Mal so, mal anders: Bund verbietet Blumenverkauf in Migros- und Coopfilialen wieder

Eigentlich hätten Detailhändler seit Montag in ihren Filialen auch Blumen verkaufen dürfen, wie die Gartencenter. Doch über Nacht änderte der Bund die Regeln. Bericht über einen gesetzgeberischen Zickzackkurs.

Lucien Fluri
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Nur wenige Stunden durften Migros und Coop Blumen ganz offiziell verkaufen. Dann änderte der Bund die Regeln.

Nur wenige Stunden durften Migros und Coop Blumen ganz offiziell verkaufen. Dann änderte der Bund die Regeln.

Sandra Ardizzone

Thomas Bähler staunte, als er am Montag die Internetseite des Bundesamtes für Gesundheit besuchte. Es war der Tag, als Gartencenter, Blumenläden und Baumärkte öffnen durften. Auch Detailhändler wie Migros und Coop sollten in ihren Filialen wieder Blumen verkaufen dürfen. So hatte es der Bund zumindest zuvor festgehalten.

Doch Bähler, der Geschäftsführer der Vereinigung des Schweizerischen Blumengrosshandels, bemerkte, dass der Bund die Vorschriften quasi über Nacht geändert hatte. Am Montagmorgen verbot er den Grossverteilern nämlich wieder, in den Lebensmittelläden Blumen zu verkaufen. Sträusse an den Kassen müssten weg, in Filialen integrierte Blumenläden wieder schliessen, hiess es plötzlich. Was am Freitag noch erlaubt war, war am Montagmittag nicht mehr rechtens.

"Ein Missverständnis"

Beim Bundesamt für Gesundheit bestätigt man dies. Es habe ein Missverständnis zwischen dem Bundesrat und der Verwaltung gegeben, heisst es auf Anfrage. Denn der Bundesrat hatte vergangene Woche entschieden, dass die Lebensmittelläden auch künftig nur das Sortiment anbieten dürften, das sie bereits vor den Lockerungen anboten. In der Verwaltung ging man aber davon aus, dass die Läden künftig auch Blumen verkaufen dürfen, so wie die Gartencenter und Blumenläden. – Gleich lange Spiesse eben.

Doch das wollte der Bundesrat offenbar explizit nicht. Und das hat eine Vorgeschichte: Denn ursprünglich wollte die Landesregierung, dass die Detailhändler ab dem 27. April wieder ihr ganzes Sortiment anbieten dürfen und Regale mit Pfannen und Geschirr nicht mehr absperren müssen. Doch dies provozierte einen Aufschrei des Gewerbes. Es sei ungerecht, wenn Grossverteiler Waren verkaufen dürften, aber kleine Läden mit derselben Ware noch bis zum 11. Mai geschlossen bleiben, hiess es. Und so krebste der Bundesrat zurück. Er verbot den Detailhändlern in ihren Lebensmittelläden wieder, alles andere als Lebensmittel und einige Güter des täglichen Bedarfs zu verkaufen. Auch Blumen. Ausgenommen sind natürlich die Bau- und Gartencenter der Grossisten.

Gesetze können jetzt tatsächlich täglich ändern

Bei einem Detailhändler sagt man in leicht gereiztem Ton über das gesetzgeberische Hin und Her: «Wir möchten nicht mehr über Nebenschauplätze wie die Zulässigkeit des Verkaufs von Batterien, Unterhosen oder Bratpfannen diskutieren.»

Ein Augenschein in der Berner Innenstadt zeigte am Dienstagmittag allerdings: Nur wenige Hundert Meter vom Bundeshaus entfernt kann man bei Coop und Migros noch immer Blumen kaufen. Und das ist – inzwischen wieder – korrekt. Denn bereits am Dienstag änderte der Bund die Verordnung nochmals – die dritte Version innert drei Arbeitstagen. Blumen, die die Grossverteiler – gestützt auf die falschen Angaben des Bundes – bereits gekauft haben, dürfen sie noch abverkaufen. Unverderbliche Ware wie Blumenerde darf dagegen bereits ab Mittwoch, 29. April, nicht mehr verkauft werden.

Für Thomas Bähler ist das Vorgehen des Bundes «unerklärlich»: «Die Kühler einiger meiner Mitglieder sind jetzt bereits zum zweiten Mal voll mit praktisch unverkäuflicher Ware.» Er betont: «Auch die Schweizer Produktion wird zu einem schönen Teil über die grossen Detailhändler wie Migros und Coop abgesetzt.»