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MARKTMANIPULATION: Fake-News fluten Finanzmärkte

Falschnachrichten infiltrieren nicht nur das Nachrichtengeschäft, sondern auch den Börsenhandel. Das kann fatale Folgen haben. Es ist kein neues Phänomen, nimmt aber neue Dimensionen an.
Adrian Lobe
Ex-Aktienhändler und Wertpapierbetrüger Jordan Belfort hat Martin Scorsese zum Film «The Wolf of Wall Street» inspiriert. (Bild: Getty)

Ex-Aktienhändler und Wertpapierbetrüger Jordan Belfort hat Martin Scorsese zum Film «The Wolf of Wall Street» inspiriert. (Bild: Getty)

Adrian Lobe

Am 8. Januar 2012 erschien auf der Finanznachrichtenseite «Seeking Alpha» ein Artikel, worin eine neue Krebsbehandlungsmethode des Biotech-Unternehmens Immuno Cellular Therapeutics vorgestellt wurde. Der Text suggerierte, dass das Unternehmen ein Präparat entwickelt habe, das günstiger als die bereits zugelassenen Konkurrenzprodukte sei. Was der Leser dabei nicht erfuhr, war der Umstand, dass die Firma den Autor des Texts bezahlt hatte. In den folgenden Monaten legte der Aktienkurs kräftig zu, von 42,80 $ am Tag vor Publikation des Artikels auf ein Allzeithoch von 155,20 $ im Juni 2012. Ein Kurszuwachs von 263%. Kurz danach fiel der Aktienkurs ins Bodenlose. Content Marketing, bei dem Autoren für journalistische aufgemotzte Werbeartikel bezahlt werden, ist in der Branche nicht unüblich. Nach Auffassung von Medienethikern muss diese Finanzierung aber transparent gemacht werden, damit die Werbung auch als solche erkennbar ist. Vorliegend könnte der Artikel aber dazu beigetragen haben, ein Produkt zu hypen, das nicht hält, was es verspricht, und den Aktienkurs des Unternehmens zu hebeln. Die US-Börsenaufsicht ermittelt in dem Fall wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Moderne Version der Penny-Stocks

Fake-News machen nicht nur Internetkonzernen wie Facebook oder Google zu schaffen, sondern werden zunehmend auch zum Problem für die Finanzmärkte. Jim McCaughan, Vorstandschef bei Principal Global Investors, sagte kürzlich der Financial Times: «Es erinnert mich an einen Film, nämlich The Wolf of Wall Street, nur upgedatet für das Digitalzeitalter. Das ist eine abgefeimtere Online-Version der alten Penny-Stocks, wo nicht existente Unternehmen mit Fake-News-Storys vollliefen. Falschnachrichten sind auf den Finanzmärkten kein neuartiges Phänomen. Der wohl berühmteste Fall von Markmanipulation mittels falscher Informationen liegt gut 200 Jahre zurück.

Im Jahr 1814 verbreiteten ein gewisser Monsieur de Berenger und seine Komplizen als französische Offiziere verkleidet in England die Meldung, Napoleon sei im Krieg getötet worden, die Alliierten ständen kurz vor Paris. Der Wert englischer Staatsanleihen zog daraufhin stark an, da mit einem sofortigen Ende des Kriegs gerechnet wurde. De Berenger und seine Komplizen konnten ihre Wertpapierbestände mit grossen Gewinnen absetzen. Die Manipulation ging als der «grosse Börsenbetrug» in die Geschichte ein. Betrug ist mindestens so alt wie die Börse, wenn nicht gar älter.

Doch die Kursmanipulation durch Streuung von Gerüchten erreicht mit der Internettechnologie eine ganz neue Dimension. Am 25. August 2000 verschickte ein US-Student vom Rechner seiner Universität eine frei erfundene Pressemeldung, die angeblich vom US-Softwareunternehmen Emulex stammte und eine Gewinnwarnung sowie den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden zum Inhalt hatte, an den Nachrichtendienst «Internet Wire». Der 23-jährige Kalifornier hatte wie der mutmassliche BVB-Attentäter mit spekulativen Optionsgeschäften auf fallende Kurse gewettet und kannte die internen Abläufe der Redaktion. Die Nachricht vom vermeintlichen Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden lief über diverse Nachrichtenticker und verbreitete sich in Windeseile im Netz. Innerhalb von 15 Minuten brach der Aktienkurs von Emulex um 62% ein.

Am 23. April 2013 verbreitete die Nachrichtenagentur AP über Twitter eine Eilmeldung über eine angebliche Explosion im Weissen Haus. Die Meldung versetzte Internet und Börsen in helle Aufregung, der Dow Jones sackte binnen weniger Minuten um 145 Punkte ab. Bei dem Tweet handelte es sich um eine Falschmeldung. Unbekannte hatten das Twitter-Konto der AP gehackt und die fingierte Eilmeldung an über 1,9 Mio. Follower verbreitet. Der Account wurde daraufhin gesperrt. Zwar gab die Nachrichtenagentur Entwarnung, die Anleger waren dennoch verunsichert.

Glaubwürdigkeit und Geld geht verloren

Die AP hat bereits die Quartalszahlen von Netflix falsch ausgewiesen. Die Software hatte wohl falsche Daten verarbeitet. Vor dem Hintergrund, dass millionenfach automatisierte Finanzberichte generiert werden und Algorithmen Stimmungsanalysen durchführen, erscheint das Manipulationspotenzial gewaltig. Wenn Fake-News die Finanzmärkte fluten, entsteht nicht nur ein Glaubwürdigkeitsverlust, sondern auch enormer finanzieller Schaden.

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