Umstrukturierungen bei Ostschweizer Firma Schubiger – Mitarbeiter behauptet: «Man wird zur Kündigung genötigt»

Die Serviceabteilung von Schubiger kommt unter ein neues Dach. Das gehe aber auf Kosten der Belegschaft, sagen manche Mitarbeiter.

Kaspar Enz
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Die Haushaltstechniker von Schubiger und der Service 7000 kommen unters selbe Dach. (Bild: Getty)

Die Haushaltstechniker von Schubiger und der Service 7000 kommen unters selbe Dach. (Bild: Getty)

Bevor Fust demnächst ein neues Logistikzentrum eröffnet, klärt der Haushaltsgerätespezialist in der eigenen Gruppe die Strukturen. Die Organisationen der Service 7000 und der Schubiger Haushalt werden ab Ok­tober ihre Servicedienstleistungen gemeinsam erbringen. Während Administration und Disposition der gemeinsamen Serviceorganisation vom Service-7000-Sitz Netstal GL aus erfolgt, bleibe der Verkaufsinnendienst von Schubiger in St.Gallen.

Mit der Massnahme könnten Synergien in Abwicklung und IT genutzt werden, schreibt Fust. Der Kunde merkt davon aber wenig: Beide Anbieter treten weiterhin unter ihren bisherigen Marken auf. «Dank der gemeinsamen Serviceorganisation werden die Prozesse optimiert und Kunden noch schneller und besser bedient», verspricht Fust-Sprecherin Andrea Fürer.

Tiefere Löhne angeboten

Für die betroffenen Mitarbeitenden sieht diese Umorganisation innerhalb der Coop-Gruppe aber anders aus. Am Montag vor einer Woche habe die Unternehmensführung die Belegschaft informiert, am Mittwoch hätten viele bereits die neuen Arbeitsverträge der Service 7000 vorgelegt bekommen.

Laut mehreren Mitarbeitern hätten diese Lohneinbussen von in manchen Fällen mehreren tausend Franken pro Jahr vorgesehen. «Von der versprochenen Besitzstands­wahrung kann keine Rede sein», sagt einer. Für Missmut sorge zum Teil auch die Zuteilung zu weiter entfernten Standorten. Ausserdem hätten nicht alle Mitarbeitenden ein Angebot bekommen.

Wer nicht annimmt, hat für das RAV «gekündigt»

Kritisiert wird auch das System des Leistungslohns, der bei der Service 7000 gilt – und künftig auch bei den bisherigen Mitarbeitenden der Schubiger Haushalt. Dieser trimme die Servicetechniker auf Umsatz. So dränge er sie dazu, Reparaturen durchzuführen, die sich kaum lohnen würden.

Zwar habe die Unternehmensführung unterdessen zum Teil bessere Bedingungen geboten. Trotzdem sei der Eindruck entstanden, man wolle Mitarbeiter mit kaum zumutbaren Stellenangeboten hinausdrängen. «Man wird zum Kündigen genötigt», sagt ein Mitarbeiter. Was sauer aufstösst: Wer dem neuen Vertrag nicht zustimmt, ist für das RAV für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses verantwortlich. Er werde damit gleich behandelt wie jemand, der freiwillig gekündigt hat.

Fust will Nachfolgelösungen suchen

Fust weist die Vorwürfe zurück. Die Löhne würden nicht tiefer ausfallen, im Gegenteil. «Alle Mitarbeitenden haben die Möglichkeit, ihren bisherigen Lohn bei höchster Leistung zu verbessern», teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Zur Kritik am Leistungslohn will Fust nichts sagen. «Interna kommentieren wir grundsätzlich nicht öffentlich», schreibt Fust-Sprecherin Fürer. Dass es zu Austritten komme, schliesst sie nicht aus. Insbesondere für einzelne Mitarbeitende der Administration müsse noch ein Job innerhalb der Coop-Gruppe gefunden werden. 

«Wir unterstützen alle betroffenen Mitarbeiter auf der Suche nach einer Nachfolgelösung.»

Änderungskündigungen erlaubt

«Das ist eine Verschlankung der Strukturen auf Kosten der Arbeitnehmer», sagt Anke Gähme, Regionalleiterin der Gewerkschaft Unia. Eine faire, arbeitnehmerfreundliche Firma hätte die Mitarbeitenden motiviert und ihre Arbeitsverhältnisse übernommen, sagt sie. Rechtlich sei der Spielraum für die Arbeitnehmer nicht gross. «In der Schweiz herrscht Vertragsfreiheit», sagt Gähme. Wenn sich die Mitarbeitenden wehren wollten, müssen sie sich zusammenschliessen. 

«Oder bei Anwälten oder Gewerkschaften Hilfe holen.»

Juristisch sieht auch Thomas Geiser, emeritierter Professor für Arbeitsrecht an der HSG, wenig Spielraum. Der Arbeitnehmer, dem ein schlechterer Vertrag angeboten werde, müsse die Lohneinbusse nicht in Kauf nehmen. «Er kann den neuen Vertrag ablehnen und sich eine andere Stelle suchen. Das ist freie Marktwirtschaft mit einem liberalen Arbeitsvertragsrecht.» Ob eine Stelle mit erheblich tieferen Lohn beim RAV als «zumutbar» gelte, sei zu prüfen. «Das braucht die Arbeitgeberin aber nicht zu kümmern.»

Schubiger-Filialen 
bleiben bestehen

Die Schubiger Haushalt AG wurde 1955 gegründet und baute seither ihr Filial- und Servicenetz aus. 2013 wurde Schubiger eine Division der RS Vertriebs AG, die bald darauf von Coop übernommen wurde. Coop ist auch Mutterkonzern von Fust und Service7000. Nach der Umstrukturierung wird sich die RS Vertriebs AG auf den Betrieb der Schubiger-Filialen in St.Gallen, Altstätten und Chur und auf Nettoshop.ch konzentrieren.