Marktforschung über den Ozean

Die Sulzer Mixpac AG plant nächstes Jahr einen Relaunch ihres Marketings. Die Grundlage dafür lieferte die Arbeit eines Teams von Studierenden der Fachhochschule St. Gallen zusammen mit Studierenden aus den USA.

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Andrew Clare spricht mit Studierenden in der Produktionshalle in Haag. (Bild: fhs)

Andrew Clare spricht mit Studierenden in der Produktionshalle in Haag. (Bild: fhs)

Sulzer Mixpac ist ein Teil des Sulzer Konzerns. Das Unternehmen im Rheintaler Haag ist der führende Hersteller und Lieferant von kartuschenbasierten Misch-, Dosier-, und Austragssystemen für Mehrkomponenten-Dicht- und -Klebstoffe. Marketing-Chef Marc Haller hat selber an der Fachhochschule St. Gallen (FHS) studiert und kennt die Qualität der Praxisprojekte, die ein Unternehmen bei der FHS in Auftrag gibt. Auch Andrew Clare, Projektleiter bei Sulzer Mixpac, ist vom Nutzen überzeugt: «Die Studenten gingen an diese Marktforschung unvorbelastet heran und haben schnell ein Marktverständnis entwickelt.»

Produkte können zu viel

Die Studie untersuchte den Markt für Austragsgeräte für Zweikomponenten-Klebstoffe. Acht von elf Produkteeigenschaften wurden besser bewertet als bei Konkurrenzprodukten. Gleichzeitig bieten die Geräte aber eine Vielzahl von Eigenschaften, die über die Bedürfnisse der Kunden hinausgehen. Die Analyse der Studierenden hat so ermittelt, dass Sulzer Mixpac mit einer vereinfachten Variante Kosten senken kann.

Stereotype Stärken

Das Team setzte sich aus drei Studierenden der FHS zusammen, Marielle Straessle, Raphael Ammann und Lukas Schuler, sowie aus drei Studierenden vom Babson College in Boston in den USA. Zusätzlich zur Analyse der Kundenzufriedenheit erarbeiteten die Studierenden Empfehlungen für die Strategie, die Positionierung und das Marketing. Gerade im letzten Bereich zeigten sie Schwächen auf, die mit einem Marketing-Relaunch 2013 behoben werden, sagt Andrew Clare. Dieser Relaunch soll das Produkt auch bekannter machen – hier sahen die Studierenden eine zweite Schwäche.

Die interkulturelle Zusammenarbeit sei die grösste Herausforderung gewesen, meint Marielle Strässle – gleichzeitig aber auch der lehrreichste Aspekt. Dabei spricht sie nicht nur die Zusammenarbeit im Team an, sondern auch die Erhebung bei Mitarbeitenden, Verbrauchern und der Kundschaft in den USA und in europäischen Ländern. Für diese Interviews mussten die Zielgruppen unterschiedlich angesprochen werden. Dabei trugen die amerikanischen und die Schweizer Studierenden durchaus das zur Zusammenarbeit bei, was den Stereotypen entspreche, meint Claudia Custodia, FHS-Coach des Teams: Die amerikanischen Studierenden dächten in grossen Zusammenhängen, seien kreativ, hätten aber weniger Bodenhaftung als die Schweizer. Diese zeigten jedoch den typischen Fleiss und Kundenorientierung.

In über 1000 Arbeitsstunden sei die Nadel im Heuhaufen gefunden worden, meint Claudia Custodia. Die Empfehlungen überzeugten auch Sulzer Mixpac. Andrew Clare meinte, die genaue Umsetzung der Empfehlungen sei zwar nicht gegeben, «die Marktforschungsresultate sind jedoch ein Auftrag, um aus der Analyse Konsequenzen zu ziehen.» (fhs)