Marissa Mayer macht Yahoo sexy

Erst seit einem Jahr arbeitet Marissa Mayer bei Yahoo. Und schon kann die 38jährige Chefin erste Erfolge vorweisen. Im Juli hat der einstige Suchmaschinen-Pionier bei den Nutzerzahlen im US-Heimmarkt erstmals Rivale Google überholt.

John Dyer
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Marissa Mayer und ihr Auftritt in der «Vogue». (Bild: screenshot)

Marissa Mayer und ihr Auftritt in der «Vogue». (Bild: screenshot)

BOSTON. Verführerisch räkelt sich Marissa Mayer auf einer Liege. Das Modemagazin «Vogue» bebildert damit ein Interview, in dem die 38-Jährige bereitwillig Auskunft gibt über ihr Privatleben – und natürlich über Yahoo. «Eines Abend habe ich aufgeschaut und mir gesagt: <Mein Gott, es ist ja schon Mitternacht, und ich habe zu Hause einen Ehemann und bin im achten Monat schwanger! Ich muss gehen>», erzählt Mayer, seit einem Jahr Chefin des einstigen Suchmaschinen-Pioniers.

Yahoo überholt Google

Die fotogene Topmanagerin machte damit nicht alle Leser glücklich. «Schäm Dich, Marissa Mayer», schrieb etwa eine Facebook-Nutzerin in der öffentlichen Diskussion. «Wir kämpfen so hart, um als das angesehen zu werden, was wir sind, und nicht nur als schöne Körper.»

Aber die Bilder wirken. Mayer hat Yahoo wieder sexy gemacht, nachdem viele Beobachter den einstigen Pionier schon auf der Abfallhalde der Internetgeschichte sahen. «Solche Dinge zählen», sagt Andrew Lipsman, Analyst beim Internetbeobachter ComScore: «Wenn ein Unternehmen wieder Interesse wecken kann, dann ist das hilfreich für seinen wirtschaftlichen Erfolg.»

Und der stellt sich inzwischen ein. Im vergangenen Monat Juli kamen in den USA laut ComScore 196 Millionen Nutzer auf die Seite des Suchmaschinenanbieters. Damit hat Yahoo seinen Erzrivalen Google überholt, der «nur» auf 192 Millionen Nutzer kam. Mayer kann damit einen ersten Erfolg über Google feiern, ihren früheren Arbeitgeber.

Marissa Mayer mistet aus

Doch wenn Mayer Yahoo wieder zur Nummer eins machen will, hat sie noch einen weiten Weg vor sich. Google ist weltweit noch immer die beliebteste Suchmaschine. Ausserdem zeigen noch nicht alle Teile Yahoos diese Stärke: Das soziale Netzwerk Tumblr, von Yahoo im vergangenen Jahr für 1 Mrd. $ gekauft, erreicht in der Rangliste der meistbesuchten Seiten in den USA lediglich Platz 30.

Aber Mayer greift durch. Sie hat vergangenen Monat Altavista geschlossen, einst eine der ersten weltweit populären Suchmaschinen, aber ein Verlustbringer im Yahoo-Imperium. Dafür hat sie andere Internetfirmen erworben, die sie nun zum Erfolg bringen muss.

In einem Konferenzgespräch mit Analysten hat Mayer erklärt, worauf es ihrer Meinung nach ankommt: «Stelle ein grossartiges Team ein und halte an ihm fest; biete inspirierende Produkte, welche die Nutzer anziehen; mit den steigenden Nutzerzahlen wächst das Interesse der Werber, und das führt schliesslich zu Einnahmen.»

Doch da liegen noch immer die Probleme. Die Einnahmen sind im 2. Quartal 2013 um 1% auf 1,07 Mrd. $ gesunken. Immerhin ist dieser Rückgang deutlich kleiner als in vorhergehenden Jahren. Zu den offenen Flanken Yahoos gehört gerade auch das mobile Internet, in den Augen vieler Beobachter die Zukunft der Branche. Die Konkurrenten Apple, Facebook und Google investieren kräftig in die Telekommunikation; Yahoo hängt da zurück. Mayer versucht, Optimismus zu verbreiten. Yahoo arbeite daran, sagte sie im Interview mit der «Vogue».

Bedenken hier, Jubel da

Nicht alle Analysten teilen diesen Optimismus. Mayer arbeite hart, aber ihre Herausforderung sei riesig, sagt etwa Ben Schachter von Macquarie Securities: «Wir sind besorgt, dass die Bewegung der Branche hin zum mobilen Internet Yahoos Potenzial zu einer gründlichen Erneuerung bremsen könnte.» Die Anleger freilich vertrauen Mayer bisher. Der Kurs der Yahoo hat sich innert Jahresfrist auf 28 $ fast verdoppelt – nicht nur dank der «Vogue»-Bilder.