«Mannschaft braucht neuen Wind»

In Sotschi gewann er als Trainer der Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft olympisches Edelmetall. Am Sonntagabend landete René Kammerer in der Schweiz, am Montagmorgen war er wieder an der Arbeit – als Produktionsleiter bei der DGS Druckgusssysteme in St. Gallen.

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René Kammerer Produktionsleiter DGS und Eishockeytrainer (Bild: ky)

René Kammerer Produktionsleiter DGS und Eishockeytrainer (Bild: ky)

In Sotschi gewann er als Trainer der Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft olympisches Edelmetall. Am Sonntagabend landete René Kammerer in der Schweiz, am Montagmorgen war er wieder an der Arbeit – als Produktionsleiter bei der DGS Druckgusssysteme in St. Gallen.

Herr Kammerer, wie wurden Sie nach Ihrer Rückkehr am Arbeitsplatz empfangen?

Die Kollegen haben ein Plakat aufgehängt, und mir gratuliert, das war schön. Aber der Alltag holt einen schnell wieder ein.

Sie treten als Trainer des Nationalteams zurück. Haben Sie bei der DGS zu viel zu tun?

Es lässt sich schwer vereinbaren. Ich habe hier seit eineinhalb Jahren eine Kaderposition. Für die Mannschaft wende ich rund 60 Tage auf, meist Ferien oder kompensierte Überzeit. Die Firma kam mir oft entgegen, so dass ich doch noch einige Tage mit der Familie habe. Andererseits braucht die Mannschaft nach zehn Jahren auch mal neuen Wind.

Sind Sie im Beruf manchmal so etwas wie ein Trainer?

Als Trainer wie als Produktionsleiter muss ich langfristig planen, aber auch kurzfristig entscheiden. Hier wie da geht es um die Führung von Menschen. Hier sind es 42 Arbeiter, im Team sind es 21 Spielerinnen und der Staff. Beim Sport wie im Betrieb geht es zudem um Stressresistenz: Wenn die Wellen hochgehen, wenn es knallt, braucht es eine Person, an der man sich orientieren kann. Wichtig scheint mir auch die Integration. Einer muss entscheiden, muss aber die Meinungen von anderen anhören.

Was ist anders?

Die Motivation ist eine andere. Die Spielerinnen sind von innen heraus motiviert. Die Mitarbeitenden bei der DGS arbeiten für einen Lohn, aber auch hier braucht es innere Motivation, ein gutes Arbeitsklima, die Mitarbeiter wollen ernstgenommen werden.

Glauben Sie, dass die Bronzemedaille dem Frauen-Eishockey in der Schweiz einen Schub gibt?

Ich hoffe es, aber ich bin skeptisch. Damit der Schub stattfindet, braucht es Geld, an der Basis, beim Nachwuchs. Die grossen Clubs müssten mitmachen. Aber bis jetzt haben erst Lugano und der ZSC überhaupt eine Frauenabteilung.

Wie schätzen Sie die Zukunft des Nationalteams ein?

Die Basis ist da, unsere Ausgangslage für die nächsten Turniere ist gut. Aber dafür muss man auch etwas tun. Es ist in der Wirtschaft auch so: Auch wenn man ein gutes Produkt hat, kann man sich nicht darauf ausruhen – Sie müssen immer innovativ bleiben. (ken)

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