mails seiner Nutzer überwacht. Die Daten der Nutzer verkommen zu einem Produkt, das notfalls auch an Geheimdienste verkauft wird.
Philipp Bürkler
Das Geschäftsmodell Überwachung im grossen Stil könnte Yahoo teuer zu stehen kommen. (Bild: Kiyoshi Ota/Getty)

Das Geschäftsmodell Überwachung im grossen Stil könnte Yahoo teuer zu stehen kommen. (Bild: Kiyoshi Ota/Getty)

Der amerikanische Internetriese Yahoo kommt nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen heraus. Gleich zwei Ereignisse haben das Vertrauen der Nutzer in ihren Internetdienst Yahoo arg erschüttert. Im August gab Yahoo einen massiven Hackerangriff bekannt. Demnach haben Hacker bereits 2014 die Daten von mehr als 500 Millionen Yahoo-Nutzern geklaut. Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten und Passwörter sind seither in den Händen Krimineller. Gemessen an der Anzahl gehackter Accounts, handelt es sich um den grössten jemals bekanntgewordenen Hackerangriff seit Beginn des Internetzeitalters.

Echtzeitüberwachung für Geheimdienste

Einen weiteren Schlag ins Gesicht für Nutzer und Datenschützer meldete der Nachrichten-Produzent Reuters Anfang Oktober. Yahoo soll auf Wunsch der beiden US-Geheimdienste FBI und NSA seit 2015 gezielt E-Mails der eigenen Nutzer gescannt haben. Während Geheimdienste in gängiger Praxis Mails erst im Nachhinein scannen, handelt es sich beim aktuellen Fall von Yahoo um eine Echtzeitüberwachung. Laut «New York Times» hat Yahoo einen bestehenden Spam-Filter für die Geheimdienste so modifiziert, dass alle E-Mails mit verdächtigen Inhalten direkt und sofort an das FBI weitergeleitet wurden. Involvierte Experten bezweifeln aber, dass Yahoo lediglich «einen bestehenden Filter für die Geheimdienste etwas angepasst» haben soll. Der offenbar modifizierte Pornographiefilter durchsuche nur Bilder und Videos, nicht aber Textinhalte.

Nach Angaben von Reuters beschränkte sich die Überwachung aber nicht nur auf E-Mail-Konten, sondern umfasste das gesamte Yahoo-Netzwerk, also auch den Yahoo-Messenger oder Internetforen. US-Politiker und Medienrechtler sehen darin einen klaren Verstoss gegen den vierten Zusatz der US-Verfassung. Demnach sind «unangemessene Durchsuchungen» verboten, wie Greg Nojeim vom Center für Demokratie und Technologie in Washington gegenüber Reuters erklärte. Auch der bekannte Überwachungskritiker Ron Wyden, Senator aus Oregon, zweifelt an der Rechtmässigkeit des Programms.

Seitens der Geheimdienste wird die Angelegenheit heruntergespielt. Anonyme Geheimdienstmitarbeiter relativieren die Aktion gegenüber der «New York Times». Es handle sich nicht um grundlose Massenüberwachung wie beim 2013 durch Whistleblower Edward Snowden aufgedeckten Prism-Programm. Die Geheimdienste hätten gezielt nach einer digitalen Signatur einer «staatlich unterstützten Terrororganisation» gesucht, rechtfertigt Yahoo die Zusammenarbeit mit FBI und NSA. Aus welchem Land diese «Terrororganisation» stammt, wurde nicht verraten. Der amerikanische Mobilfunkanbieter Verizon plant seit geraumer Zeit, Yahoo für 4,8 Mrd. $ zu übernehmen. Offenbar soll der Hackerangriff auf Yahoo von 2014 sowie die Massenüberwachung durch FBI und NSA die Übernahme aber nicht gefährden, wie Verizon-CEO Lowell McAdam erklärt. Denkbar ist aber, dass aufgrund der Vorkommnisse Verizon versucht, den Übernahmepreis zu drücken. Einige Branchenbeobachter vermuten sogar, der Deal könnte nach dem Skandal ganz scheitern.

Dritter grosser Player hat noch Platz im Werbemarkt

«Das sind reine Spekulationen, wir sehen nach vie vor einen Wert in Yahoo», so McAdam an einer Medienkonferenz. Der Verizon-Chef hat bereits im vergangenen Jahr den amerikanischen Medienkonzern AOL aufgekauft. Sein Ziel: im Online-Werbemarkt Facebook und Google Konkurrenz zu machen. «Es hat durchaus Platz für einen dritten grossen Player im globalen Werbemarkt», so McAdam.

Seit Bekanntwerden des Hackerangriffs im August hat bei Yahoo ein Massenexodus begonnen, der sich seit dem Überwachungsskandal noch verschärft hat. US-Medien geben derzeit Tips, wie man am einfachsten seinen Yahoo-Account löscht und die eigenen Daten sicher zu einem anderen Anbieter bringt. Einfach macht Yahoo den Abtrünnigen das Löschen aber nicht. Seit wenigen Tagen hat Yahoo seine Weiterleitungsfunktion deaktiviert. Das heisst, wer einen Yahoo-Account löschen will, kann seine Mails nicht mehr an eine andere, sichere externe E-Mail-Adresse weiterleiten. Die persönlichen Daten wie Adressbücher und Mail-Ordner müssen manuell kopiert und beim neuen Anbieter eingefügt werden. Das Unternehmen versucht mit allen Mitteln, eine Massenabwanderung zu verhindern. Der Grund ist klar: Der Deal mit Verizon steht noch nicht. Sind die Nutzer einmal weg, kommen sie nicht mehr wieder. Der Börsenwert von Yahoo würde in den Keller fallen. Ohne Nutzer keine Werbekunden. Ein Unternehmen wie Yahoo ist für Werbekunden nur dann relevant, wenn genügend Nutzer da sind, die die Werbung auch sehen können. Solange aber Yahoo seine Nutzer nicht als Kunden, sondern lediglich als Produkte behandelt, mit denen sich Werbegelder erzielen lassen und deren Daten man sogar an Geheimdienste verkaufen kann, wird eine Massenabwanderung kaum zu stoppen sein.

Das Vertrauen der Nutzer ist das Kapital eines Internetunternehmens dieser Grössenordnung. Das Geschäftsmodell von Yahoo ist derzeit nicht Vertrauen, sondern Massenüberwachung. Yahoo wurde 1994 gegründet und ist ein Dinosaurier unter den Internetfirmen.

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