Lufthansa auf der Suche

FRANKFURT. Lufthansa-Chef Christoph Franz hat mitten in der Sanierungsphase der Airline angekündigt, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Er verlasse Lufthansa «schweren Herzens», sagt er über seinen bevorstehenden Abgang zum Pharmakonzern Roche.

Ulrich Glauber
Merken
Drucken
Teilen

FRANKFURT. Lufthansa-Chef Christoph Franz hat mitten in der Sanierungsphase der Airline angekündigt, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Er verlasse Lufthansa «schweren Herzens», sagt er über seinen bevorstehenden Abgang zum Pharmakonzern Roche. Da die Grundlagen der Sanierung des Luftfahrtkonzerns gelegt seien, sei das Ende seines laufenden Vertrags Ende Mai 2014 jedoch «ein passender Zeitpunkt für einen Führungswechsel.»

Vor allem die zweite Behauptung stösst in Deutschland auf Unverständnis. Im grössten Sanierungsprogramm der Unternehmensgeschichte will Lufthansa unter anderem durch Abbau von 3500 Stellen 1,5 Mrd. € einsparen. Das Programm «Score» läuft bis 2015. Dass Franz sich vor dem Vorliegen der endgültigen Ergebnisse verabschiede, sei ein Affront gegen die von Gehaltskürzungen betroffenen Mitarbeiter.

«Kaum abzulehnen»

Franz habe nun mal ein «Angebot, das man kaum ablehnen kann» und aus «allzu menschlichen Motiven» angenommen, heisst es schon realistischer aus dem Umfeld des Lufthansa-Chefs. In Basel wird er bei Roche deutlich mehr verdienen. «Ich respektiere seine Entscheidung und habe dafür auch Verständnis», wurde Verwaltungsratschef Wolfgang Mayrhuber in der Bestätigung der Abschiedspläne von Franz durch die Lufthansa zitiert. Die kühle Höflichkeit der Formulierung ist berechtigt. Für Mayrhuber kommt die Überraschung mitten in der Restrukturierung des Luftfahrtkonzerns zur Unzeit. Der gebürtige Oberösterreicher war massgeblich an der Bestellung von Franz zu seinem Nachfolger an der Vorstandsspitze Anfang 2011 beteiligt. Schon werden Zweifel laut, ob dem 66jährigen Mayrhuber sein nächster Kandidat nicht früher oder später ebenfalls von der Fahne gehen würde.

Carsten Spohr ist Favorit

Schon deshalb ist es unwahrscheinlich, dass der Nachfolger des Lufthansa-Chefs auf Abruf von aussen kommen wird. Als Favorit für die Franz-Nachfolge gilt der 45jährige Carsten Spohr. Der Verantwortliche für das Lufthansa-Passagiergeschäft gehört dem fünfköpfigen Konzern-Vorstand ebenso an wie Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt, dem ebenfalls Chancen eingeräumt werden.

Unter den Geheimfavoriten wie Passagier-Personalvorstand Peter Gerber oder Germanwings-Chef Thomas Winkelmann werden dem 49jährigen Harry Hohmeister am wenigsten Chancen eingeräumt. Der Chef der Tochter Swiss und Franz-Vertraute zog zwar im Juli in den Lufthansa-Vorstand ein. Doch wegen seiner sehr direkten Art ist er nach Darstellung von Branchenkennern intern umstritten.