Managerlöhne

Managerlöhne steigen weiter an – vor allem für die Chefs der Mittelständler

Severin Schwan & Co. bleiben die Topverdiener. Doch die Chefs der mittelgrossen Firmen holen auf.

Daniel Zulauf und Andreas Möckli
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Seit der Annahme der Minder-Initiative können die Aktionäre jährlich über die Managerlöhne abstimmen.Anthony Anex/Keystone

Seit der Annahme der Minder-Initiative können die Aktionäre jährlich über die Managerlöhne abstimmen.Anthony Anex/Keystone

KEYSTONE

Seit dem Volks-Ja zur Minder-Initiative müssen sich die Aktionäre der Schweizer Publikumsgesellschaften jedes Jahr von neuem entscheiden, wie viel die Chefs ihrer Unternehmen wirklich kosten dürfen. Astronomische Bezüge wie jene des früheren Novartis-Chefs Daniel Vasella hat man seit Minder nicht mehr gesehen. Doch davon abgesehen, hat sich das Bild mindestens optisch nicht grundlegend verändert. Nach der ersten Welle von Jahresabschlüssen lässt sich feststellen: Für die Topmanager geht es lohmässig weiter sportlich aufwärts. Dies in einem Jahr, in dem die breite Masse der Arbeitnehmer nur auf minimale Gehaltsaufbesserungen hoffen kann.

UBS-Chef Sergio Ermotti trug 2017 dennoch 14,2 Millionen Franken nach Hause. Das sind immerhin 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr, während das Heer der Schweizer Bankangestellten heuer mit weniger als 1 Prozent vorliebnehmen muss. Trotzdem ist Ermotti nicht wirklich vorangekommen. Sein Gehalt ist wieder da, wo es schon 2015 gewesen war – in seinem bislang erfolgreichsten Jahr. Der UBS-Chef ist kein Einzelfall. Die Spitzenlöhne in den nach Börsenwert 20 wertvollsten Firmen des Landes entwickeln sich bei weitem nicht mehr so spektakulär wie in früheren Jahren.

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer musste sich 2017 mit 9,3 Millionen Franken zufriedengeben, gerade mal 100 000 Franken mehr als 2016, obschon seine Aktionäre in der gleichen Zeit einen Kursgewinn von 20 Prozent einstreichen konnten. Der zurückgetretene Novartis-Chef Joseph Jimenez konnte in seinem letzten Jahr zwar noch einmal 10 Prozent auf 13,1 Millionen Franken nachlegen. Aber sein Nachfolger Vasant Narasimhan dürfte heuer deutlich weniger als 10 Millionen Franken erhalten.

Steiler aufwärts geht es mit den Cheflöhnen im Schweizer Mittelstand. Bei Yves Serra, dem langjährigen Chef des Industriekonzerns Georg Fischer, steckten 2017 knapp 3,5 Millionen Franken in der Lohntüte – rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die mittelgrossen Unternehmen haben in puncto Managerlöhne gegenüber den 20 wertvollsten Firmen an der Schweizer Börse aufgeholt, sagt Alexander Wagner, Finanzprofessor an der Universität Zürich.

Mehr Lohn in Form von Aktien

Der Shareholder-Value-Spezialist hilft dem Beratungsunternehmen PwC bei dessen jährlicher Untersuchung über die Entwicklung der Managergehälter in der Schweiz. Der jüngste Bericht, der im November erschienen ist, zeigt: Von den 100 untersuchten Firmen ist der Mittelwert (Median) eines Chefgehalts der 30 Gesellschaften aus dem Mittelstand (21 bis 50) im Zeitraum von 2009 bis 2016 um zwei Drittel auf 3,6 Millionen Franken hochgeschnellt. Der Median-Lohn für die Chefs der 20 SMI-Firmen ist in der gleichen Zeit um knapp 40 Prozent gestiegen. Deutlich zurück blieben die Chefs der sogenannten Small-Cap-Firmen (51 bis 100). Der Median-Lohn dieser Kategorie ist in der achtjährigen Beobachtungsperiode lediglich um 17 Prozent gestiegen.

Für diesen Trend gibt es selbstredend viele Gründe. Einer davon ist, dass auch die mittelständischen Firmen ihre Chefs mehr mit Aktien bezahlen. In der Tendenz beobachte er diese Entwicklung auch, sagt Vincent Kaufmann, Direktor des Genfer Stimmrechtsberaters Ethos. Wie die grossen Konzerne würden auch mittelgrosse Firmen vermehrt dazu übergehen, leistungsabhängige Aktienpläne aufzulegen. Diese würden zusätzlich zum Grundsalär und den Boni gewährt. Kaufmann ist jedoch der Meinung, dass diese Aktienpläne einen Teil der Boni ersetzen sollten, anstatt diese zusätzlich zuzuteilen. Durch die zusätzlichen leistungsabhängigen Aktienpläne steigt die Gesamtvergütung tendenziell an, sagt Kaufmann. «Wir haben in vielen Fällen Diskussionen mit den Firmen zu diesem Thema.»

Roche-Chef Schwan ist Spitzenverdiener

Wer der bestbezahlte Topmanager der Schweiz ist, erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Dies hat damit zu tun, wie die Firmen die Aktienpakete bewerten, die sie ihren obersten Chefs zuteilen. So weist Roche für Konzernchef Severin Schwan eine Vergütung in der Höhe von 11,7 Millionen Franken aus. Dabei wird jedoch der aktienbasierte Teil des Salärs mit einem reduzierten Verkehrswert von knapp 56 Prozent ausgewiesen. Werden die zugeteilten Aktien zum Marktwert berechnet, erhöht sich der Lohn von Schwan von 11,7 auf 15,1 Millionen Franken. Bei Präsident Christoph Franz werden 5,7 Millionen Franken ausgewiesen, zu Marktwerten berechnet, beträgt die Summe 6,2 Millionen.

Vergleicht man die Löhne der Topmanager nach Marktwerten, so ist Schwan der am höchsten bezahlte Firmenchef in der Schweiz. Hinter ihm folgt UBS-Chef Sergio Ermotti, der für 2017 rund 14,2 Millionen Franken erhielt.

Die Berechnungsmethode führte an der gestrigen Generalversammlung von Roche zu Kritik. Veronika Hendry, Präsidentin der Aktionärsvereinigung Actares, bemängelt die Angaben des Pharmakonzerns als verwirrend. Die Vergütung von Franz bezeichnete Hendry als exorbitant. Sie sei rund einen Drittel höher im Vergleich zum Durchschnitt aller Firmen, die im Börsenbarometer Swiss Market Index zusammengefasst seien.

Franz wehrte sich gegen die Kritik. Die Tatsache, dass Roche die Vergütung nicht zum Marktwert ausweise, habe mit der einzigartig langen Sperrung der zugeteilten Aktien von zehn Jahren zu tun. Dies gebe es nach Aussage von Profis weltweit so nirgends. Zur Höhe seiner Vergütung wolle er sich nicht vertieft äussern. Sie ergebe sich vor allem daraus, dass er vollamtlich als Verwaltungsratspräsident von Roche tätig sei.

Trotz der Kritik wurden sämtliche Traktanden zur Vergütung mit über 99 Prozent der Stimmen gutgeheissen. Das hat auch damit zu tun, dass die Hälfte aller stimmberechtigten Aktien im Besitz der Roche-Erbenfamilien Oeri und Hoffmann sind. Andreas Möckli