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Interview

Manipulationsschutz - wie mehr Ordnung ins Internet kommen soll

Friedrich Kisters verwendet Blockchain-Technologien, um die Daten von Firmen sicherer zu machen. Wie KMU die Blockchain-Technologie nutzen können, hat Friedrich Kisters, Gründer der Human Bios International AG, am Thurgauer Technologietag skizziert.
Martin Sinzig
Der Datenfluss in der Informationstechnik erfolgt weitverzweigt. (Bild: Michel Canonica)

Der Datenfluss in der Informationstechnik erfolgt weitverzweigt. (Bild: Michel Canonica)

Friedrich Kisters (52) ist in Kreuzlingen aufgewachsen und hat an der Universität Zürich Kunstgeschichte studiert. Seit etwa zehn Jahren forscht und entwickelt er im Bereich des physischen und digitalen Fälschungs- und Manipulationsschutzes.

Sie beschäftigen sich seit 1997 mit Fälschungssicherheit, warum?

Friedrich Kisters: Ich setze mich dafür ein, dass der Mensch einen Nutzen von der Technik hat, dass Ordnung in den vielfach ordnungsfreien Raum des Internets kommt. Eine positive Wirkung haben vor allem manipulationssichere Daten, darum entwickeln wir Methoden zum fälschungssicheren Speichern digitaler Daten mit Hilfe der Blockchain.

Erklären Sie, wie Blockchain-Technologie funktioniert.

Daniel Risch, Wirtschaftsminister des Fürstentums Liechtenstein, hat es anschaulich beschrieben. Wenn eine betagte Grossmutter ihren Willen kundtun will, braucht sie nicht unbedingt einen Notar. Sie kann auch alle ihre Enkel, Kinder, Geschwister und Freunde zusammenrufen und ihre Absichten erklären. So hat sie viele Zeugen, die dafür sorgen, dass ihr Wille respektiert wird, auch wenn eine Minderheit etwas anderes will. Die Blockchain funktioniert ähnlich.

Erläutern Sie dies bitte.

Datenbanken müssen zwar durch Passwörter geschützt werden, aber eine absolute Sicherheit gibt es nicht, denn Passwörter können ausgespäht werden. Im Gegensatz dazu setzt die Blockchain Zeitstempel und Prüfnummern ein. Je mehr Menschen oder Teilnehmer an einer Blockchain beteiligt sind, desto sicherer werden damit die Daten. Erinnern wir uns an den Fall der Grossmutter: Sie hat in einer privaten Blockchain alle Verwandten und Vertrauten einbezogen, um ihren Willen kundzutun. In einer öffentlichen Blockchain wären es noch mehr Menschen, zum Beispiel alle Einwohner aus dem Dorf.

Wie können KMU diese Möglichkeiten nutzen?

Friedrich Kisters. (Bild: PD)

Friedrich Kisters. (Bild: PD)

Die Blockchain-Technik ist sehr aufwendig. Um in einem Betrieb die Blockchain einzuführen, braucht es teure Spezialisten, die ohne weiteres ein oder mehrere Jahre arbeiten müssen, um die bestehenden Prozesse anzupassen und einzubinden. Das ist alles andere als KMU-tauglich. Darum haben wir einen anderen Weg gesucht und gefunden.

Wie sieht diese Lösung aus?

Das KMU benutzt ein Werkzeug, das Daten und Prozesse, also Inhalte, mit einer Prüfnummer versieht. Die Originaldaten verbleiben immer beim KMU. Nur die Prüfnummer wird an uns geschickt. Wir publizieren sie in der Blockchain, sodass ein unfälschbarer Zeitstempel entsteht. Dann senden wir dem KMU ein Zertifikat pro Datensatz, womit jederzeit bewiesen werden kann, dass diese Daten unverändert sind. So können KMU ihre Originaldaten prüfbar machen und bestehende Prozesse schützen, ohne diese anzupassen.

Wofür sind diese Blockchain-gestützten Dienste einsetzbar?

Wir haben zunächst ein Instrument für Copyright-Anwendungen entwickelt, mit dem dazugehörigen Smartphone App «OriginStamp». Es gibt zahlreiche Einsatzmöglichkeiten: Handwerker können die korrekte Ausführung ihrer Arbeiten belegen und Schäden und Unfälle dokumentieren, Krankenschwestern sich präventiv vor falschen Vorwürfen schützen oder Mieter und Vermieter Wohnungsübergaben manipulationssicher dokumentieren. Generell lassen sich Haftungsstreitigkeiten vermeiden, denn die Praxis zeigt, dass niemand einen Blockchain-gesicherten Zeitstempel bezweifelt.

Wie sehen Anwendungsmöglichkeiten in Betrieben aus?

Wir bieten ein «Schweizer Sackmesser» für die Absicherung von Prozessen. In KMU können zum Beispiel Servicearbeiten manipulationssicher protokolliert, Prozesse dokumentiert oder Verwaltungsratsprotokolle beweisbar abgelegt werden. Auch für die Supply-Chain eignen sich Blockchain-Anwendungen, wenn es darum geht, Prozesse sicher abzubilden und die Rückverfolgbarkeit zu garantieren. Solche Lösungen können mit überschaubarem Aufwand eingerichtet werden. Vor allem können sich KMU damit ihrem eigentlichen Kerngeschäft widmen, ohne teure Informatik-Lösungen zu suchen und alle bestehenden Prozesse über den Haufen zu werfen.

Wo steht Ihr Unternehmen, die Human Bios International AG, heute?

Wir haben die letzten zehn Jahre an der physischen Fälschungssicherheit gearbeitet und seit vier Jahren in Blockchain-Technologien investiert. Heute sind wir soweit, dass wir KMU ermöglichen können, jederzeit Datenmanipulationen zu erkennen. Der digitale Teil der Fälschungssicherheit ist also fertig, jetzt folgt der physische. Durch den Zugewinn an Transparenz und Vertrauen lassen sich Einsparungen und Effizienzsteigerungen umsetzen. Es lohnt sich also. So wird die Blockchain-Technologie im 2019 nicht mehr nur Grossunternehmen helfen, sondern auch jedem KMU.

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