Madoff attackiert Banken

Aus seiner Gefängniszelle bezichtigt Milliardenbetrüger Bernard Madoff Banken und Hedge- Fonds der Mitwisserschaft. Seine Aussagen könnten eine Rolle spielen in Hunderten Prozessen.

Thomas Spang
Drucken
«Wenn du was Falsches gemacht hast, dann wollen wir es nicht wissen»: Bernard Madoff über die Haltung von Banken. (Bild: epa/Justin Lane)

«Wenn du was Falsches gemacht hast, dann wollen wir es nicht wissen»: Bernard Madoff über die Haltung von Banken. (Bild: epa/Justin Lane)

Washington. Im ersten Interview seit Antritt seiner 150jährigen Haftstrafe rückt Madoff von seiner Position ab, er allein habe vom grössten Finanzbetrug in der Geschichte der USA gewusst. Der 71-Jährige, der 16 Jahre lang private und institutionelle Anleger mit einem Schneeballsystem an der Nase herumgeführt hatte, beschuldigt nun Banken und Hedge-Fonds der Komplizenschaft.

«Sie müssen es gewusst haben», sagte Madoff der «New York Times» in der Haftanstalt von Butner in den Sümpfen des US-Staats North Carolina. Sie hätten die Diskrepanzen zwischen seinen Mitteilungen an die Finanzbehörden und Informationen, die ihnen selber vorlagen, unter die Lupe nehmen müssen. «Ihre Haltung war stattdessen: Wenn Du was Falsches gemacht hast, dann wollen wir es nicht wissen.» Das komme «bewusster Blindheit» gleich.

Bankerin Kohn unter Beschuss

Die Vorwürfe des Milliardenbetrügers dürften seiner Hausbank JP Morgan Chase genauso unwillkommen sein wie der Wiener Bankerin Sonja Kohn, die über ihr Fonds-Netz Madoff rund die Hälfte aller Investoreneinlagen verschafft hatte. JP Morgan Chase und Kohn gehören zu den grösseren Zielscheiben des gerichtlich eingesetzten Verwalters der Madoff-Hinterlassenschaft, Irving Picard. Dieser hat bereits 10 Mrd. $ gesichert und versucht den Rest der erschwindelten 20 Mrd. $ in Bareinlagen plus entgangenen Gewinnen in Hunderten Prozessen von Profiteuren des Schneeballsystems zurückzufordern.

JP Morgan Chase sieht sich in der Klageschrift dem Vorwurf ausgesetzt, die Bank habe über Jahre Verdachtsmomente gehabt, was diese bestreitet. Madoffs Interview scheint die Vorhaltungen gegen seine langjährigen Partner nun indirekt zu bestätigen.

«Das Opfer eines Betrugs»

Kohn, Gründerin der Wiener Bank Medici, soll laut Klage vom 10. Dezember letzten Jahres 62 Mio. $ an Schmiergeldern für ihre Dienste erhalten haben. Ein Vorwurf, den Kohn vehement zurückweist. Sie sei wie andere das Opfer eines Betrugs gewesen, «der Leben, Lebensersparnisse und Unternehmen zerstört hat».

Leben auf 4 mal 4 Metern

Madoff hatte sich vergangenen Sommer vier Tage lang im Gefängnis mit Picard und einem Expertenteam getroffen. Er habe Informationen weitergegeben, «von denen ich wusste, dass sie helfen konnten, Vermögen von Leuten sicherzustellen, die an dem ganzen Theater beteiligt waren». Im Gefängnis teilt sich Madoff eine Zelle von 16 m² mit einem Mithäftling. Er steht unter strenger Überwachung, Telefonate, E-Mails und Briefe werden rigoros kontrolliert.