Kommentar
Fachkräftemangel als Chance

Wirtschaftsredaktor Daniel Zulauf über den Fachkräftemangel im Schweizer Arbeitsmarkt.

Daniel Zulauf
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Noch ist der Fachkräftemangel in der Schweiz kein generelles Phänomen. Er ist eher eine Randerscheinung, wenn auch mit markanten Zügen in gewissen Branchen. Doch wir sollten uns keine Illusionen machen: Wenn die letzten Vertreter der kinderreichen Generationen in Rente gehen, werden viele Personalchefs auf der Suche nach Spezialisten zunächst einmal ins Schwitzen kommen.

Der neue Fachkräftemangel-Index, den der Personalvermittler Adecco in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich gestern lanciert hat, ist ein willkommenes Instrument, um diese Entwicklungen systematisch zu erfassen, damit Wirtschaft und Politik gegebenenfalls reagieren können.

Ein Grund zur Panik ist ein Fachkräftemangel aber auf keinen Fall. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Schweizer Volkswirtschaft ist breit diversifiziert. Es prosperieren hier zahlreiche Branchen, in denen es Platz für alle Arten von Talenten gibt. Dass es in einer Wirtschaft mit einem derart hohen Bedarf nach unterschiedlich ausgerichteten Fachleuten zu Knappheitserscheinungen kommen kann, ist nur normal.

So gesehen könnten wir den Fachkräftemangel-Index auch als Chance sehen: Wir sind die Fachkräfte und uns braucht es überall. Ein solcher Titel würde dem Job-Barometer vielleicht zu einer noch grösseren Beachtung verhelfen, denn angesprochen dürften sich alle fühlen, nicht nur die Ingenieure, Techniker, Ärzte und Treuhänder, an denen zurzeit besonders grosser Mangel herrscht.