Mais + Kartoffeln = Sack

Frédéric Mauch hat vor vier Jahren BioApply gegründet, um die Flut der Plastiksäcke einzudämmen. Heute verkauft die Waadtländer Firma ihre biologisch abbaubaren Alternativen aus Maisstärke an grosse Namen wie Switcher oder LeShop.

Denise Lachat
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Frédéric Mauch (Bild: dl)

Frédéric Mauch (Bild: dl)

Gland. Swiss Bakers, Wenger, Claro, Edelweiss, Switcher, Solar Impulse, Alinghi, LeShop: Die Zahl der BioApply-Kunden ist seit der Firmengründung im Jahr 2006 so stark gewachsen, dass der ausladende Holztisch im Büro von Frédéric Mauch rasch mit Tragtaschen zugedeckt ist. «Wir empfehlen den Kunden ein leichtes, schlichtes Design», sagt Firmenchef Mauch und hebt zur Veranschaulichung das elegante Muster von Solar Impulse in die Höhe.

Solarflugzeug wie Schriftzug sind in feinem Grau gehalten, geradezu verspielt wirkt da die Tüte des Magazins Edelweiss, die rosa eingefärbt ist.

Nach strenger Norm

Beiden Modellen gemein ist aber, dass die Farben «garantiert biologisch» sind, wie Mauch sagt. Umweltschädigende Farben haben auf seinem Produkt, das der strengen EU-Norm 13432 entspricht, nichts zu suchen. Denn was auf den ersten Blick aussieht wie ein «normaler» Plastiksack, ist in der Tat ein Produkt aus Biokunststoff, hergestellt aus der Stärke von Kartoffeln und Mais. Der Bioplastiksack fühlt sich weicher und seidiger an als das auf Erdöl-Basis gefertigte Pendant, benötigt bei der Herstellung aber 40% weniger Energie, 10% weniger Wasser und setzt 10% weniger CO2 frei. Zudem sind die Bioplastiktaschen vollständig biologisch abbaubar, sie sind innerhalb von 12 Wochen zersetzt.

Säcke aus Erdölplastik hingegen überdauern in der Natur 400 Jahre – dabei werden sie in der Regel nur einmal kurz gebraucht. Mauch sagt: « Für die Umwelt sind sie veritable Zeitbomben.»

Wie ein Umweltaktivist wirkt der 39jährige Unternehmer nicht gerade, eher wie ein Vertreter der Modebranche, und da verdiente er zuvor auch sein Geld.

Die zum Grossteil in China hergestellten Private-Label-Accessoires gelangten zwar an die feinsten Adressen Europas, doch irgendwann hatte Mauch von dem «absurden Produktezyklus» genug. Kritiker bemängeln zwar, dass die BioApply-Taschen aus essbaren Rohstoffen hergestellt werden, während grosse Teile der Weltbevölkerung unter Hunger litten. Mauch hält wenig von dieser Polemik, für sein Produkt würde schliesslich kein Regenwald abgeholzt.

BioApply verwende ausschliesslich gentechfreie Kartoffeln und Mais aus Europa, «und da produzieren die Bauern bereits zu viel». Unlängst wurde er sogar vom Genfer Landwirtschaftsamt kontaktiert, das einen neuen Absatzkanal für lokale Produkte sucht.

Das Verhalten ändern

Ohnehin hofft Mauch auf einen langfristigen Nutzen, auf ein verändertes Verhalten von Produzenten und Konsumenten gleichermassen: Tüten sollen möglichst mehrfach verwendet werden oder verschiedene Funktionen erfüllen.

Der Kleiderhersteller Switcher etwa gibt seine BioApply-Taschen, die zwei- bis dreimal teurer sind als Erdölplastik, nicht gratis ab – «eine Revolution in der Modebranche», sagt Mauch.

Und die Tüten der Schweizer Bäcker halten Brot, Früchte und Gemüse während mehrerer Tage frisch und lassen sich anschliessend als Kompostsäcke verwenden.

Für die Herstellung arbeitet die Firma aus dem waadtländischen Gland mit Partnern in der Schweiz, in Deutschland und in Italien zusammen, für die Entwicklung weiterer umweltfreundlicher Produkte auch mit der Eidg. Forschungsanstalt Empa in St. Gallen.

Abbaubare Flipflops

So hat Jungunternehmer Mauch etwa biologisch abbaubare Flipflops im Auge: Im Juni liess BioApply sein Spritzguss-geeignetes Granulat patentieren.

«Das verdanken wir auch der Unterstützung des Kantons Waadt und der Förderagentur des Bundes für Innovation», sagt Mauch, der sein Start-up ausschliesslich mit privaten Mitteln finanzierte. Inzwischen hat BioApply neben den vier Mitarbeitern in Gland auch zehn Vertreter in Europa, in den USA und in den Arabischen Emiraten, und es erreichte letztes Jahr mit 1 Mio. Fr. Umsatz die schwarzen Zahlen und budgetiert für dieses Jahr doppelt so viel.

Laut Branchenverband European Bioplastics liegt der Anteil von Biokunststoffen weltweit aktuell bei 10%. Innert zehn Jahren soll der Anteil von Bio auf einen Drittel steigen.