Reto Inauen ist neuer Präsident des Verbands der Thurgauer Raiffeisenbanken: «Man nennt mich hier den Appenzeller»

Reto Inauen ist neuer Präsident des Verbandes der Thurgauer Raiffeisenbanken. Er tritt die Nachfolge von Urs Schneider an.

Interview: Stefan Borkert
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Reto Inauen, neuer Raiffeisenpräsident Thurgau.

Reto Inauen, neuer Raiffeisenpräsident Thurgau.

Bild: Donato Caspari

24 Jahre hat Urs Schneider den Verband der Thurgauer Raiffeisenbanken massgeblich mitgeprägt, gut die Hälfte davon als Präsident. Sein Nachfolger Reto Inauen kommt aus Appenzell, war Bezirkshauptmann und hat sich vor zwei Jahren aus der Politik zurückgezogen, zu Gunsten der Raiffeisenbank Frauenfeld, die er seit 2011 leitet.

Was führt einen Innerrhödler in den Thurgau?

Reto Inauen: Ganz ehrlich, ich habe mich in den Thurgau und in Frauenfeld verliebt. Von der Mentalität her sind die Unterschiede gar nicht so gross wie bei der Sprache. Hier in Frauenfeld nennt man mich oft einfach nur den Appenzeller, denn den Dialekt habe ich nicht abgelegt.

Sie haben sich als CVP-Politiker in Appenzell Innerrhoden engagiert, waren dann Bezirkshauptmann, aber dann hat es mit dem Säckelmeister nicht geklappt.

Genau. Ich bin damals von meinen politischen Ämtern zurückgetreten. Das hat mir Freiraum verschafft. Freiraum, den ich jetzt als Thurgauer Raiffeisenpräsident auffüllen kann.

Sie sind ja nun einstimmig gewählt worden. Abgesehen von einer Nichtwahl, welches Ergebnis wäre für Sie enttäuschend oder problematisch gewesen?

Ich freue mich natürlich über die grosse Zustimmung. Aber bei einem Ergebnis von unter 60 Prozent hätte ich die Wahl nicht angenommen. Das wäre zuwenig Rückhalt gewesen. Doch das ist jetzt kein Thema. Eines aber kann ich schon sagen, so lange wie Urs Schneider werde ich nicht im Amt sein. Das ist leicht erklärt, denn ich bin jetzt 54 und war vorher nicht im Vorstand.

Zwei Amtszeiten werden es schon werden. Noch eine persönliche Frage: Was hat Sie 2011 von der Grossbank UBS weg- und zur genossenschaftlichen Raiffeisenbank Frauenfeld hingeführt?

Ich bin Banker durch und durch. Und ich bin auch leidenschaftlicher Unternehmer. Ich war einige Jahre Leiter der UBS-Geschäftsstelle in St.Gallen. Der unternehmerische Aspekt hat mich zu Raiffeisen geführt. Als Leiter einer Raiffeisenbank kann ich beides, Banker und Unternehmer, optimal miteinander verbinden. Und diesen Schritt habe ich nie bereut.

Die Thurgauer Raiffeisenbanken haben wiederum ein starkes Jahr mit gutem Wachstum hinter sich. Was ist das Geheimnis des Raiffeisen-Erfolgs?

Unser Erfolgsmodell ist die Genossenschaft und die Treue gegenüber den Kunden sowie die Treue der Kunden gegenüber ihrer Raiffeisenbank. Unsere Kunden sind als Genossenschafter ja auch Inhaber ihrer Bank. Das birgt ein grosses Potenzial für Identität.

Es ist noch nicht lange her, da galt das Genossenschaftsmodell als antiquiert und überholt. Rufe wurden laut, Raiffeisen Schweiz müsse sich neu organisieren und eine neue Struktur geben. Wollten Sie das auch?

Nein. Ich war und bin überzeugt vom Genossenschaftsmodell. Sehen Sie, heute redet keiner mehr davon, die Raiffeisen-Genossenschaft abzuschaffen. Dass wir uns modernisieren, anpassen und Ziele für die Zukunft formulieren, das ist klar. Dafür wurde ja auch die Reform 21 angestossen. Dieser Reformprozess ist voll im Gange. Bis Sommer werden erste Ergebnisse und eine Strategie von Raiffeisen Schweiz vorliegen. Doch an dem, was uns wirklich stark macht, wird nicht gerüttelt werden.

Raiffeisen Thurgau wird sich verändern. Der Vorstand ist durch neue Mitglieder, auch dank Ihnen, ein anderer geworden. Wohin geht die Reise?

Wir haben das Glück, ein gut bestelltes Feld zu übernehmen. Ich bin ein Typ, der sofort loslegen will. Wir werden uns erst einmal konstituieren, dann die Ergebnisse der Reform abwarten und schliesslich mit den Veränderungsprozessen anfangen.

Und das sind?

Die Raiffeisenbanken werden weiter Richtung Hybridbanken schreiten, mit einem digitalen Angebot, das es dem Kunden erlaubt, Bankgeschäfte dann zu erledigen, wenn er es möchte. Zum anderen wird die persönliche Beratung ausgebaut. Und drittens entwickeln sich die Raiffeisenbanken immer mehr zu Universalbanken. Das heisst, dass das Anlagegeschäft und das Firmenkundengeschäft wachsen wird.

Man sagt, Sie seien der Erste im Büro und der Letzte, der geht. Was machen Sie in Ihrer raren Freizeit?

Zeit mit der Familie verbringen, wandern, golfen, möglichst täglich schwimmen und seit kurzem den Hundesport Agility.