Die luxuriöse Reise des Magazins «Prestige» nach Paris

Ein kleiner Schweizer Zeitschriftenverlag soll nach einem Börsengang über 250 Millionen Euro wert sein.

Christian Mensch
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Der Name des Magazins ist sein Programm.

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Bild: PD

Die Rundschau Medien sind ein unspektakulärer Kleinverlag aus Muttenz, einem Baselbieter Vorort von Basel. Der Stolz des Verlags sind die Hochglanzmagazine «Prestige», die es als verschiedene Länderausgaben gibt. Eher hausbacken sind Publikationen wie «Der Geschäftsführer», ein PR-lastiges Wirtschaftsmagazin mit regionalen Ausgaben, oder «Die Rundschau», eine KMU-Zeitschrift für verschiedene Branchen.

Neuerdings gehören die Rundschau Medien gemäss eigener Deklaration mehrheitlich zur Prestige Media Group SA in Paris. Es seien hier Investoren am Werk, die dem Verlag zum grossen Durchbruch in der digitalisierten Welt verhelfen sollen. Eine neue «Prestige»-Reihe mit Produktempfehlungen aus dem Luxusbereich ist gemäss Website ebenso in der Pipeline wie eine Reihe neuer «Prestige»-Ausgaben für einzelne deutsche und amerikanische Städte. Ein Börsengang soll für das nötige Kleingeld sorgen. Denn bei den neuen Investoren handelt es sich vorwiegend um die alten Eigentümer der Rundschau Medien, die sich bloss einen neuen Mantel zugelegt haben.

Eine 500-Euro-Firma wird gross gemacht

Bis im vergangenen Jahr hiess die Prestige Media Group noch M&H Invest Partners und hatte ein bescheidenes Aktienkapital von 500 Euro. Im September übernahm die Rundschau-Crew die Firma und modelte sie um. Dies gibt ein 26-seitiges Protokoll wieder, das dieser Zeitung vorliegt. Das Aktienkapital wurde auf knapp 20 Millionen Euro hochgesetzt. Mit Minderheiten sind auch eine Offshore-Firma aus den Britischen Jungferninseln und eine Topfield Inc. aus Hongkong im Geschäft mit der Pariser Gesellschaft. Das Ziel ist in den nächsten zwei Monaten ein Gang an die Pariser Börse Euronext. Damit Anleger beim unbekannten Börsenneuling anbeissen, muss jedoch zuerst kräftig deren Fantasie angekurbelt werden.

Die Zürcher Numerian Treuhand AG hat sich dieses Geschäfts angenommen. Sie preist die Pariser Firma als erfolgversprechendes Investment an. Aufgrund der Nähe zu Luxus und Lifestyle sowie einem stabilen und positiven Marktumfeld sei Frankreich der ideale Standort, ist auf der Website zu lesen. Die Prestige Media Group biete interessierten Personen zudem direkten Zugang zu Entscheidern der grossen Marken wie Rolex, Patek Philippe, Omega oder der Swatch-Gruppe.

Die Numerian Treuhand rechnet vor. Schon zuletzt sei die Aktie für 12.50 Euro verkauft worden, was einer Marktkapitalisierung der Firma von rund 250 Millionen Euro entspreche. Das Ziel sei ein Eröffnungskurs an der Börse von 17.50 Euro. Blöd müsste sein, wer sich da nicht rechtzeitig beteiligt.

Turbulenzen vor dem grossen Reibach

Einziger Verwaltungsrat und erkennbarer Mitarbeiter der Numerian Treuhand ist der Zürcher Tibor Müller. Er hat die Firma reaktiviert, nachdem sie vom Zürcher Handelsregisteramt wegen eines fehlenden Domizils bereits in Liquidation geschickt worden war. Der Mann müsste beim neuen Investment wissen, wovon er spricht. Schliesslich ist Müller im Verwaltungsrat sowohl Verwaltungsrat der Pariser Firma Prestige Media Group als auch der Rundschau Medien. Genauere Auskunft über den Börsengang will Müller nicht geben, dafür drohte er bei einer Berichterstattung zwischenzeitlich mit rechtlichen Schritten.

Gemäss den Pariser Akten ist Francesco Ciringione grösster Anteilsnehmer der Firmengruppe. Doch die Aussicht auf das grosse Geld scheint eine ungewollte Gruppendynamik ausgelöst zu haben. Ende November trat Ciringione überraschend aus dem Verwaltungsrat der Rundschau Medien zurück. Er sei auch aus dem Verwaltungsrat der Pariser Gesellschaft ausgetreten, was er mit einem Protokoll belegt. Seine Aktien, so sagte er, habe er der Numerian Treuhand verkauft.