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Albert Baumann tritt als Chef der Micarna zurück – der Fleischverarbeiter der Migros sucht nach 16 Jahren einen neuen Chef oder eine neue Chefin

Bei der Micarna steht ein Sesselwechsel bevor. Der langjährige Geschäftsleiter Albert Baumann nimmt Ende 2021 seinen Abschied. Er hat sich um das Unternehmen und die Fleischbranche in mancher Hinsicht verdient gemacht. Der neue Geflügelschlachthof der Micarna kommt aber anders als ursprünglich geplant nicht in der Ostschweiz zu stehen.

Thomas Griesser Kym
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Fleischverarbeitung bei der Micarna in Bazenheid.

Fleischverarbeitung bei der Micarna in Bazenheid.

Bild: Mareycke Frehner

«Eine Ära geht zu Ende.» Das schreibt die Micarna mit Werken in Bazenheid und im freiburgischen Courtepin in einer Mitteilung. Doch noch ist es nicht so weit. Es wird Ende 2021, dann tritt Albert Baumann als Chef des Fleischverarbeiters der Migros zurück.

Zeit genug also, die Nachfolge zu regeln. Dieser Prozess wird laut Micarna umgehend lanciert. Im Sommer 2021 soll feststehen, wer neuer Chef oder neue Chefin wird.

37 Jahre bei der Micarna, davon 16 Jahre als Chef

Albert Baumann, Chef der Micarna.

Albert Baumann, Chef der Micarna.

Bild: PD

Fast auf den Monat genau 16 Jahre werden es Ende 2021 gewesen sein, in denen der gebürtige Bischofszeller Albert Baumann die Micarna SA geleitet hat. Oder, wie es intern heisst, die Führung des Segments I (Fleisch, Geflügel, Fisch und Ei) der Migros-Industrie innehatte.

Vor der Übernahme der Leitung der Micarna war der gelernte Metzger bereits seit 1984 in verschiedenen Funktionen im Unternehmen tätig. Baumann wird bei seinem Rücktritt also insgesamt 37 Jahre für die Micarna gearbeitet haben.

Auch nach seinem Rücktritt bleibe Baumann der Micarna vorläufig erhalten, sagt Mediensprecher Reinhard Frei, und zwar in einem 50-Prozent-Pensum für Projekte. Zudem vertrete er Micarna weiterhin in Gremien der Schweizer Fleischbranche.

Die ganze Wertschöpfungskette beim Federvieh

«Nachhaltigkeit dank Qualität und Innovation»: So formulierte Albert Baumann das Ziel, als er am 1. November 2005 die Leitung der Micarna von Willi Enderli übernahm. Das habe er erfüllt. Bestes Beispiel dafür ist für die Micarna die Wertschöpfungskette Geflügel.

Bei dieser halte das Unternehmen sämtliche Stationen, verbunden mit einem hohen Tierwohl, in den eigenen Händen: vom Elterntierpark über das befruchtete Ei, die Geburt der Küken, die Mast der Poulets bis hin zu deren Schlachtung und Verarbeitung zum fertigen Produkt für den Konsumenten.

Ostschweizer Niederlage beim Geflügel

Gerade mit dem Stichwort Geflügel ist aber für den Ostschweizer Standort auch eine Niederlage in jüngerer Zeit verbunden. So hegte die Micarna geraume Zeit die Absicht, ihren geplanten zweiten Geflügelschlachtof in Bütschwil-Ganterschwil zu errichten und hier im Toggenburg 200 Arbeitsplätze zu schaffen.

Doch im Herbst 2019 gab die Migros dieses Projekt namens ATV Ost auf und beschied, man werde das Werk aus logistischen und finanziellen Überlegungen nun doch in der Nähe von Courtepin bauen, wo die Migros seit den 1960er-Jahren Geflügel verarbeitet. Dies soll, so der Entscheid vom Oktober 2020, in St-Aubin geschehen, 15 Kilometer von Courtepin entfernt.

Verdient gemacht in der Nachwuchsförderung

Zurück zu Albert Baumann. Bekanntlich ist Metzger ein Beruf, der nicht den besten Ruf geniesst, er ist körperlich anstrengend, und qualifizierte Fachkräfte zu finden, ist ebenso schwierig wie Jugendliche für eine Lehre zu begeistern.

Baumann hat sich auch darüber Gedanken gemacht. Und wurde 2014 für das Projekt «Mazubi», bei dem Lernende fiktiv ein Unternehmen führen, mit dem «Swiss Award» in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet. Zuvor hatte Baumann für «Mazubi» den Hans-Huber-Anerkennungspreis für die Förderung des Berufsnachwuchses erhalten.

Auch in der Ostschweiz wird investiert

An ihren beiden Hauptstandorten hat die Micarna 1600 Mitarbeitende in Courtepin und 800 in Bazenheid. Zudem gehören zur Gruppe eine Reihe weiterer Betriebe wie der Wurst- und Fleischspezialitätenhersteller Rudolf Schär in Thal oder der Eierproduzent Lüchinger + Schmid mit einem Standort in Flawil. Total kommen so gut 20 Standorte mit 3550 Mitarbeitenden inklusive 140 Lernender zusammen.

Nach dem Nein zum Geflügelprojekt ATV Ost sagte Micarna-Sprecher Reinhard Frei, die Ostschweiz werde nicht vernachlässigt. So wurde 2019 im Eiergeschäft in die neue Färberei von Lüchinger+Schmid in Flawil erheblich investiert, und in Bazenheid werde Micarna in Zukunft in die Charcuterie investieren. Konkreter könne man noch nichts sagen.