Marke «Interio» verschwindet: XXXLutz breitet sich nach Möbel-Pfister-Kauf weiter aus – die Österreicher kommen 

Die Migros verkauft sechs ihrer elf Interio-Filialen an den österreichischen Konzern XXXLutz. Unter dem Namen «Interio» wird kein Geschäft mehr weitergeführt. Die Gründe für die Übergabe liegen in der Misere des Schweizer Möbelmarktes. 

Leo Eiholzer
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In kürzester Zeit eroberte XXXLutz einen beträchtlichen Teil des Schweizer Marktes. Nun ergatterte der Konzern auch sechs Interio-Filialen.

In kürzester Zeit eroberte XXXLutz einen beträchtlichen Teil des Schweizer Marktes. Nun ergatterte der Konzern auch sechs Interio-Filialen.

Anja Suter/Interio/Montage CH Media

Das Schweizer Möbelgeschäft ist in den letzten zehn Jahren hart geworden – zu hart für die Migros und ihre Möbelkette Interio. Aber genau richtig für den österreichischen Konzern XXXLutz. Dieser übernimmt alle Deutschschweizer Interio-Filialen und macht sie zu Ablegern seiner Discount-Marke «Mömax». Das teilte die Migros am Freitag mit. Die Marke Interio verschwindet.

Es ist der zweite Akt einer aggressiven Expansionsstrategie der Österreicher, nachdem sie im Oktober das traditionsreiche Unternehmen Möbel Pfister gekauft hatten. In der Schweiz war XXXLutz bis dahin kaum bekannt. Doch global ist der Konzern eine Art Möbel-Supermacht. Der Konzern steht für aggressives Wachstum. 1977 hatte XXXLutz 50 Angestellte, heute sind es 22'000, die in 297 Filialen in 13 Ländern arbeiten. Nach Ikea ist die Gruppe der zweitgrösste Möbelhändler in Europa.

Die verbleibenden Schweizer Möbelketten müssen sich warm anziehen.

Die Kampfansage der Lutz-Gruppe

Bis vor kurzem liessen die Österreicher partout die Finger vom Schweizer Markt. Das erste Expansionsziel war Deutschland gewesen. 2007 erfolgte der Sprung nach Osteuropa. Seither ist der Konzern unter anderem in der Slowakei, Tschechien und Kroatien präsent. 2015 folgte Bulgarien und 2018 Rumänien. Erst seit eineinhalb Jahren hat XXXLutz die Schweiz im Visier und eroberte in der kurzen Zeit einen beträchtlichen Teil des Marktes.

Im April 2018 eröffneten die Österreicher ihre erste Schweizer Filiale in Rothrist. Diesen Oktober übernahmen sie Möbel Pfister und damit geschätzte fünfzehn Prozent des Schweizer Marktes. Nun kommen die Deutschschweizer Interio-Fililalen hinzu. Warum der plötzliche Entscheid, in der Schweiz anzugreifen? «Aktuell ist der Möbelmarkt in der Schweiz im Umbruch und bietet damit eine optimale Gelegenheit, Marktanteile zu übernehmen», sagt Meinrad Fleischmann, Expansionsverantwortlicher XXXLutz in der Schweiz.

Mit den Möbel-Pfister-Filialen kann XXXLutz das hochpreisige Segment bedienen. Die entstehenden Mömax-Filialen decken den Discount-Bereich ab. Und XXXLutz macht gleich eine Kampfansage: Dank Synergien und der Mitgliedschaft in einem Einkaufsverband habe Mömax bessere Margen und könne deshalb tiefere Preise bieten als die Konkurrenz. Für die Schweizer Möbelketten wird es also noch ungemütlicher. Das Verschwinden von Interio ist eine Folge des immer umkämpfteren Schweizer Möbelmarktes.

Die Umsätze sind in den letzten fünfzehn Jahren praktisch nicht mehr gewachsen, während Löhne und Mieten immer weiter stiegen. Die Gründe: Der Franken erstarkte und die Onlinehändler nahmen sich ein grosses Stück des Kuchens. Zudem entdeckten die Schweizer den Einkaufstourismus. In der Folge sanken die Preise für Möbel stark.

Sie sind heute rund 16 Prozent günstiger als vor zehn Jahren. Doch die Einkaufstouristen kamen nicht zurück. Die Migros hatte im Juni angekündigt, dass sie Interio verkaufen will. Nun ist aber explizit von einer «Übernahme» und nicht von einem «Verkauf» die Rede. «Wir übergeben quasi die laufenden Mietverträge Dritter an Lutz beziehungsweise vermieten jene Filialen, die im Besitz des Migros-Genossenschaftsbunds sind, neu an Lutz», sagt ein Migros-Sprecher.

In die Hände von XXXLutz gehen die folgenden Filialen über: Abtwil SG, Emmen LU, Dübendorf ZH, Pratteln BL, Schönbühl BE und Spreitenbach AG. Für die verbleibenden vier Standorte in der Westschweiz und eine Filiale im Tessin sucht die Migros Lösungen. Falls keine gefunden wird, werden sie geschlossen.

Zwei Drittel der Angestellten können bleiben

200 der 300 Interio-Angestellten erhalten laut Migros ein Vertragsangebot, bei gleichen Bedingungen bei Mömax weiterzuarbeiten. Der Rest werde innerhalb und ausserhalb der Migros-Gruppe weiterbeschäftigt. Die Migros gibt sich noch nicht geschlagen im Möbel-Markt. Sie schreibt, Interio habe die kritische Grösse nicht erreicht.

Man wolle deshalb auf Micasa setzen; die zweite Möbelmarke, die sich im Besitz des orangen Riesen befindet. Sie machte im Jahr 2017 rund 262 Millionen Franken Umsatz gegenüber den 162 Millionen von Interio. Bei beiden Migros-Möbelgeschäften ging der Umsatz zuletzt zurück. Interio verzeichnete bis 2017 innerhalb von drei Jahren einen Rückgang von 13 Prozent. Der Umsatz von XXXLutz beträgt 4,9 Milliarden Franken.