Machtkampf um Renault

Der französische Autohersteller Renault möchte mit Partner Nissan enger zusammenspannen. Der französische Staat will aber als Hauptaktionär ein Wort mitreden. Nun bricht der latente Streit offen aus.

Stefan Brändle
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PARIS. Nicht nur Volkswagen hat Probleme. Der französische Autohersteller Renault gerät zunehmend in den Clinch zwischen zwei mächtige Player – Nissan und der französische Staat. Konzernchef Carlos Ghosn wäre bereit, den Japanern endlich die ihrem Kapitalanteil entsprechenden Stimmrechte zu gewähren. Das würde aber den Einfluss des französischen Staates schmälern, der derzeit 19,7% des Renault-Kapitals hält und seine Stimmrechte kürzlich auf dem Gesetzesweg erhöht hat.

Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hat deshalb Ghosn rüde zurechtgewiesen und ihm bedeutet, er sei «Konzernchef, nicht Aktionär» und solle gefälligst «nicht den Beruf anderer ausüben». Der Angesprochene kontert, indem er für heute Freitag den Verwaltungsrat einberuft, wo er den Staatsaktionär in die Minderheit versetzen will.

Lunte brennt schon länger

Die Lunte brennt seit längerem zwischen Ghosn und Macron. Im Sommer hatte der Minister durchgesetzt, dass langfristige Aktionäre – darunter der französische Staat – in gewissen Grosskonzernen doppelt so viele Stimmrechte wie bisher erhalten. Der Renault-Vorsteher, der in Personalunion auch Nissan-Chef ist, leistete erbitterten Widerstand, wurde aber an der Aktionärsversammlung überstimmt. In seinem nicht geringen Ego verletzt, sucht Ghosn die Revanche. Ein Mittel ist für ihn, den Partner Nissan auf Kosten des französischen Staates aufzuwerten. Während Renault 43,4% an Nissan hält, halten die Japaner umgekehrt nur 15% der Anteile an Renault – und haben null Stimmrecht. Heute ist Nissan aber global aufgestellt und solider als Renault, die zu stark von Europa und Frankreich abhängig bleibt. Punkto Umsatz und Börsenkapitalisierung wiegen die Japaner heute mehr als doppelt so schwer wie die Franzosen.

Macron versprach zwar am Montag, er werde den kurzfristig erhöhen Aktienanteil des Staates bei Renault von 19,7% wieder auf 15% senken. Bisher hat er allerdings keine Anstalten dazu getroffen. Nissan kritisiert das offen: «Der französische Staat hat heute bedeutend mehr Gewicht», meinte Wettbewerbsdirektor Hiroto Saikawa. «Das ist für Renault ein grosses Problem – und für uns bei Nissan ein Anlass zur Beunruhigung.»

Ungewohnt scharf

Solche drohenden Worte sind sich die Franzosen aus Yokohama nicht gewohnt. Pariser Ökonomen wie François Lenglet fragen sich bereits, ob die Allianz Renault-Nissan gefährdet sei.

Wenn, dann am ehesten durch die Einmischung des französischen Staates. Er hat es bis heute nicht verwunden, dass er bei der einstmals staatlichen «Régie Renault» nicht mehr das alleinige Sagen hat, und will den Japanern nicht die ihnen gebührende Mitsprache einräumen.