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Manipuliertes Gezwitscher

Twitters Timeline soll künftig algorithmisch und nicht mehr chronologisch sortiert werden. Dabei geht es nicht um Nutzerfreundlichkeit, sondern um Verhaltenstracking.
Adrian Lobe
Twitter stellt sein System um, was zur Folge hat, dass eine Gewichtung der Nachrichten entsprechend dem Nutzerinteresse vorgenommen wird. (Bild: ap/Richard Drew)

Twitter stellt sein System um, was zur Folge hat, dass eine Gewichtung der Nachrichten entsprechend dem Nutzerinteresse vorgenommen wird. (Bild: ap/Richard Drew)

SAN FRANCISCO. Wenn man auf Twitter nach Trending Topics (wichtigste Themen des Tages) suchte, war es bisher so, dass man die Ergebnisse chronologisch angezeigt bekam. Für diese Echtzeitfunktion war Twitter beliebt, und dafür rühmte sich das Unternehmen. «Wir sind auf das fokussiert, was Twitter am besten kann: live», beschrieb Twitter-Chef Jack Dorsey kürzlich die Priorität. Doch das könnte künftig vorbei sein. Twitter kündigte unlängst an, seine Timeline nicht mehr chronologisch, sondern algorithmisch zu sortieren. Das könnte den Nachrichtenstrom durcheinanderwirbeln.

Neue Prioritäten

Dorsey setzt unter dem Druck stagnierender Nutzerzahlen neue Prioritäten. Die Community sieht das kritisch. Unter dem Hashtag #RIPTwitter protestierten zahlreiche Nutzer gegen eine solche Überarbeitung des Dienstes. Diese neue Darstellung, befürchten Kritiker, könnte dazu führen, dass Twitter ähnlich wie bei Facebook manipuliert werden könne. Facebook hatte in einem riesigen sozialen Experiment 2014 den Newsfeed von 700 000 Nutzern manipuliert.

Die Auswahl der Trending Topics bei Twitter war bisher einigermassen intransparent. Die Soziologin Zeynep Tufekci wies bei den Unruhen in Ferguson darauf hin, dass in ihrem Twitter-Account zwar massenhaft Tweets über die Proteste in der US-Stadt aufpoppten, #Ferguson jedoch nicht in «Twitter Trend» erschien. Das Thema war offensichtlich nicht trendig genug. Immerhin war das Thema aber noch präsent im Gegensatz zu Facebook, das trotz diverser Likes von Nachrichtenseiten Videos und Einladungen zur «Ice Bucket Challenge» anzeigte.

Trends wurden bei Twitter bisher von einem Algorithmus ermittelt und persönlich auf den Nutzer zugeschnitten, basierend darauf, wem er folgte und wo sein Standort war. Wenn Algorithmen nun bestimmte Tweets bevorzugen und nach Präferenzen auf der Timeline arrangieren, könnte sich der Effekt der Filterblase verstärken. Das Problem ist, dass Algorithmen wie geistiges Eigentum behandelt werden, das heisst keiner öffentlichen Überprüfbarkeit unterzogen werden können, obwohl sie Nachrichten selektieren und damit eine für die Öffentlichkeit wichtige Aufgabe erfüllen. Die algorithmische Priorisierung ist schwerer nachzuvollziehen als eine chronologische Sortierung.

Mehr über Nutzer erfahren

Der Schritt zu einer algorithmischen Präsentation der Inhalte ist im wesentlichen die Umwandlung einer strukturierten Sendeplattform in ein Ökosystem, bei dem Twitter bestimmt, was relevant ist. Twitter geht es darum, mehr über Nutzer zu erfahren. «Es ist eine komplette Rückkopplungsschleife, eine Datensandkiste, in der der Nutzer nicht der Skulpturbildner ist, sondern der Sand», schrieb Vijith Assar auf dem Technikblog «Motherboard». Der Nutzer wird vom Architekt zum Rohstofflieferant, er soll die Aktualität nicht mehr formen, sondern das Datenmaterial liefern, das Twitter zu einem Bild fügt. Interessant ist, dass Facebook gerade den umgekehrten Weg geht. Facebook pusht seit neuestem diese Videos, damit sie im Newsfeed nicht untergehen, und rückt damit von seiner strengen Hierarchisierung von Relevanz über Aktualität ab.

Twitter hat letzten Oktober eine Funktion eingeführt, bei der Nutzer Umfragen erstellen können. Aus diesen Umfragen kann Twitter wertvollere Erkenntnisse gewinnen als aus Textanalysen. Wer angibt, dass er gerne Cola trinke, hat eine deutlich höhere Präferenz als jemand, der nur den Namen des Softdrinkherstellers twittert. Twitter betonte in einer Erklärung, die Umfrageergebnisse nicht mit Anzeigenkunden zu teilen, doch könnten sie zu statistischen Zwecken genutzt werden.

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