Wer gewinnt den Machtkampf um den Gipfeli-Bäcker Aryzta? Nächste Woche kommt es zur Entscheidung

Zwei Grossaktionäre wollen einen eigenen Kandidaten zum Präsidenten des Backwarenherstellers küren. Dagegen wehrt sich der Verwaltungsrat.

Daniel Zulauf
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Der Backwarenhersteller Aryzta steckt schon länger in der Krise: Der Börsenwert der Firma ist von einst rund 7 Milliarden auf mickrige 600 Millionen Franken abgeschmolzen.

Der Backwarenhersteller Aryzta steckt schon länger in der Krise: Der Börsenwert der Firma ist von einst rund 7 Milliarden auf mickrige 600 Millionen Franken abgeschmolzen.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Der Verwaltungsrat misstraut seinen Aktionären und diese misstrauen dem Verwaltungsrat. Dieses oft unterschwellige Problem tritt vor allem dann mit aller Kraft hervor, wenn die Geschäfte schlecht laufen. Das lässt sich beim schlingernden Backwarenhersteller Aryzta schon seit längerem beobachten. Nächste Woche kommt es nun zur Entscheidung im Machtkampf um das Unternehmen.

Grossaktionär Gregor Greber sucht mehr Einfluss.

Grossaktionär Gregor Greber sucht mehr Einfluss.

PD

Eine Aktionärsgruppe um die Beteiligungsgesellschaft Veraison des Zuger Investors Gregor Greber sowie des spanischen Vermögensverwalters Francisco García Paramés besitzen rund 20 Prozent aller Aryzta-Aktien. Die Gruppe ist die dominierende Kraft in der Eigentümerschaft. An einer ausserordentlichen Generalversammlung am kommenden Mittwoch verlangt sie die Abwahl mehrerer Verwaltungsräte. Als Ersatz für den abtretenden Präsidenten Garry McGann portiert die Gruppe den gelernten Aargauer Bäcker Urs Jordi. Dieser ist unter Ägide des legendären «Gipfelikönigs» Fredy Hiestand zum Chef aufgestiegen. Aryzta war 2008 aus der Fusion der Hiestand Holding und der irischen Landwirtschaftskorporation IAWS entstanden.

Andreas Schmid ist der offizielle Kandidat für das Präsidium.

Andreas Schmid ist der offizielle Kandidat für das Präsidium.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Der Verwaltungsrat von Aryzta dagegen will den Zürcher Verwaltungsratsprofi Andreas Schmid zum Präsidenten küren. Schmid hat schon diverse grosse Schlachten mit Aktionären geschlagen. Diese Erfahrung soll ihm auch diesmal helfen. Der Aryzta-­Verwaltungsrat argumentiert zudem, die oppositionellen Aktionäre erhielten mit ihren diversen Kandidaten und ­Jordi als Präsidenten de facto die Kontrolle über das Unternehmen, ohne dass sie den anderen Aktionären dafür einen Aufpreis auf den Aktienkurs ­zahlen müssten. Das ist ein legalistisches Argument, das selten in den Vordergrund gerückt wird. Aber es kann viel Wirkung entfalten.

Mit den gleichen Argumenten für den anderen Kandidaten

Einflussreiche Stimmrechtsberater wie die Genfer Ethos Stiftung oder die amerikanische ISS setzen auf dieses Argument, um Schmid zur Wahl zu empfehlen. Zudem bringe dieser grosses Know-how in der Nahrungsmittelindustrie mit, das er sich in seiner Tätigkeit für den Schokoladenhersteller Barry Callebaut angeeignet habe. Schliesslich habe Schmid Erfahrungen als Präsident bei Firmen wie Gategroup oder Flughafen Zürich gesammelt, die restrukturiert werden mussten.

Auch er will Präsident werden: Urs Jordi, Ex-Chef von Hiestand.

Auch er will Präsident werden: Urs Jordi, Ex-Chef von Hiestand.

PD

Mit den gleichen Argumenten hätten Ethos und ISS aber ebenso gut für den Gegenkandidaten Jordi werben können. Dieser war während 17 Jahren für die Hiestand-Gruppe tätig. Kurz nach seinem Eintritt schickte ihn der damalige Patron Fredy Hiestand mit einer schwierigen Sanierungsmission nach Polen. Jordi meisterte die Aufgabe mit Bravour und wurde Hiestand-Chef.

Offensichtlich ist die Qualifikation der Kandidaten nur vordergründig ­entscheidend für die Empfehlung der Stimmrechtsberater. Unter der Oberfläche geht es vielmehr um die Frage, wer die Geschichte von Aryzta fortschreiben darf.

Es ist logisch, dass Jordi als Herausforderer auf eine grosse personelle Erneuerung setzt: «Es braucht Leute an der Spitze, welche die Industrie und ihre Logik kennen, Leute, die wissen, mit welchen Innovationen sie für Wachstum sorgen können», sagte er unlängst der Zeitung «Finanz und Wirtschaft». Umgekehrt legt Schmid ebenso selbstverständlich schon jetzt seine schützende Hand über die bestehende Equipe: Er halte grosse Stück auf das Management und traue ihm zu, dass es das Unternehmen unterstützt von einem starken Verwaltungsrat wieder als ­Leader in der Industrie positionieren könne.

Saläre in Millionenhöhe trotz Debakel

Was aussehen soll wie ein Zweikampf um die Gunst der Aktionäre, ist für die bestehende Aryzta-Equipe vor allem ein Ringen um die Deutungshoheit. Warum schreibt der Konzern seit drei Jahren tiefrote Zahlen? Warum ist sein Börsenwert von einstmals rund 7 Milliarden auf mickrige 600 Millionen Franken abgeschmolzen? Wer ist Schuld daran und sollte vielleicht jemand dafür gerade stehen?

Trotz des Debakels liessen sich die Aryzta-Manager im vergangenen ­November Löhne im Gesamtwert von 19 Millionen Franken auszahlen. ­«Unerklärlich, beschämend und keinesfalls gerechtfertigt», sagte Fredy Hiestand damals in der «Sonntagszeitung». Der Gang an die Börse sei ein Fehler gewesen. «All die Kleinaktionäre, die an uns geglaubt haben, tun mir leid, wenn sie Geld verloren haben.» Dem wollte der Unternehmensgründer auf Anfrage dieser Zeitung nichts mehr beifügen.

Das Aryzta-­Management will nun den Folgen einer drohenden Niederlage an der Generalversammlung entkommen. Wie der Verwaltungsrat diese Woche mitgeteilt hat, verhandelt er mit dem US-Hedgefonds Elliott ­Advisors über den Verkauf der ganzen Firma. Auch das ist eine Methode, mit der Geschichte abzuschliessen. Um das zu verhindern müssten die oppositionellen Aktionäre neue Verbündete ­finden, die an ihre Visionen glauben. Dies ist allerdings ein schwieriges Unterfangen.

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