Mao lächelt am Finanzmarkt

Der Internationale Währungsfonds erkennt den Yuan als Reservewährung an. Das ist ein Schritt hin zu globaler Bedeutung und Zeichen für die aufstrebende Wirtschaftskraft Chinas.

Finn Mayer-Kuckuk
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PEKING. Noch vor zehn Jahren war chinesisches Geld weltweit kaum gefragt. Kein Wunder. Der Yuan war eine kommunistische Währung: nicht handelbar, überreguliert, billig. Die «Volkswährungseinheit», so ihr offizieller Name, stand ungefähr auf einer Stufe mit dem russischen Rubel. Seitdem hat Chinas Währung in erstaunlich kurzer Zeit Weltgeltung erlangt. Möglich war das durch den Aufstieg der chinesischen Volkswirtschaft zur weltweiten Nummer zwei – kombiniert mit geschickter Devisen-Diplomatie. Die internationale Gemeinschaft hat dem Yuan nun ein weiteres Adelsprädikat verliehen: Er gehört neben Dollar, Euro, Britischem Pfund und japanischem Yen ab Oktober 2016 zu den offiziell anerkannten Reservewährungen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Unter den wichtigsten fünf

Das ehemalige Aussenseitergeld steht damit unter den fünf wichtigsten Devisen. «Die Welt akzeptiert den Yuan als frei verwendbare Währung, das hat gewaltige symbolische Bedeutung», sagt Xu Hongcai, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsforschung am China Center for International Economic Exchanges (CCIEE) in Peking. Damit fängt die Yuan-Story jedoch erst richtig an. «Wir bleiben hier nicht stehen, der Yuan wird weltweit noch deutlich mehr Beachtung finden.» China hat mit der Aufnahme unter die IWF-Währungen jedoch bereits ein beachtliches Kunststück vollbracht. Obwohl der Yuan noch nicht frei handelbar ist, gilt er als «frei verwendbar». Der Unterschied ist immer noch erheblich: Andere Devisen wie Dollar, Euro, Pfund oder Franken sind in ein globales System eingebunden, in dem sie rund um die Uhr gegeneinander tauschbar sind. Angebot und Nachfrage bestimmen die Kurse. Den Wert des Yuan setzt dagegen die Zentralbank in Peking täglich nach eigenem Ermessen fest – wenn auch in Abhängigkeit von Marktimpulsen.

Restriktiv beim Zugang

Auch Chinas Kapitalmarkt ist noch streng reguliert. Das bedeutet: Internationale Investoren können nicht einfach Geld an die Börse Shanghai werfen oder abziehen. Das gleiche gilt für den Kauf von Immobilien oder Anleihen. China zögert aus gutem Grund, die Tore zu öffnen. Die Finanzmärkte verhalten sich oft irrational und zuweilen böswillig, wie die Staaten Südostasiens 1997 gemerkt haben. Schwellenländer wie Thailand waren damals mit Geld internationaler Grossinvestoren überschwemmt worden – bis die Anleger ihre Mittel plötzlich wieder abzogen und einen Scherbenhaufen hinterliessen. China behält daher lieber die Kontrolle über Finanzflüsse.

Peking hat stattdessen ein weltweites Gefüge geschaffen, in dem der Yuan alle denkbaren Erfordernisse der Realwirtschaft bedienen kann. Es lassen sich problemlos über Grenzen hinweg Rechnungen in Yuan ausstellen und bezahlen. Wenn also ein deutsches Handelshaus bei einem Zulieferer in China eine Million WLAN-Router bestellt, kann es direkt in Yuan bezahlen. Auf diese Weise hat die chinesische Währung bereits den japanischen Yen als viertgrösste Handelswährung der Welt abgelöst. Auch Kontoführung oder die Aufnahme von Krediten ist bereits weltweit in Yuan möglich. «Es kommen laufend neue Kanäle und Anwendungsmöglichkeiten dazu», sagt Ökonom Qu Hongbin von dem Bankhaus HSBC. All das folgt einem Langfristplan der chinesischen Regierung. Der kommunistischen Führung ist klar: Der Aufstieg Chinas zur Grossmacht bis etwa 2050 wird nicht ohne starken Einfluss auf das Finanzsystem klappen. Gutes Geld ist die Grundlage für internationales Vertrauen ebenso wie für gute Geschäfte.

Als Fernziel den Dollar im Auge

Ökonomen fassen nun bereits die nächsten Schritte ins Auge: die echte Marktfreigabe – und als Fernziel die Ablösung des Dollar als weltweite Leitwährung. Die Grossbank HSBC schätzt, dass China seine Währung in zwei Jahren voll handelbar macht. In vier Jahren könnte das Land bereits die Hälfte seines Güterhandels in der eigenen Währung abwickeln. Bisher diente der Dollar hier als Leitwährung – in der neuen Weltordnung verliert er diesem Szenario zufolge massiv an Bedeutung.

China ist weit gekommen seit den Zeiten des Machthabers Mao Zedong, der auch heute noch auf allen grösseren Geldscheinen des Landes abgebildet ist. Mao selbst hat von sich fast mit Stolz gesagt, nichts von Währungspolitik zu verstehen: Geld sei nur als Tauschmittel für Waren zu verstehen. Seine Nachfolger haben dagegen erkannt, dass Geld auch Macht ist – und wissen diese Erkenntnis wirksam einzusetzen.

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