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MARKT: Wo Liechtenstein uns voraus ist

Während Schweizer Finanzinstitute aus den Negativschlagzeilen nicht herauskommen, hat sich Liechtenstein konsolidiert. Iwan Zimmermann sagt, was das Ländle besser macht.
Dominik Buholzer
Iwan Zimmermann, Wirtschaftsprüfer für die Schweiz und Liechtenstein: "In Liechtenstein komme ich viel schneller zum Ziel." (Bild: Nadia Schärli (Luzerner Zeitung))

Iwan Zimmermann, Wirtschaftsprüfer für die Schweiz und Liechtenstein: "In Liechtenstein komme ich viel schneller zum Ziel." (Bild: Nadia Schärli (Luzerner Zeitung))

Interview: Dominik Buholzer

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH hat ihre Prognosen jüngst nach unten korrigiert. Droht uns neues Ungemach?

Nein, die Gefahr besteht nicht. Die Wirtschaft ist sehr gut aufgestellt. Da verträgt es auch eine leichte Abkühlung. Die vor kurzem geschehene Entwicklung des Euro spielt uns da sicherlich noch ein wenig in die Hände.

Was hat sonst noch zur erfreulichen Entwicklung beigetragen?

Die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben ihre Abläufe gestrafft, zum Teil fuhren sie die Margen runter. Wer sein Umfeld beobachtete, wusste, dass die Nationalbank den Kurs von 1.20 Franken nicht ewig halten konnte. Für mich war nicht nachvollziehbar, dass viele Marktteilnehmer über den Entscheid der Nationalbank überrascht waren.

Die Schweizer Wirtschaft hat einen Wandel durchgemacht?

In manchen Branchen drängte er sich auf. So gesehen war der ­Frankenschock gar nicht so schlecht, auch wenn die Situation für zahlreiche exportorientierte Firmen noch immer nicht ideal ist. Liechtenstein hat den Wandel schon früh mit der konsequenten Weissgeldstrategie durchgemacht.

Sie sprechen Liechtenstein an, das jüngst in der Schweiz negativ in die Schlagzeilen geriet. Der «Blick» warf dem Ländle Schmarotzertum auf Kosten der Schweiz vor. Gleichwohl: Von Liechtenstein ist in Sachen unlautere Geschäftsmethoden von Finanzdienstleistern nicht mehr die Rede, wogegen die Schweizer Institute nicht aus den Schlagzeilen rauskommen. Was läuft bei uns schief?

Liechtenstein ist das Thema viel konsequenter angegangen als die Schweiz. So findet etwa die Umsetzung des automatischen Informationsaustausches Ende September statt, also ein Jahr früher als in der Schweiz. Wir dürfen uns aber nichts vormachen: Mit den Angriffen auf den Finanzplatz Liechtenstein hatten die USA und die EU stets auch die Schweiz im Visier. Liechtenstein diente dazu, den Druck auf den helvetischen Finanzplatz zu erhöhen.

Die Rechnung ging letzten Endes auf.

Stimmt. Aber im Gegensatz zu Liechtenstein sehe ich bei der Schweiz in Sachen Aufarbeitung noch gewisse Hausaufgaben.

Woran denken Sie?

In der Schweiz versucht man bereits wieder, die Zukunft stärker zu gewichten als die Versäum­nisse der Vergangenheit. Ich bin gegen zu viel beziehungsweise unnötige Regulierung, jedoch war der Druck vom Ausland offensichtlich zu gross.

Das Ländle ist uns diesbezüglich voraus?

Nicht nur in diesem Punkt. Es gibt überhaupt keinen Grund, den Liechtensteinern Vorwürfe zu machen, sie würden sich auf Kosten der Schweiz bereichern. Wenn ich eine eigene Firma gründen möchte, würde ich Liechtenstein als sehr gute Alternative zur Schweiz beurteilen. Ich komme dort viel schneller zum Ziel. Die Wege in der Verwaltung sind kurz und effizient. Weiter ist das Steuersystem viel benutzerfreundlicher.

Aber matchentscheidend ist der Industriesektor für das Ländle nicht.

Das ist ein Irrtum. Beide Sektoren sind sehr relevant. Der Werkplatz war und ist für das Fürstentum Liechtenstein ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als der Finanzsektor. Nicht umsonst haben grosse Firmen wie der Werkzeughersteller Hilti, der Steckersystemhersteller Neutrik, der Foodspezialist Herbert Ospelt oder die Wärmetechnologiefirma Hoval ihren Sitz dort.

Zum Schluss noch ein ganz anderes Thema: Weltweit gibt es Bestrebungen, Übernahmen von chinesischen Investoren zu unterbinden. Macht dies Sinn?

Wenn man für eine offene, globale Wirtschaft ist, machen solche Verbote ja eigentlich keinen Sinn. Die Frage ist nur, ob die chinesischen Investoren immer mit offenen Karten spielen oder ob letzten Endes dahinter nicht doch der chinesische Staat steht. Wenn der Verkäufer transparent weiss, wer hinter der chinesischen Gesellschaft steckt, kann dieser selbstständig entscheiden, ob er verkauft oder nicht.

Letzten Endes ist es aber oft auch eine Frage der Aktionäre. Sie müssen ja nicht zwingend einem Verkauf zustimmen, auch wenn das Angebot verlockend ist.

Das stimmt. Entscheidend ist, ob die Ankeraktionäre am Fortbestand der Firma, am kurzfristigen Profit durch einen Verkauf oder an einem ausländischen Investor – irrelevant, ob von China oder beispielsweise aus Europa – interessiert sind. Aber ich bin überzeugt, dass uns die chinesischen Investments noch lange beschäftigen beziehungsweise begleiten werden. Das Land verfügt über dermassen hohe Geldreserven: China wird im europäischen Raum weiterhin aktiv sein, ob wir wollen oder nicht.

Hinweis

Iwan Zimmermann ist diplomierter Wirtschaftsprüfer (CH/FL) und seit Anfang 2017 bei EY (Ernest & Young) zuständig für die Leitung Wirtschaftsprüfung Liechtenstein und Ostschweiz.

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